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The Guard

(The Guard, 2011)

Dt.Start: 22. September 2011 Premiere: 20. Januar 2011 (Sundance Film Festival, USA)
FSK: ab 16 Genre: Komödie, Thriller
Länge: 96 min Land: Irland
Darsteller: Brendan Gleeson (Sergeant Gerry Boyle), Don Cheadle (FBI agent Wendell Everett), Liam Cunningham (Francis Sheehy), David Wilmot (Liam O'Leary), Rory Keenan (Garda Aidan McBride), Mark Strong (Clive Cornell), Fionnula Flanagan (Eileen Boyle), Dominique McElligott (Aoife O'Carroll), Sarah Greene (Sinead Mulligan), Katarina Cas (Gabriela McBride), Pat Shortt (Colum Hennessey), Darren Healy (Jimmy Moody)
Regie: John Michael McDonagh
Drehbuch: John Michael McDonagh


Inhalt

Sergeant Gerry Boyle ist der etwas andere Cop einer irischen Kleinstadt. Seine Persönlichkeit ist nicht jedermanns Sache, sein Humor seltsam. Der Hang, sich mit Prostituierten einzulassen, ist ebenso Teil von ihm, wie das Schicksal seiner sterbenden Mutter Eileen. Dass er plötzlich aus dieser Routine gerissen wird, als FBI-Agent Wendell Everett auftaucht, um mit ihm gegen einen internationalen Drogenring zu ermitteln, geht ihm gehörig auf die Nerven.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

The Guard hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 71%
Kurzkritik
von Matthias Pasler
Wertung von 72 für The Guard

Selten war ein deutscher Untertitel für einen Film so wunderbar passend wie hier, trifft er den Film doch in Aussage und Ton zielgenau. Ein irischer Dorfpolizist mit rassistischen Ansichten, den man am ehesten mit Chief Wiggum von den Simpsons vergleichen kann, muss sich mit einem schwarzen FBI-Agenten zusammentun. Ganz klar, dieser Film gehört Hauptdarsteller Brendan Gleeson. Der ungemein fleißige irischstämmige Schauspieler war auch schon in der vergleichbaren schwarzen Gangsterkomödie Brügge sehen... und sterben? von Martin McDonaugh, Bruder von The Guard-Regisseur John Michael McDonaugh, dabei. Er verschmilzt hier völlig mit seiner Figur und würde so auch allein einen Film füllen können. Trotzdem ist sein Zusammenspiel mit Don Cheadle (L.A. Crash) ein echtes Vergnügen. Abgesehen davon gibt es einen soliden Krimiplot, der als irischer Western inklusive entsprechendem Soundtrack von der Band Calexico daherkommt. Eine ungemein unterhaltsame Mischung, deren Humor man tatsächlich noch um einiges schärfer hätte würzen können, hat man manchmal doch zu sehr den Eindruck, dass Boyles Rassismus eigentlich nur augenzwinkernd gemeint ist.

Kritik

von Benjamin Schieler
The Guard hat eine Wertung von 70%
Manchmal brauchen Kreative große Emotionen, um ihren Schaffensdrang in Gang zu bringen. Liebe oder Liebeskummer können hilfreich sein, im Falle des Regisseurs John Michael McDonagh (Autor von Ned Kelly) war es Wut auf die Filmbranche. Seine Kriminalkomödie The Guard - Ein Ire sieht schwarz zeigt Brendan Gleeson in einer Rolle, die ihm auf den gemütlichen Leib geschrieben wurde. Ihm gegenüber: ein von Don Cheadle gespielter FBI-Agent, der erfahren muss, was wahrhaft schwarzer Humor ist.

Bild aus The Guard Eigentlich, das stellt der Regisseur und Drehbuchautor McDonagh klar, handelt es sich bei seinem ersten Spielfilm gar nicht um einen Krimi. Auch nicht um eine Komödie. Ein Western ist's, nur dass er eben nicht ganz klassisch im Wilden Westen spielt, sondern im Westen Irlands in der Region Connemara. Und very irish geht es dann auch zu. In seinem Dorf ist der Polizist Sergeant Gerry Boyle (Brendan Gleeson) der Sheriff, der nach eigenen Gesetzen handelt. Unkonventionell, nicht zu durchschauen, aber unverzichtbar. Als jedoch ein Mord die Idylle aufschreckt und das FBI in Person des Agenten Wendell Everett (Don Cheadle, Iron Man II) auftaucht, um drei Drogenschmuggler (unter anderem Mark Strong, Kick-Ass) dingfest zu machen, ist es für Boyle mit der Ruhe vorbei. Das ungleiche Duo ist zur Zusammenarbeit verdammt - und Wendell Everett muss erkennen, dass er aus seinem neuen Partner einfach nicht richtig schlau wird.

"Entweder sind Sie ein völliger Idiot oder der cleverste Bursche überhaupt", sagt der Amerikaner in einer Szene zu seinem Nebenmann. Der blickt nur nach links - ist das ein Schmunzeln? - und lässt die Feststellung im Raum stehen. Hat er das eben wirklich gesagt? Diese Frage steht Cheadle mehrfach buchstäblich ins Gesicht geschrieben, wenn Boyle wieder einmal eine despektierliche Aussage gemacht hat. Dem Zuschauer widerfährt in diesen Momenten Ähnliches. Auch er traut seinen Ohren nicht, auch er wagt nicht, Boyle in eine Schublade zu stecken. Mit Adjektiven muss man diesem Mann gegenüber vorsichtig sein, die Gefahr sich zu verschätzen wäre zu groß.

Als "einen visuell stilisierten, poetischen Breitwand-Film mit mythischer Grundstimmung und schwarzem Humor" hat McDonagh The Guard beschrieben. Er habe etwas drehen wollen, das "Lichtjahre entfernt von allen aktuellen depressiven Trends" des britischen und irischen Kinos sei. Dabei hatte der Filmemacher selbst allen Grund zum Frust, war er doch in den vergangenen Jahren mit seinen Projektideen stets gescheitert, bevor sie überhaupt eine Chance hatten, realisiert zu werden. Nach seinem Kurzfilm The Second Death im Jahr 2000, in dem die Figur des Gerry Boyle bereits am Rande erscheint, hatte er zwar drei Jahre später das Drehbuch für den Heath-Ledger-Film Ned Kelly abgeliefert, anschließend aber war es ruhig um ihn geworden. "Ich war angepisst vom Filmgeschäft", sagt er. Die Wut wurde zum Motor, er kanalisierte sie in ein Drehbuch, das er innerhalb von drei Wochen niederschrieb und damit die irische Produktionsfirma Element Pictures überzeugte. McDonaghs Glück: sein Wunschschauspieler Brendan Gleeson hatte gerade mit Bruder Martin McDonagh Brügge sehen... und sterben? abgedreht und las sich das Skript durch. Seine Zusage setzte einen Mechanismus in Gang, an dessen Ende Don Cheadle als Koproduzent und Schauspieler ebenfalls einstieg.

Der Verzicht auf Scheuklappen beim Schreiben tut dem Film gut, weil ihm gerade die unerwarteten Spruchkanonen des irischen Dorfsheriffs die nötige Würze geben und immer wieder aus kleineren Zwischentiefs hieven. Und dennoch: ein Schuss Melancholie darf nicht fehlen. Gerry Boyle wäre sonst nicht Gerry Boyle.



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