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J. Edgar

(J. Edgar, 2011)

Durchschnittliche Redaktionswertung

61%



Inhalt

Seine Mutter wusste schon früh, dass aus ihm einmal ein Großer werden würde. Sie behält Recht: J. Edgar Hoover wird zu einem der mächtigsten Menschen der Vereinigten Staaten. Im Jahr 1935 macht er das FBI zu dem, was es bis heute ist. Bis zu seinem Tod kämpft Hoover mit allen Mitteln gegen das Verbrechen und für den Schutz seines Landes. Doch was spielt sich hinter den Kulissen der Macht ab?

Kritik

von Dimitrios Athanassiou

Wertung Kritik

61%

Ein Mann, ein Mythos und über fünf Jahrzehnte der wahre Herrscher der USA. In seiner neuesten Regiearbeit J. Edgar widmet sich Clint Eastwood einer umstrittenen Persönlichkeit, dem ehemaligen Chef des FBI, J. Edgar Hoover, der 1972 verstarb. In diesem Biopic steht der Mensch Hoover im Mittelpunkt beim Versuch, ihn aus der Legendenbildung herauszuholen und ihn abzubilden. Das will Eastwood allerdings nur zum Teil gelingen. Oft kommt der Film über Andeutungen nicht hinaus, zuweilen stellt sich sogar das Gefühl ein, dass beim Versuch, Hoover zu entzaubern, die Distanz zu sehr verloren ging. Gepaart mit zu wenig an substanzieller Handlung will dieses filmische Porträt nicht wirklich zufrieden stellen.

Bild aus J. Edgar Es gab eine Zeit in den USA, in der hatten Gesetzlose leichtes Spiel: Aus 50 Bundesstaaten bestehend, alle mit eigenen Hoheitsrechten, eigenem Polizeiapparat und eigener Justiz, brauchten Kriminelle bloß über die Landesgrenzen fliehen und sie waren beinahe unantastbar. Ein Verbrecher, der in einem Bundesstaat gesucht wurde, war in einem benachbarten ein Mann mit reiner Weste. Zwar existierten die aus vielen Wildwest-Filmen bekannten Bundesmarshalls, die über Landesgrenzen hinweg operieren durften, diese waren auf der Jagd aber auf sich gestellt. So etwas wie eine nationale Behörde, die ein Fahndungsnetz über die gesamte USA legen konnte, um Verbrecher dingfest zu machen, existierte nicht, und viele Bundesstaaten wollten auch keine mit derart weitreichenden Befugnissen.

Die 1930er Jahre brachten die Wende. Die Prohibition (generelles Alkoholverbot) ebnete dem organisierten Verbrechen den Weg; Gangstergrößen wie Al Capone stiegen zu heimlichen Fürsten auf. Eine Vielzahl von Hollywood-(Neo)Klassikern wie Der Pate, Road to Perdition oder The Untouchables handeln von dieser Zeit und den Zuständen, die vorherrschten. Auf der anderen Seite erschütterte die Weltwirtschaftskrise die Nation derart, dass viele Bürger ihr Heil in einem kriminellen Dasein suchten. Der legendärste Vertreter dieser modernen Robin Hoods war John Dillinger, dessen Leben eine ganze Reihe von Verfilmungen füllte, zuletzt Michael Manns Public Enemies.

Clint Eastwoods neuester Film J. Edgar widmet sich dem wichtigsten Mann auf der anderen Seite, auf der des Gesetzes: J. Edgar Hoover, der seine Karriere als junger, etwas verschrobener, aber sehr karrierebewusster Mitarbeiter im Büro der Bundesstaatsanwaltschaft begann, und dem bald die Leitung einer neugegründeten Behörde zur Verbrechensbekämpfung anvertraut wurde: dem Bureau of Investigation (später: Federal Bureau of Investigation, FBI). Damit existierte zum ersten Mal eine Bundespolizei, die in der Lage war, Kriminelle in den gesamten USA zu verfolgen. Der Film ist dennoch weniger Polizei-Thriller, der den Fokus auf die Entwicklung dieser Behörde und der kriminalistischen Methoden richtet, oder gar das Katz-und-Maus-Spiel mit den Verbrechern in den Mittelpunkt stellt, sondern vielmehr Biopic unter der Prämisse, Hoover hätte es zumindest streckenweise selbst in Auftrag gegeben.

