Gangster-Thriller meets Familiendrama: Mehr noch als der Vorgänger interessiert sich die mit Andy Garcia, Mario Van Peebles und Aidan Quinn prominent besetzte Fortsetzung La Linea 2 für die Menschen hinter Mafioso, FBI-Agent und Verbrecher. Das sorgt manchmal für eine nachdenkliche Stimmung, bremst aber meistens aus.
11 Milliarden Dollar hat Betrüger Charlie Wright (Aidan Quinn) bei verschiedenen Anlegern locker gemacht und auf seine eigenen Konten überwiesen. Ein Teil des Geldes ist weg, ein anderer ist zurückgegeben, etwa 2 Milliarden sind noch im Umlauf. Als Wright dem FBI durch die Lappen geht, ruft das die mordlüsternen Schergen eines betrogenen Russenpaten und die mexikanische Mafia mit Geldsorgen auf den Plan.
Im Jahre 2000 sorgte Steven Soderberghs Episodenthriller Traffic - Macht des Kartells für internationales Aufsehen. Er zeichnete realistisch die Facetten des Drogenhandels, porträtierte Süchtige und Bekämpfer des Drogenschmuggels, zeigte, wie die Logistik zur Verbreitung funktioniert. Ihm gelang ein Einblick in die Verstrickungen von Wirtschaft, Politik und dem "Verbraucher", eingefangen in den fiebrigen Bildern einer Handkamera. Natürlich ist La Linea weit von dieser Brillanz entfernt, obwohl der Schauplatz Tijuana an der mexikanischen Grenze und das Thema Korruption gleich sind.
Die direkt für den Heimkinomarkt produzierte Fortsetzung hat nur noch am Rande mit der Grenzlinie zwischen Mexiko und den USA zu tun, an der Rauschgift in rauen Mengen umgesetzt wird. Wieder steht der - inzwischen hoch verschuldete - mexikanische Pate Jorge Garza im Mittelpunkt, der von Andy Garcia (Ocean's 13) mit nonchalanter Fidel-Castro-Attitüde verkörpert wird. Dieses Mal allerdings steht die Zukunft der "Familie" auf dem Spiel. Diesen Kampf um seine Zukunft ficht auch der flüchtige Charlie Wright aus, etwas blass gegeben von Aidan Quinn (Unknown Identity). Er sucht nach einem unehelichen Kind und kurzen Momenten der Freiheit.
Dass unter diesen Voraussetzungen keine Action-Orgie zu erwarten war, scheint klar. Doch La Linea 2 vermag auch in den bedächtigen Passagen nicht zu überzeugen. Zwischen den sonnendurchfluteten Bildern der Handkamera und dialoglastigen Passagen schimmern nur selten Ansätze von Tiefgang hindurch, die diese Fokussierung notwendigerweise gebraucht hätte. Eine wenig aufwendig, dafür leidlich spannend inszenierte Verfolgungssequenz, die zu einer längeren Schießerei in einer Stierkampfarena führt, ist das einsame Action-Highlight. Auffällig ist jedoch, dass dabei sowohl an Kunstblut als auch pyrotechnischen Effekten und Tempo gespart wurde. Dass der Showdown auf dem Markt von Tijuana, als alle drei Parteien Wright greifen wollen, scheinbar absichtlich in den Sand gesetzt wurde, ist symptomatisch für die finanzielle Sparsamkeit der Inszenierung.
Das Wesentliche des Films spiegelt sich in Mario Van Peebles (Ali) stets bedröppeltem Gesichtsausdruck als wiederholt versagender FBI-Agent: La Linea ist trotz guter Absichten und Ansätze mit seinem Spagat zwischen Gangsterthriller und Familiendrama am Ende mangels Tempo, Substanz und inszenatorischer Klasse gescheitert. Da hilft auch der nachdenkliche Off-Kommentar zum fast schon poetischen Schlussbild nicht mehr viel.