|
|
 |
 |
 |
 |
 |
Wunderkinder(Wunderkinder, 2011)
| Dt.Start: |
06. Oktober 2011
|
 |
Premiere: |
07. Juli 2011 (Festival, Israel) |
| FSK: |
ab 12
|
Genre: |
Drama |
| Länge: |
100 min
|
Land: |
Deutschland |
|
Darsteller:
|
Elin Kolev (Abrascha), Imogen Burell (Larissa), Mathilda Adamik (Hanna), Gedeon Burkhard (Boris Brodsky), Natalia Avelon (Rachel Brodsky), Gudrun Landgrebe (Irina Salomonowa), Kai Wiesinger (Max Reich), Rolf Kanies (Tapilin), Catherine H. Flemming (Helga Reich), Michael Mendl (Aaron Kaplan), John Friedmann (Becker), Mark Zak (Samuel Kaplan), Michael Brandner (Akexi), Konstantin Wecker (Schartow) |
|
Regie:
|
Marcus O. Rosenmüller |
|
Drehbuch:
|
Stephen Glantz, Markus O. Rosenmüller |
|
 Inhalt
1941: In einem Ort in der Ukraine lernen sich die Kinder Hanna, Larissa und Abrascha kennen. Violonist Abrascha und Pianistin Larissa werden als Wunderkinder gefeiert und spielen in großen Konzertsälen Russlands. Geigerin Hanna, Tochter des deutschen Brauers Max Reich und seiner Frau Helga, wünscht sich sehnlichst mit den beiden Unterricht nehmen zu können. Als Lehrerin Irina Salmonova auch Hanna am Unterricht teilnehmen lässt, entwickelt sich jedoch eine innige Freundschaft zwischen den dreien, die beim Angriff Deutschlands auf Russland auf die Probe gestellt wird. |  |
|
Durchschnittliche Redaktionswertung
Keine weitere Wertung
Kritik
von Markus Müller
Die beiden jüdischen Kinder Abrascha und Larissa werden in der Ukraine als musikalische Wunderkinder gefeiert. Trotz anfänglicher Skepsis musizieren sie auch mit der in der Ukraine lebenden deutschen Hanna und werden Freunde. Doch der Vormarsch der Wehrmacht verändert alles. Wirkt die Erzählung zu Beginn noch recht innovativ, geht der Film schnell altbekannte Wege, wobei er zwar über weite Strecken unterhaltsam und relativ spannend ist, jedoch auch zunehmend unglaubwürdig wird. Leider bleiben viele Möglichkeiten, dem Zuschauer neue Hintergründe zur damaligen Situation in der Ukraine zu vermitteln, ungenutzt. Stattdessen gibt es übermäßige Rührseligkeiten, stellenweise furchtbare Dialoge und eine filmhaft überspitzte Darstellung der Wehrmachtssoldaten. Um zu überzeugen, muss ein weiterer Film zu diesem ausgiebig diskutierten Thema deutlich mehr bieten.
Im Kriegsjahr 1941 drang die Deutsche Wehrmacht in die Ukraine vor. Fortan stand das Land als Reichskommissariat Ukraine unter deutscher Führung. In Folge dessen wurden zahlreiche Juden deportiert oder noch vor Ort ermordet, was im Laufe des Krieges die Ausrottung fast aller ukrainischen Juden zur Folge hatte. Zudem kam es zu Hungersnöten, die viele Todesopfer forderten. Doch vor dem Einmarsch der deutschen Truppen war es nicht zuletzt durch die trügerische Sicherheit des Hitler-Stalin-Paktes auch für Deutsche möglich, in der damaligen Ukraine zu leben. Aus heutiger Sicht fällt es schwer, sich in die Umstände des Filmes hineinzuversetzen, Doch wird es für die meisten Zuschauer, trotz Berücksichtigung des damaligen Vertrauens in den Hitler-Stalin-Pakt, mehr als verwirrend, dass in einem mit kommunistischen Symbolen geschmückten Konzertsaal voller Genossen eine Deutsche mit einem Hakenkreuzanstecker sitzt, ohne dass sich jemand daran stört. Als Deutschland schließlich überraschend die Sowjets angreift, werden in der Ukraine lebende Deutsche auf einmal verfolgt, so auch die Familie Reich. Die Reichs müssen sich nun vor der NKWD verstecken, wobei ihnen eine jüdische Familie hilft. Der Ansatz, dass es Deutsche sind, die versteckt werden müssen, ist ein relativ unverbrauchter Aspekt und macht Wunderkinder zunächst sehr interessant. Als dann jedoch die Wehrmacht ankommt, wendet sich das Blatt und die Familie Reich hilft der jüdischen Familie von Larissa und Abrascha. Dieses Wechselspiel ist überzeugend umgesetzt, vor allem weil in diesem Zusammenhang auch "gute" Deutsche gezeigt werden. Deutsche, die eben keine Feinde anderer Rassen sind.