Kurz vor dem Ende seines Lebens zitiert Hoover (Leonardo DiCaprio) einen jungen Agenten zu sich und beginnt damit, ihm seine Memoiren zu diktieren - vielleicht besser: den Roman seines Lebens. Auf jeden Fall die Dinge, wie er sie sich zurechtgelegt hat und an die er sich erinnern will. Es ist die Geschichte eines Mannes, der von einem manischen wie eigenwilligen Rechtsempfinden getrieben war, und der skrupellos genug war, alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die der Erfüllung seiner Auffassung von Recht im Wege standen. 50 Jahren stand er dem FBI vor, überlebte acht Präsidenten und drei Kriege, war zugleich geachtet wie gefürchtet: der mächtigste Mann in den USA und beinahe schon eine mythische Figur.

Diesen Mythos zu erden, bemüht sich Eastwood, der mit seinen über 80 Jahren viele Jahrzehnte die geheime Regentschaft Hoovers über das Land miterlebte, ohne wirklich viel über diesen Menschen zu wissen. Über den privaten Hoover ist außer Legendenbildung und Halbwahrheiten wenig bekannt. Außer seiner Mutter, der er extrem nahe stand und deren Tod er nie ganz überwand, kannten ihn lediglich sein engster Mitarbeiter und ständiger Begleiter Clyde Tolson (Armie Hammer) und seine Privatsekretärin Helen Gandy (Naomi Watts) wirklich gut. Darüber stolpert auch Eastwood bei der Charakterisierung und belässt es deshalb meist bei Andeutungen; dennoch resultiert am Ende das Bild einer reichlich kruden wie nicht sonderlich sympathischen Persönlichkeit. Eastwoods Versuch, ihn zudem als gebrochenen Mann, als manchmal sogar jämmerlichen Menschen abzubilden - was zuweilen etwas Distanz vermissen lässt - erinnert stark an die Porträtierung Adolf Hitlers in Der Untergang. Überhaupt lässt sich so manch Ähnlichkeit dieser beiden Figuren entdecken; davon mal abgesehen, dass Hoover seinen Fanatismus lediglich als "Staatsdiener" auslebte.

Auf zwei Ebenen, aus der Anfangszeit des FBI und Jahrzehnte später, wenn der alte Hoover seine Erinnerungen diktiert, ist währenddessen die Handlung angesiedelt. J. Edgar verzichtet allerdings oft darauf, die Geschehnisse visuell komplett abzubilden, was in Kombination mit der bisweilen anstrengenden Atmosphäre des biografischen Monologs ordentlich Zement anmischt. Insgesamt entsteht somit phasenweise der Eindruck einer leidlich zähen Spiel-Doku. Kurioserweise machte dies das ähnlich angelagerte Biopic The Real American - Joe McCarthy, das beinahe zeitgleich anläuft und tatsächlich zu großen Teilen aus Spiel-Doku-Elementen besteht, deutlich besser. Zu den größeren Sünden der Inszenierung gehört allerdings der Umstand, dass weder die Zeit, in der Hoovers Wirken beginnt, dem Publikum als Epoche qualitativ näher gebracht wird, um ihn als Kind seiner Zeit besser verstehen zu können, noch wird ein epischer Bogen zum gealterten FBI-Chef ordentlich geschlagen, was dem Spannungsverlauf nicht gerade förderlich ist.

Ein außerordentliches Lob gebührt dennoch Leonardo DiCaprio, der in seiner Rolle vollends aufgeht, die insgesamt zu sterile Atmosphäre damit aber nicht zu beleben vermag. Zuletzt - und das ist sicherlich ein weiteres Manko - wird man nach über zwei Stunden Film über den wahren J. Edgar Hoover kaum nennenswert erhellt worden sein. Zur Entschädigung wird zumindest aber das eine oder andere pikante (offene) Staatsgeheimnis ansatzweise "enthüllt". Nach Hereafter, in dem Eastwood reichlich rührselig mit dem Thema Tod umging, wirkt J. Edgar aufgeräumter, summa summarum aber zu steif und knöchrig, als dass sich behaupten ließe, dass der große alte Mann Hollywoods zur gewohnten inszenatorischen Genialität zurückgefunden hätte.

Keine weitere Wertung


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