Ein Remake eines Films von Sam Peckinpah mit Dustin Hoffman in der Hauptrolle: Regisseur und Drehbuchautor Rod Lurie tritt ein schweres Erbe an und scheitert mit Straw Dogs - Wer Gewalt sät trotz einer soliden, spannenden Inszenierung am Mangel eigener, besserer Ideen.
Vierzig Jahre sind eine lange Zeit. Mode, Technik und Zeitgeist haben sich gewandelt, Menschen sind älter geworden oder inzwischen gestorben, doch die konservativ-repressiven Strukturen von einfachen Arbeitern in der Provinz sind die gleichen geblieben. Dem gleichnamigen Klassiker von Sam Peckinpah wurde mit Wer Gewalt sät nach dieser Zeit eine Frischzellenkur verpasst, der Handlungsort vom ländlichen England in die Provinz in den Südstaaten verlegt. Hier wie dort hält die Bevölkerung noch zusammen und Fremde, die in die intakte familiäre Gemeinschaft der Kleinstadt eindringen, werden misstrauisch beäugt, besonders, wenn sie sich für etwas Besseres halten und nicht um Verbrüderung bemüht sind.
Während Sam Peckinpahs Klassiker mit Dustin Hoffman in der Hauptrolle von der Kritik oftmals als eine "Studie über die Mechanismen der Gewalt" bezeichnet wurde, hat das Remake einen schweren Stand. Nicht nur, dass der Psychothriller bisher sein Budget von 25 Mio. Dollar noch nicht einspielen konnte, auch die Frage danach, was er dem Klassiker hinzufügen kann, muss er sich gefallen lassen.
So spielt die Version von Regisseur Rod Lurie (Die letzte Festung) mit seinen zeitlichen Referenzen, wenn Hauptfigur David (James Marsden) mit seinem Jaguar E-Klasse zu Musik aus dieser längst verfallenen Hippie-Epoche über die Straßen der Kleinstadt braust. Dass er nicht mehr Mathematiker aus den USA in England, sondern ein Drehbuchautor aus Hollywood ist, der sich für Inspiration an den Handlungsort begibt, ist eine Neuerung, um den Unterschied zwischen einfachem, ländlichem und großstädtisch-misstrauischem Lebensstil zu verdeutlichen.
Die Stück für Stück eskalierende Situation, in der die einheimischen Männer seiner Frau Amy (Kate Bosworth, 21) erst nachstellen und sie dann vergewaltigen, bevor sie am Ende in Davids Haus einbrechen, weil dieser einen geistig eingeschränkten Delinquenten vor dem wütenden Mob versteckt, ist jedoch dieselbe geblieben. Der zunächst verweichlicht erscheinende David wächst dabei über sich selbst hinaus und bietet der Meute Paroli. Gegen Ende wird die Verortung im 21. Jahrhundert mit dem Einsatz allzu brutaler Gewaltspitzen jedoch so auffällig real, wie sie es im Wes-Craven-Remake The Last House on the Left im Jahre 2009 wurde.
Wer Gewalt sät nimmt sich beim kontinuierlichen Anziehen der Spannungsschrauben etwas zu viel Zeit und produziert die ein oder andere Länge, bevor sich schließlich die gesamten aufgestauten Aggressionen entladen. Darüber hinaus weiß das Ensemble zu überzeugen. Doch leider bleiben Rod Lurie und Kameramann Alik Sakharov in der interessanten Verwendung des Motivs eines Spiegels zur Verdeutlichung des diametral entgegen gesetzten Lebensstils von ländlicher Bevölkerung contra Familie Summer in Ansätzen und wenigen Parallelmontagen stecken. Und die Frage, warum es dieser Neu-Verfilmung bedurfte und was sie Peckinpahs Klassiker hinzufügen kann, bleibt schließlich doch unbeantwortet.