Die einzelnen Elemente, aus denen sich der Film zusammensetzt, kommen einem erstaunlich bekannt vor: Der erzählerische Rahmen um eine alte Frau, die ihre Geschichte erzählt, erinnert an Titanic. Das Motiv des begabten jüdischen Musikers hat man schon in Der Pianist gesehen. Ähnlich verhält es sich auch mit der Macht von Musik, die sich streckenweise über Ideologie hinwegzusetzen vermag. Das Prinzip, die Grausamkeiten des Nationalsozialismus aus einer naiven, politisch neutraleren Kindersicht zu erzählen, war so ähnlich auch schon in Der Junge mit dem gestreiften Pyjama zu sehen. Unabhängig davon gibt es viele offensichtliche Schwächen, die verhindern, dass Wunderkinder, der, wie bereits erwähnt, durchaus einige viel versprechende Ansätze vorzuweisen hat und nie langweilig wird, ein wirklich empfehlenswerter Film ist. So stellt sich vor allem die Frage, warum die ukrainischen Kinder so perfekt Deutsch sprechen oder warum man auf sowjetischem Boden deutsche Radiosender empfängt. Zudem hat der Film mit einigen aufgesetzten, platten Dialogen zu kämpfen, die von nicht immer überzeugenden Darstellern streckenweise recht hölzern präsentiert werden. Insgesamt ist die Leistung der Schauspieler jedoch recht gemischt und schwankt zwischen zweifelhaft und durchaus überzeugend. Konstantin Wecker (Das Comeback) bleibt im Gedächtnis, wobei es schwer fällt, seine Rolle des scheinbar sympathischen, jedoch von der Nazi-Ideologie überzeugten und daher "fiesen" SS-Offiziers Schartow in Einklang mit einer vernünftigen Herangehensweise an die Thematik zu bringen.
So ist es auch seine Figur, die das Ende so fragwürdig macht. Denn die Art, wie hier durch Schartow motiviert in der Geschichte Spannung erzeugt wird, ist vielleicht der größte Blödsinn, der in Filmen über die NS-Zeit in den letzten Jahren verzapft wurde. Auch wenn das Finale tatsächlich spannend und handwerklich sehr gut inszeniert ist, schwebt dennoch ein bitterer Beigeschmack mit. Endgültig ruiniert werden die letzten Minuten des Filmes durch ein kitschiges Bild, in dem sich während des schicksalhaften letzten Konzerts eine Zuschauerin, die endlich begreift, wie "barbarisch" die Nazis sind, ihren Hakenkreuzanstecker von der Brust reist und ihn so fest in die Hand drückt, bis ihr das Blut aus den Fingern quillt. Präsentiert wird das Ganze in Detailaufnahmen, zwangsläufig untermalt von klassischer Musik.
Die Frage, die sich angesichts der in Wunderkinder erzählten Geschichte unwillkürlich stellt, ist: Wozu braucht es einen weiteren Film über das Dritte Reich und die Judenverfolgung? An Beiträgen gegen das "Vergessen" mangelt es mit Sicherheit nicht. Wenn sich ein weiterer Film dieser Thematik widmet, muss er eine fesselnde Geschichte erzählen, dabei im Idealfall neue Eindrücke vermitteln und in jeder Hinsicht überzeugend gemacht sein. Markus O. Rosenmüllers Wunderkinder ist nichts von alledem, sondern nur ein weiterer, durchschnittlicher Film über die Verbrechen der Nazis und die tragische Situation der Juden. Davon abgesehen übernimmt sich Rosenmüller damit, dass er seinen Film 1,5 Millionen ermordeten Kindern widmet. Das hätte er sicherlich tun können, jedoch in einem anderen Film, der sich hauptsächlich damit beschäftigt und insgesamt besser ist.  Weitere interessante Filme
|
 |
 |
 |
 |
© 2012 MovieMaze.de |
 |
 |
 |
|