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Fliegende Fische müssen ins Meer

(Fliegende Fische müssen ins Meer, 2011)

Dt.Start: 25. August 2011 Premiere: 03. April 2011 (Festival, Deutschland)
FSK: o.A. Genre: Komödie, Drama
Länge: 87 min Land: Schweiz, Deutschland
Darsteller: Meret Becker (Roberta Meiringer), Elisa Schlott (Nana Meiringer), Barnaby Metschurat (Eduardo), Hanspeter Müller (Karl Hauser), Mona Petri (Doris Gilbert), Andreas Matti (Herr Gilbert), Annette Corti (Nora Peters), Alia Duncan (Tatjana Meiringer), Isabella Schmid (Elvira Thommen), Joseph Sunkler (Toto Meiringer), Ruth Schwegler (Rosa Eisenhuth)
Regie: Güzin Kar
Drehbuch: Güzin Kar


Inhalt

Da ihre Mutter offensichtlich mit kurzlebigen, unglücklichen Liebesaffären beschäftigt zu sein scheint, muss die 15-jährige Nana Meiringer selbst die Rolle der Versorgerin für sich und ihre jüngeren Geschwister Tatjana und Toto übernehmen. Nur durch Tagträumereien kann sie dem tristen Alltag als Schleusenwärterin bei einem Wasserkraftwerk entfliehen. Als sich eines Tages jedoch das Jugendamt einschaltet, ergreift Nana ihre Chance, ihr Leben in die richtigen Bahnen zu lenken.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Fliegende Fische müssen ins Meer hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 44%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Fliegende Fische müssen ins Meer hat eine Wertung von 44%
Nana ist 15, muss aber schon reichlich Verantwortung tragen. Ihre Mutter ist ein schrilles Geschöpf, das sein Heil in der Heirat des richtigen Mannes sieht. Aus dieser Strategie sind bereits drei Kinder entstanden. Nana möchte auf keinen Fall so werden wie ihre Mutter. Sie träumt von einer Karriere als Kapitänin. Wie sie das angehen soll, weiß sie aber leider nicht. Zum Glück nimmt sich der junge, adrette Arzt Eduardo ihrer an. Nana sieht in seiner Hilfestellung allerdings mehr als Freundschaft. Coming-of-Age-Drama, das einer kleinen Freakshow gleicht und über die schräge Inszenierung immer wieder den Kurs verliert.

Bild aus Fliegende Fische müssen ins Meer Deutsche Filme haben zumeist schon genug damit zu tun, wenn sie sich ein Thema, ein Genre und ein zentrales Motiv vornehmen. Umso wilder der Stilmix, desto wahrscheinlicher, dass am Ende eine unausgegorene Groteske entsteht. Grotesk ist auch das richtige Stichwort bei Fliegende Fische müssen ins Meer, einer Mischung aus Komödie, Mutter-Tochter-Drama, Romanze und Coming-of-Age-Story, die zudem inszenatorisch unsicher wirkt; was jedoch vernachlässigbar wäre, wenn man aus den vielen Genrefragmenten etwas Substanzielles kreiert hätte, das größer als die Summe seiner Teile ist.

Die Geschichte spielt an der deutsch-schweizerischen Grenze. Dort lebt die fast 16-jährige Nana (Elisa Schlott) gemeinsam mit ihrer Mutter Roberta (Meret Becker), die vermutlich zu den peinlichsten Geschöpfen zählt, und ihren beiden Halbgeschwistern Tatjana und Toto. Das einzige, was Roberta ihm Lauf ihres verkorksten Lebens auf die Reihe bekommen hat, sind drei Kinder, allerdings brauchte sie dafür auch gleich drei Männer. Derzeit verdient sie sich - ohne Schulabschluss und Ausbildung - etwas Geld als Reiseführerin. Sie hofft, währenddessen einen wohlhabenden Ausländer kennen zu lernen (Roberta bevorzugt exotische Männer), der sie heiratet. Mehr als ein paar schnelle Nummern sind daraus aber bisher nicht resultiert - und noch nie hat sich einer der Herren anschließend noch einmal gemeldet. Dieser lockere Lebensstil und die Tatsache, dass ihre Kinder an der Grenze zur Verwahrlosung hausen, beschert Roberta eine Menge Ärger mit dem Jugendamt. Wenn es ihr nicht gelingt, sich innerhalb von ein paar Monaten zusammenzuraufen und einen geregelten Job vorzuweisen, könnte es gut sein, dass das Jugendamt ihr die Kinder wegnimmt.

Nana ist ganz anders als ihre Mutter. Mit Ende 15 ist sie bereits wesentlich erwachsener und verantwortungsvoller. Sie sorgt für ihre jüngeren Geschwister und arbeitet als Schleusenwärterin. In ihrer freien Zeit träumt sie allerdings von einer Laufbahn als Kapitänin. Als der junge Arzt Eduardo (Barnaby Metschurat) ins Dorf zieht, gerät vieles durcheinander. Eigentlich wollte Roberta enthaltsam leben und ihr Leben in den Griff bekommen, doch der junge Arzt ist sehr verlockend. Das finden aber noch eine Reihe weiterer Frauen, die in ihren Ehen gelangweilt sind. Währenddessen freundet sich Eduardo mit Nana an. Für ihn ist das nichts Sexuelles, er möchte ihr helfen, ihre Träume zu verwirklichen. Doch genau die Art und Weise, wie er sie behandelt, löst bei Nana eine Menge Emotionen aus.

Fliegende Fische müssen ins Meer ist eine ausgesprochene Freakshow. Es gibt kaum Charaktere, die nicht comic-haft überzeichnet sind. Ein wenig weckt der Film sogar Assoziationen an Die Frauen von Stepford. Und der schräge Frauenchor mit seinem dicklichen Leiter, der Roberta ständig nachstellt, birgt Qualitäten einer peinlichen Realsatire. Umso normaler wirken dementsprechend Figuren wie Nana oder Eduardo. Da meint man, sie müssten sich allein schon deswegen fast zwangsläufig zusammentun, weil sie die einzig "Nichtverstrahlten" sind.

So oberflächlich witzig sich das alles aber auch angehen mag, so wenig zum Lachen ist es konsequent zu Ende gedacht: Es ist die reichlich bittere wie traurige Geschichte einer jungen Frau, der durch das Treiben ihrer chaotischen Mutter immer wieder die Chancen im Leben verbaut werden; und die am Ende derart davor Angst hat, zu scheitern - ebenso wie ihre Mutter - dass sie sich kaum noch etwas zutraut. Stattdessen flüchtet sie sich in ihre Fantasiewelten, in denen sie sich bei der Geburt heimlich vertauscht wähnt und in Wahrheit eine ganz andere Familie hat.

Mit Elementen des Magischen Realismus, überaus skurrilem Humor und Charakteren, die auch gut in einem Cartoon hätten platznehmen können, versuchte die Regisseurin Güzin Kar dem Film eine ausgesprochene Leichtigkeit zu verleihen. Dabei verlor sie aus dem Fokus, dass die Coming-of-Age-Story an sich schon interessant genug gewesen wäre - Elisa Schlott liefert eine wirklich sehr beachtenswerte Performance ab - um drumherum einen Film zu inszenieren, der gar nicht dermaßen schräg hätte sein müssen. So entstand nicht mehr als ein bunt-kaleidoskopartiges Stil-Sammelsurium, das sich nirgendwo einordnen will und kaum einen nennenswerten Mehrwert in sich trägt.



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