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Die Lincoln Verschwörung

(The Conspirator, 2010)

Durchschnittliche Redaktionswertung

73%



Inhalt

Mary Surratt wurde im Zusammenhang mit dem Mord an Abraham Lincoln als eine Verschwörerin angeklagt und nun droht ihr die Todesstrafe. Denn ihr Sohn John wird mit dem Attentat in Verbindung gebracht. Da niemand Mary zu helfen scheint, muss sie ihre ganze Hoffnung in ihren Anwalt und Kriegshelden Frederick Aiken legen.

Kritik

von Dimitrios Athanassiou

Wertung Kritik

69%

Nach dem Sezessionskrieg feierte die junge amerikanische Nation ihre Wiedergeburt. Die Jahre des Krieges, die den schwarzen Sklaven die Freiheit brachten, hatten allerdings Hunderttausende an Opfern gefordert. Das wohl berühmteste war vermutlich der Präsident Abraham Lincoln, der kurz vor dem endgültigen Ende des Krieges von einem Fanatiker und Südstaatensympathisanten erschossen wurde. Der folgende Prozess sollte ein Schaustück der Entschlossenheit der neu formierten Nation werden. Robert Redford entführt in Die Lincoln Verschwörung in eine Zeit, in der Gesetze, die den Bürger vor der Willkür der Justiz schützen sollten, noch formuliert werden mussten.

Bild aus Die Lincoln Verschwörung Wenn der Satz Mord an einem amerikanischen Präsidenten fällt, werden vermutlich 99 von 100 Personen lauthals John F. Kennedy rufen. Kein Wunder: Kein Attentat an einem Staatsoberhaupt der Nachkriegsära und dessen Hintergründe wurde in den Medien derart oft verwurstet und in unzähligen Dokumentationen immer wieder analysiert. Zuletzt erhielt der tragische Tod Kennedys seine Leinwandwürdigung 1993 als ambitioniertes Justizdrama JFK - John F. Kennedy - Tatort Dallas unter der Regie von Oliver Stone mit Kevin Costner in der Hauptrolle.

Kennedy war allerdings nicht der einzige große amerikanische Präsident, der einem Attentat zum Opfer fiel. Es war der 14. April 1865. Der blutige Bürgerkrieg, der die USA in die Nord- und Südstaaten teilte, war fast vorbei. General Lee, der Oberbefehlshaber der Südstaaten-Truppen hatte wenige Stunden zuvor kapituliert. Abraham Lincoln befand sich an diesem Abend im Ford's Theatre in Washington, um sich ein Theaterstück anzusehen. Plötzlich zog der fanatische Südstaatensympathisant John Wilkes Booth einen Revolver und schoss Lincoln in den Kopf. Anschließend sprang er auf die Bühne, wobei er sich das Bein brach und rief: Sic semper tyrannis (frei: das ist, was alle Tyrannen zu erwarten haben). Trotz seiner Verletzung gelang Booth die Flucht, der diese Tat ohne hilfreiche Hände nicht zuwege gebracht hätte. Wenige Tage später wurde er von Soldaten erschossen. Lincoln erlag am 15. April seinen schweren Kopfverletzungen.

Obwohl Robert Redfords aktueller Film den Titel Die Lincoln Verschwörung trägt, behandelt er weniger das Warum oder die Geschehnisse, die im Vorfeld zum Attentat führten; vielmehr ist der Film ein astreines Gerichts- wie Rechtsdrama und eine Ode an die amerikanische Verfassung. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen der Rechtsanwalt Frederick Aiken (James McAvoy) und Mary Surratt (Robin Wright). Letztere ist die Mutter eines Mitverschwörers, der sich auf der Flucht befindet. Zudem beherbergte sie einige Männer in ihrem Haus, die an dem Attentat mitbeteiligt waren, was sie in den Augen der Justiz zur Mitwisserin und Mitverschwörerin macht. Ebenso wie allen anderen, die Booth unterstützt haben, droht ihr somit die Todesstrafe. Frederick Aiken wird ihr anfänglich gegen seinen Willen als Pflichtverteidiger zugeteilt. Bald lernt er die aufrechte Frau aber zu schätzen und zweifelt an ihrer Mitschuld. Angesichts dessen, dass der Prozess vor einem Kriegsgericht stattfindet, schwinden die Aussichten, einen Freispruch oder ein mildes Urteil für Mary Surratt zu erwirken.

