Die erste Freundin, das erste Mal und die sich anbahnende Trennung der Eltern. Oliver Tate hat in Richard Ayoades Debütfilm jede Menge in seinem ansonsten so gewöhnlichen Leben zu schultern. Dem beizuwohnen ist besonders ein visuelles Vergnügen, aber auch die Musik und das Schauspielerensemble wissen zu überzeugen.
Mit der ersten Liebe ist das immer so eine Sache. Zwar weiß Oliver Tate, dass sein äußeres Erscheinungsbild ihm nicht im Weg steht, bei Jordana Bevan seine Chance zu erhalten, dennoch ist ein gewisses Maß an Ungewissheit in so einer Situation nicht zu vermeiden. Oliver ist dabei ein aufgewecktes Kerlchen, das sich und seine Umwelt in seinem stillen Kämmerlein aufs Genauste analysiert. Er weiß, wann und wie oft seine Eltern Sex haben und kennt die drei einfachsten Wege, vom Schulhof-Opfer zum akzeptierten Mitglied aufzusteigen.
Seine Art und Weise bereitet dafür seiner Mutter sorgen, der Olivers Missachtung ihrer Privatsphäre vermehrt auf den Zeiger geht. Dies tut allerdings auch ihr Mann und Olivers Vater, der in seinen Depressionen zu versinken droht. Also nichts mit heile Welt im Hause Tate, erst recht nicht, seit nebenan der Jugendschwarm der Mutter eingezogen ist. Fortan wird Olivers Alltag von zwei Liebesleben bestimmt: Seinem und dem seiner Eltern. Bei dem Versuch, die Ehe seiner Erzeuger zu retten und die Beziehung zu seiner noch frischen Freundin aufrecht zu erhalten, ist Olivers gesamte Aufmerksamkeit gefragt.
In seinem Regiedebüt Submarine zeigt sich Richard Ayoade, bekannt als Mitglied der IT Crowd, als vielversprechendes Talent hinter der Kamera. Hier erweckt er das Wales Mitte der Achtziger zum Leben, aufgepeppt mit Musik von Arctic-Monkeys-Frontmann Alex Turner. Nicht von ungefähr erinnert das Gezeigte zudem an einen frühen Wes Anderson - dessen schrullige Filme wie The Royal Tenenbaums visuell ihre Schatten voraus werfen - oder auch von der Tonart her Hal Ashbys Harold und Maude. So ist Ayoades Debüt über weite Strecken gerade eine visuelle Spielerei und diesbezüglich auch eine sehr gefällige.
Das verdankt sich der Tatsache, dass der Film eine starke Symbiose mit seinem Protagonisten eingeht. Als dieser in einer Szene per Erzählstimme bemerkt, dass eine Kranaufnahme dieser Einstellung optimal wäre, er sich jedoch für einen schlichten Zoom entscheidet, folgt die Kamera diesem Vorschlag. Später wird Oliver selbst zum Regisseur seines Lebens, als er die ersten zwei Wochen seiner Beziehung in einen übertrieben-optimistischen Super-8-Film einfängt. Die Kamera ist ganz klar Olivers Freund und erspart dem Publikum daher auch jene Szenen, die für den Protagonisten von peinlichem Inhalt sind, sei es eine Schulhof-Schlägerei oder eine Bloßstellung vor der gesamten Klasse.
Grundsätzlich erzählt Submarine jedoch vom Erwachsenwerden Olivers, seiner Selbstfindung im Verlaufe des Films und damit seinem coming of age. Neben der Trennung vom Leben seiner Eltern und dem Verlust seiner Jungfräulichkeit gilt es schließlich zuvorderst charakterlich zu reifen. Vielleicht liegt es an dem starken Fokus auf Oliver, dass der Film seine Nebenfiguren daher später vernachlässigt, was wiederum insofern störend gerät, da deren Probleme oftmals in einem bloßen Nebensatz gelöst oder schlichtweg aus der Welt geschafft werden. Hier enttäuscht Ayoade ein wenig, was sich durch das Entfernen einiger Redundanzen im Mittelteil hätte ausgleichen lassen.
Dennoch ist sein erster Spielfilm eine positive Erscheinung geworden, deren sympathischer Erfolg sich nicht nur der visuellen Inszenierung verdankt, sondern auch seinem überzeugend aufspielenden Ensemble. Etwas unterfordert sind Considine und Hawkins, während die beiden Jungschauspieler geschickt den Film tragen, und Noah Taylor als ruhiger, aber einfühlsamer Meeresbiologe und Familienvater zum heimlichen Star von Submarine avanciert. Oder in einem einzigen Satz: Mit dem ersten Spielfilm ist das immer so eine Sache, Richard Ayoade hat gezeigt, dass er dieser Sache durchaus gewachsen ist.