Der erfolgreiche Autor Guido trifft auf eine mysteriöse Frau, die ein Geheimnis umgibt. Er ist sofort fasziniert, die Annäherung gerät allerdings zu einem zerbrechlichen Prozess. Giulia geht abends nie aus beginnt stilistisch mit magisch-märchenhaften Motiven, die Regisseur Guiseppe Piccioni ohne Vorwarnung aber wieder fallen lässt, um sich zäh an der Romanze abzuarbeiten. Das macht wenig Laune und man darf sich zu Recht veräppelt oder im falschen Film vorkommen.
Mit Anleihen am Magischen Realismus und den Elementen einer spröden, brüchigen Romanze kehrt der italienische Filmemacher Guiseppe Piccioni, hierzulande durch Filme wie Licht meiner Augen und Das Leben das ich immer wollte bekannt geworden, ins Kino zurück. Wie so oft in seinen Filmen, dreht sich die Geschichte auch diesmal um die überraschende Liebe, die unversehens kommt und dramatische Wendungen ins Leben der Beteiligten bringt.
In Giulia geht abends nie aus steht anfänglich der erfolgreiche, aber gelangweilte Schriftsteller Guido (Valerio Mustandrea) im Mittelpunkt. Er befindet sich unter den letzten fünf nominierten Kandidaten für einen bedeutenden Literaturpreis, mit guten Aussichten, am Ende als Gewinner dazustehen. Nebenher arbeitet er an einem neuen Buch, einer verschrobenen, leicht entrückten Romanze, weiß aber nicht so recht, wohin die Reise mit seinen Figuren gehen soll. Und in der freien Zeit begleitet er seine Tochter zu ihrem Schwimmunterricht, für den das Mädchen im Grunde überhaupt nichts übrig hat.
Als sie sich entschließt, aufzuhören, nimmt er an ihrer Stelle die bereits im Voraus bezahlten Unterrichtsstunden in Anspruch. Dabei versucht er, der Schwimmlehrerin Giulia (Valeria Golino) näherzukommen, die ihn vom ersten Augenblick an faszinierte. Giulia gibt sich aber zugeknöpft bis abweisend. Erst allmählich beginnt das Eis zu bröckeln. Als er sie eines Tages einlädt, mit ihm auszugehen, weist sie ihn mit der Begründung ab, abends grundsätzlich nie auszugehen. Guido fühlt sich aber von dieser Frau, die er schlecht einschätzen kann, unvermeidlich angezogen und zugleich irritiert - zudem scheint sie ein düsteres Geheimnis zu umgeben.
Mit viel Charme und einem leicht entrückten Zauber beginnt Giulia geht abends nie aus als Geschichte in einer Geschichte. Piccioni erweckt die Figuren im Buch seines Protagonisten zum Leben und entführt den Zuschauer in diese leicht surreale Welt. Das hat Flair und lässt auf eine vielschichtige wie zauberhafte Romanze hoffen, die nicht nach gängigen Konfektionskriterien geschneidert wurde. Leider verlässt er aber den sorgsam bereiteten Boden einer Story, in der sich die Welt im Buch gewissermaßen auch im Realen spiegelt, als wäre ihm zwischenzeitlich etwas Neues und Besseres eingefallen.
Was sich allerdings nicht bewahrheitet. Dahin ist die Leichtigkeit und Virtuosität, mit der er den Zuschauer zu Beginn seines Films für die Geschichte einnahm. Zwar entlässt er die beiden Hauptfiguren nicht aus dem Fokus der Erzählung, wendet sich aber nun - fast schon erschrocken über den anfänglichen (eigenen) inszenatorischen Mut - eher klassischen Arthouse-artigen Erzählpfaden zu, die sicherlich keine Stangenware darstellen und mit ihren Wendungen zu überraschen wissen. Dennoch gerät Giulia geht abends nie aus im Verlauf zu einer immer zäheren Geschichte, bei der Längen nicht ausbleiben, das Interesse an der Romanze schwindet und all jener Esprit, mit dem der Film startete, sich ins Gegenteil verkehrt.