Fans von Gerichtsfilmen und Historienschinken wird Die Lincoln Verschwörung durchaus zu entzücken wissen. Redford hält sich detailverliebt an den tatsächlich stattgefundenen Prozess. Look und Set-Design, sowie die ganze altbackene Atmosphäre sorgen zudem dafür, dass man unmittelbar in diese Zeit zurückbefördert wird. Spannend verhält sich ebenfalls der Verlauf des Prozesses, allerdings krankt der Film zuweilen an der Intensität eines zähen Kammerspiels. Den guten Darstellern ist es dennoch zu verdanken, dass die Bleischwere der Inszenierung, die mitunter unangenehm in den Kinosessel drückt, aufgelockert, und die Handlung mit Leben erfüllt wird.

Glücklicherweise verlässt Redford ein ums andere Mal den Gerichtssaal, um die Aussagen während der Verhandlung in Rückblenden nachträglich mit Inhalt zu füllen oder zu entkräften. Diese durchbrochene Erzählstruktur macht den Film nicht gerade weniger fordernd. Sichtlich stand dabei im Mittelpunkt, aufzeigen zu wollen, wie eine Gerichtsverhandlung optimaler Weise verlaufen sollte, wenn alles gleichberechtigt und unvoreingenommen vorgetragen werden könnte. Die Lincoln Verschwörung gerät somit gar nicht überraschend zum moralischen wie rechtsphilosophischen Diskurs. Und Redford selbst zum Ankläger.

Bereits in seinem letzten Film Von Löwen und Lämmern stellte er das Verhalten seiner eigenen politischen Führung an den Pranger. Unpatriotisch wurde er dabei aber nie. Nicht die Marschrichtung wurde hinterfragt, nicht Amerikas Aufgabe als "Friedenstifter" und Weltpolizei. Redford kritisierte vielmehr diejenigen, die den Willen junger Amerikaner, für ihr Land einzustehen, für ihre Machtspiele missbrauchen. Aktuell geht er einen Schritt weiter: In dem Prozess, der vor fast 150 Jahren stattfand, spiegelt er die Gegenwart. Das Verfahren vor einem Kriegsgericht gegen eine Zivilistin entspricht heutzutage natürlich nicht den rechtlichen Gepflogenheiten, doch seit der "Krieg gegen den Terror" begann und der Patriot Act in Kraft trat, wurden die Bürgerrechte in den USA deutlich eingeschränkt. Redfords Film ist ein entschlossenes Plädoyer dagegen und fordert auf, dieses nicht einfach hinzunehmen; dazu sei die amerikanische Verfassung mit ihrem freiheitlichen Werten zu kostbar.

Etwas befremdlich mag das alles schon klingen; und wirklich für den internationalen Markt scheint der Film nicht produziert. Unsere Auffassung von Recht ist ohnehin eine andere. Unsere Gesetze sind in erster Linie dazu da, den Bürger zu schützen, auch vor der Willkür der Justiz. Deutlich spürbar ist allerdings die Kritik im Film an der Aufweichung der Unschuldsvermutung, die den Kern jeglicher freiheitlich demokratischer Rechtsprechung darstellt. Die USA umgehen das, indem sie extraterritoriale rechtsfreie Räume wie die Lager in Guantanamo schaffen. Das ist einer demokratischen Nation mit Führungsanspruch unwürdig - doch Redford ist im Grunde zu sehr Patriot und sagt es letzten Endes lieber durch die Blume.

Die Lincoln Verschwörung ist kein Allerwelts-Gerichtsdrama, das man sich locker flockig zwischendurch mal gönnt. Es ist fordernde, mitunter sogar anstrengende Kost. Unaufgeregt gefilmt und relativ puristisch inszeniert, lebt der Film im Wesentlichen von seinen Darstellern, den Entwicklungen im Verlauf des Prozesses und seinem moralischen Subtext, der den Anstoß für viele interessante Debatten liefern mag. Angehenden Juristen könnte der Film ein interessantes rechtsgeschichtliches Lehrstück sein, und manch eine Oberstufenschulklasse wird vermutlich ohnehin nicht umhin kommen, ihn sich anzusehen.

Kurzkritik

von Daniel Licha

Wertung Kurzkritik

77%

Der neue Film von Robert Redford befasst sich mit der Verhandlung der Mörder von Abraham Lincoln und zeigt dabei eine bislang für viele völlig unbekannte Sichtweise des Anschlages. Für alle die Gerichtsfilme mögen ist dieser Film ein Fest, ist der Fall doch hochspannend, hat durchweg interessante Figuren zu bieten und ist vor allen Dingen tolles Schauspielkino mit einer Besetzung die prominenter kaum sein könnte. Auch die ruhige Inszenierung Redfords weiß zu gefallen, die Atmosphäre stimmt und auch das Ende kann überzeugen. Die besten Geschichten schreibt wohl doch manchmal das Leben und so ist Die Lincoln Verschwörung sehr gutes Historienkino, das dem Zuschauer etwas aus der Vergangenheit zeigen kann, das in den Medien bislang noch nicht breit getreten oder schon unzählige Male verfilmt wurde.



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