Hat sich der Zuschauer erst einmal durch die recht durchschnittlichen ersten beiden Drittel gekämpft, erwartet ihn von da an Hochspannung pur. Mit vielen Spielereien und kreativen Ideen versucht Regisseur Guillem Morales, sein Publikum hinter den Ofen hervorzulocken. Die Frage dieses Horrorkrimis ist jedoch: Warum nicht gleich so?
Neben seinen fast durchweg überzeugenden Filmen produziert Guillermo del Toro auch alle Jahre wieder den ein oder anderen Horrorfilm. In den meisten Fällen kann man sich dabei auf sein Gespür verlassen: Am besten lässt sich das am Beispiel des wunderbar gruseligen Das Waisenhaus belegen, mit dem er 2007 für Furore unter den Genrefans sorgen konnte. Vermutlich ist es da auch kein schlechtes Zeichen, dass für die Hauptrolle von Julia's Eyes erneut Belen Rueda besetzt wurde.
Für Julia bricht eine Welt zusammen, als sie vom Selbstmord ihrer blinden Schwester erfährt. Als so nach und nach Zweifel an dem Suizid aufkommen, stellt sie auf eigene Rechnung Nachforschungen an, um den vermeintlichen Mörder ihrer Schwester zu finden. Das Problem ist jedoch, dass auch ihre Sehkraft durch den Stress von Minute zu Minute schlechter wird, was für die Ermittlungsarbeit natürlich alles andere als förderlich ist.
Während des Filmes wird der Zuschauer über das ein oder andere Deja-Vu nicht hinwegsehen können, erinnern doch Fragmente der Geschichte frappierend an den hervorragenden Horrorfilm The Eye von den Pang-Brüdern. Davon abgesehen kommt die Geschichte eher schleppend in die Gänge und kann trotz einiger Schocker nur wenig Spannung erzeugen. Dies ändert sich jedoch mit der überraschend früh auftretenden Auflösung, deren folgende Entwicklungen eine fast schon klaustrophobische Spannung zur Folge haben, und somit zumindest im letzten Filmdrittel auf das Gaspedal gedrückt wird.
Relativ ruhig ist Julia's Eyes inszeniert, man könnte fast schon sagen dröge. Auch dass zu Beginn, vor allen Dingen durch die laute Geräuschkulisse, der Zuschauer ein ums andere Mal erschreckt wird, zeugt nicht unbedingt von Kreativität. Wie schon bei der Geschichte, steigert sich der Film nach der Auflösung merklich. Plötzlich werden allerlei kreative Spielereien ausgenutzt, um beim Zuschauer Angst und Schrecken verbreiten zu können. Warum nicht gleich so?
Das Darstellerensemble weiß hingegen über die komplette Laufzeit zu gefallen; vor allen Dingen Hauptdarstellerin Belen Rueda macht einmal mehr einen vorzüglichen Job. Ihre Kollegen haben jedoch ein wenig damit zu kämpfen, dass nahezu alle Figuren verdächtig und mysteriös agieren müssen, um die Spannung hoch zu halten. Somit geht doch einiges an Glaubwürdigkeit verloren.
Trotz einiger Schwächen zu Beginn ist Julia's Eyes durchaus sehenswert. Zwar wird er keine Genrefans hinter dem Ofen hervor locken können, jedoch bietet Regisseur Guillem Morales seinen Zuschauern einen soliden Horrorkrimi, dessen Sichtung man sicherlich nicht bereuen wird, sie jedoch auch nicht lange in deren Köpfen verweilen wird.