Der japanische Oscar-Beitrag Confessions hat es letztes Jahr bis auf die Shortlist für die Oscars geschafft, die Nominierung schlussendlich knapp verpasst. Qualitativ ist das kaum nachvollziehbar, braucht sich dieses kompromisslose und hervorragend geschriebene Rachedrama nicht vor den Werken Park Chan-Wooks zu verstecken und ist daher nicht nur für Genrefans eine kleine Perle, die man unter keinen Umständen verpassen sollte.
Basierend auf dem in Deutschland bislang unveröffentlichten, gleichnamigen Bestsellerroman schuf Memories of Matsuko-Regisseur Tetsuya Nakashima mit Confessions ein Rachedrama, das in seinem Heimatland nahezu alle Filmpreise mit nach Hause nehmen konnte. Grund genug, diesem asiatischen Film die seltene Ehre eines deutschen Kinostarts zu geben und dem Publikum hierzulande zu ermöglichen, diesen hervorragenden Film auf einer großen Leinwand zu sehen.
An einem scheinbar ganz normalen Tag steht die junge alleinerziehende Lehrerin Yuko Moriguchi vor ihrer rebellischen Klasse und macht ihr ein Geständnis: Das aktuelle Schuljahr wird ihr letztes sein! Grund hierfür ist der Tod ihrer Tochter und die Tatsache, dass es sich bei deren Mörder um zwei Schüler aus ihrer Klasse handelt. Doch sie sehnt sich nach Rache, macht ihrer Klasse klar, dass sie die beiden als Schüler A und Schüler B bezeichneten Individuen gerne töten möchte - wohlwissend was für eine Panik sie mit ihrer Aussage bei den nun scheinbar hilflosen Mördern auslösen kann.
Mehr soll und darf über die Geschichte nicht verraten werden, denn auch hier gilt: Je weniger man über den Storyverlauf im Vorfeld erfährt, desto besser. Nakashimas Film ist aufgebaut in mehrere Geständnisse, in denen die zentralen Figuren ihr Gefühlsleben schildern bzw. darlegen, was sie zu den jeweiligen Taten motiviert hat. Dieses Ausbreiten ihrer Seele ist dabei größtenteils ein Hilfeschrei der einzelnen Figuren. Da die Themen nicht mit Samthandschuhen angefasst werden und jeder Charakter trotz schlimmster Taten nachvollziehbar handelt, bestärkt dies den positiven Eindruck des hervorragenden und tiefgründigen Drehbuchs. Dass die Gesellschaftskritik in keiner Szene überzeichnet wirkt und der Film auch ein fast schon meisterliches Ende findet, rundet das Ganze zudem wunderbar ab.
Nach seiner depressiven und kunterbunten Amélie-Variante darf sich Nakashima erneut optisch ausleben. Neben den ästhetischen Bildern gefällt auch die Härte des Filmes, die zu keinem Zeitpunkt dem Horrorgenre zuzuschreiben ist, da die Taten kunstvoll und mit einer großartigen Kameraarbeit veranschaulicht werden. Der in Dauerschleife im Hintergrund ertönende Soundtrack (auf diesem befinden sich unter anderem bekannte Bands wie Radiohead) tut sein Übriges. Der große Kniff jedoch sind die vielen Voice Overs der titelgebenden Geständnisse; hierbei sei auch die fast schon monologartige Eröffnung erwähnt, in der Yuko ihre Leidensgeschichte über fast 25 Minuten an ihre desinteressiert wirkenden Schüler heranträgt.
Mit Ausnahme der Lehrerin verzichteten die Produzenten darauf, ihre Figuren mit prominenten Darstellern zu besetzen und suchten ihr Glück weitestgehend mit Debütanten. Diese mutige Entscheidung ist als geglückt zu bezeichnen, wirken deren Gesichter nicht nur unverbraucht, sondern extrem natürlich und real. Takako Matsu spielt zudem den Part als gebrochene und vor Rache getriebene Mutter souverän und geht in ihrer Rolle regelrecht auf.
Schon in den ersten Minuten sitzt der Zuschauer gebannt vor der Leinwand in Erwartung dessen, was noch folgen wird. Er bekommt ein hervorragend geschriebenes Rachedrama geboten, das sich vom Meister des Genres Park Chan-Wook (Oldboy, Sympathy for Mr. Vengeance) in keiner Sekunde zu verstecken braucht. Confessions ist ein gesellschaftskritischer Beitrag über menschliche Seelenschmerzen, verpackt in einem hochspannenden und hervorragend bebilderten Film. Ein echter Geheimtipp!