Der neue Film von Pedro Almodovar wirft zu Beginn viele Fragen auf und eröffnet, offensichtlich absichtlich, viele mögliche Richtungen. Die Wendung, die der Film dann aber nimmt, überrascht und schockiert, kratzt aber dann leider lediglich an der Oberfläche und verschenkt dadurch einiges an Potential. Am Ende bleibt nur die Frage, ob man aus der Grundidee nicht einen eindrucksvolleren Film hätte machen können.
Da Die Haut, in der ich wohne sehr stark von der Wendung lebt, die sich ab ungefähr der Hälfte des Films abzeichnet, wird hier bewusst wenig zum Inhalt preisgegeben, um die Spannung aufrecht zu erhalten. Diese ist durchaus vorhanden, da dem Zuschauer zu Anfang viele mögliche Themen präsentiert werden, von Gentechnik über Familienzwistigkeiten bis hin zu tragischen Verlusten. Dadurch wirkt der Film zu Beginn äußerst verwirrend und überladen, so dass man gespannt darauf wartet, wie sich diese Geschichte weiterentwickeln wird.
Im Zentrum steht von Beginn an Antonio Banderas in der Rolle des Arztes Robert. Er hat sich auf plastische Chirurgie spezialisiert und konnte vor allem auf dem Feld der Erzeugung künstlicher Haut und Hauttransplantation, beispielsweise nach Verbrennungen, einige Errungenschaften verbuchen. In seinem Haus beherbergt er eine Patientin, die offenbar von ihm operiert worden ist. Wer diese Frau ist und wieso sie isoliert von allen anderen scheinbar gefangen gehalten wird, ist zunächst völlig unklar. Erst nach und nach entfaltet sich die Geschichte und nimmt ihre endgültige Fahrtrichtung auf. Dann erfährt der Zuschauer die gesamten grausigen Details.
Zwar ist der Weg zu diesem Wendepunkt noch recht unterhaltsam und fesselnd, da man natürlich wissen möchte, was vor sich geht. Doch sobald einmal klar ist, womit man es hier zu tun hat, kann man nur noch angewidert das Ende herbeisehnen. Es bleiben zwar keine Fragen über die Vorgänge offen, doch erfährt man kaum etwas über die tiefere Bedeutung oder das Seelenleben der beteiligten Charaktere, was dem ganzen die Substanz raubt.
Dabei geben sich Antonio Banderas und Elena Ayana (Cairo Time) in den Hauptrollen keine Blöße. Sie passen beide sehr gut in die jeweilige Rolle. Während Banderas mit einer stoischen Härte seinem Alltag nachgeht, auf medizinischen Kongressen seine Fortschritte präsentiert und sich um seinen Schützling im hautfarbenen Schutzanzug kümmert, präsentiert sich Ayana als zerbrechliches Wesen, das man anfangs nicht wirklich einschätzen kann. Zwischen Yogaübungen und Bastelarbeiten gibt es auch schon einmal einen Selbstmordversuch. Doch was wirklich in diesem fragilen Wesen mit den großen Augen vorgeht, kommt nie so wirklich an die Oberfläche. Anfangs wird die Figur konsequent von einer Aura der Ungewissheit umhüllt. Lediglich die Tatsache, dass sie mit ihrem Sein und dem Ist-Zustand nicht zufrieden ist, schimmert immer wieder durch. Doch auch im weiteren Verlauf, wenn die Geschichte sich Stück für Stück entfaltet und die Wahrheit ans Licht kommt, bleiben der Charakter und das Innenleben von Vera schwer zu deuten. Erst die Schlusssequenz erlaubt einen kurzen Blick und befördert zumindest ein Stück Emotion nach außen.
Im Endeffekt bleibt dem Zuschauer ein zunächst verwirrender, dann verstörender und zuletzt schwer verdaulicher Plot, der filmisch doch zu oberflächlich gehalten wurde, als dass er wirklich beeindrucken könnte. Es fehlt nicht zuletzt die richtige Stimmung und die gewisse Substanz, die vielleicht die Geschichte von der reinen Freakshow zum nachdrücklichen Drama gemacht hätte.