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Eine Dunkle Begierde(A Dangerous Method, 2011)
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10. November 2011
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Premiere: |
02. September 2011 (Venice Film Festival, Italien) |
| FSK: |
ab 16
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Genre: |
Drama, Thriller |
| Länge: |
99 min
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Land: |
Kanada, Deutschland, UK, Schweiz |
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Darsteller:
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Michael Fassbender (Carl Jung), Keira Knightley (Sabina Spielrein), Viggo Mortensen (Sigmund Freud), Vincent Cassel (Otto Gross), Sarah Gadon (Emma Jung), André Hennicke (Professor Eugen Bleuler), Arndt Schwering-Sohnrey (Sandor Ferenczi), Wladimir Matuchin (Nicolai Spielrein) |
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Regie:
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David Cronenberg |
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Drehbuch:
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Christopher Hampton |
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 Inhalt
Carl Gustav Jung ist Leiter der psychiatrischen Klinik Burghölzli, und zusammen mit seiner Frau erwartet er sein erstes Kind. Sein bisheriges Leben gerät ins Wanken, als die schöne Russin Sabina Spielrein wegen Hysterie in die Züricher Klinik eingeliefert wird. Während ihrer zahlreichen Sitzungen kommen sich Jung und seine junge Patientin näher, doch um seinen guten Ruf nicht aufs Spiel zu setzen, wendet er sich von Sabina ab. Die junge Frau verspürt währenddessen den Drang, selbst Psychoanalytikerin zu werden und bewirbt sich bei Jungs langjährigem Kollegen und Mentor Sigmund Freud. |  |
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Durchschnittliche Redaktionswertung
Kurzkritik
von Markus Müller
Bei Eine dunkle Begierde handelt es sich nicht um ein Biopic von Freud und Jung. Dafür hätte es wohl auch die doppelte Spielzeit gebraucht. Vielmehr sind die beiden Psychoanalytiker die Figuren einer Liebesgeschichte um Sabina Spielrein. Wer sich damit anfreunden kann, bekommt einen weitgehend überzeugenden und sehr gut gespielten Film geboten. Besonders interessant ist es zu sehen, wie sich den Charakteren Jungs und Freuds genähert wird: Erstaunlich humorvoll werden die beiden Wegbereiter der Psychoanalyse dargestellt, wobei jedoch ein Bild entsteht, das, besonders im Hinblick auf Jung, nicht unbedingt historisch korrekt sein muss. Leider gibt es aber auch einige Schwächen, so ist die zweite Hälfte etwas langatmig, Keira Knightleys Spiel zu Beginn anstrengend übertrieben und der Gastauftritt von Vincent Cassel als Otto Groß zwar ein Highlight des Filmes, jedoch auch ein wenig verschenkt. Eine dunkle Begierde ist ein für Cronenberg etwas untypischer, sehr konventionell inszenierter Film geworden, der es trotz seiner Qualitäten nicht schafft, den Zuschauer über die komplette Dauer in seinen Bann zu ziehen, aber letzten Endes dennoch sehenswert ist.
Kritik
von Dimitrios Athanassiou
Die Abgründe der menschlichen Psyche und die charismatischen Persönlichkeiten, die den Blick dort hinein wagten, gaben schon immer probaten Filmstoff ab. In David Cronenbergs aktuellem Film Eine dunkle Begierde, der sich diesmal etwas untypisch dem Genre des Psycho- und Historiendramas widmet, geben sich nicht nur die Väter der modernen Psychoanalyse die Ehre; zugleich gibt es sich "überlappende" Dreiecksbeziehungen und Psychoduelle zu bestaunen. Leider wurde aber aus den überaus guten Zutaten keine packende Dramaturgie zusammengemischt, was verhindert, dass der Film einen Platz auf dem Podest der ehrwürdig Großen bekommt.
Der Wechsel vom 19. ins 20. Jahrhundert kündigte eine Epoche größter, politischer, gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Umbrüche und Paradigmenwechsel an. Die Zeit war zugleich die Geburtsstunde der modernen Psychiatrie und Psychologie. Nicht länger wurde allein im Okkulten gefischt und Patienten ohne tieferes Verständnis der menschlichen Psyche mit Brachialmethoden "therapiert", respektive medikamentös oder gar chirurgisch ruhig gestellt. Mit Sigmund Freud trat zum ersten Mal ein Arzt in Erscheinung, der versuchte, seelische Störungen durch Analyse zu ergründen und ihnen mittels Gesprächen Herr zu werden.
Es ist das Jahr 1904. In der Züricher Privatklinik von Professor Bleule (André Hennicke) wird Sabrina Spielrein (Keira Knightley) eingeliefert. Die junge Frau leidet unter hysterischen Anfällen, verliert die Kontrolle über Geist und Körper, lacht und kreischt abwechselnd. Der Psychiater Carl Jung (Michael Fassbender) nimmt sich ihrer an. Er versucht eine Methode, die derzeit mehr den Status theoretischer Überlegungen einnimmt, seines berühmten Wiener Kollegen Sigmund Freud (Viggo Mortensen) auf diesen Fall anzuwenden; und anders als mit den üblichen Verfahren versuchen, die junge Frau mittels einer Gesprächstherapie zu behandeln. Der Wunsch, auf diese Weise vorzugehen, hängt allerdings auch damit zusammen, dass er sich von Spielreins überdurchschnittlicher Intelligenz wie Attraktivität überaus angezogen fühlt.
Tatsächlich zeigt die neue Methode bald positive Ergebnisse: Nach zwei Jahren Therapie ist Spielrein nicht Jungs Patientin, stattdessen ist sie zu seiner Assistentin avanciert und studiert selbst Psychologie. Ohne persönliche Verwicklungen bleibt solche Nähe aber nicht. Richtig interessant wird die Geschichte jedoch erst, als sich die Schicksale von Jung, Freud und Spielrein enger miteinander verweben und die (teils unterdrückten) Triebe und Begierden Oberhand zu gewinnen beginnen. In Wien treffen erstmals Jung auf Freud aufeinander. Bis dato hatten sie ausschließlich per Briefwechsel miteinander kommuniziert. Freud ist aber anders als Jung es sich erhoffte: zu engstirnig und zu sehr bei der Analyse der psychischen Störungen einzig aufs Sexuelle fixiert. Noch komplexer wird die Gemengelage, als sich ein weiterer Psychiater hinzugesellt. Ein äußerst exzentrischer Vertreter seiner Zunft, der in seinen Therapieansätzen weiter als Freud zu gehen pflegt und gleich mit seinen Patienten sexuell verkehrt.
Nach A History of Violence und Tödliche Versprechen - Eastern Promises arbeitet Cronenberg nun abermals mit Viggo Mortensen zusammen. Augenscheinlich wechselt der Meister des Body-Horrors aber diesmal die Ebenen und gleitet von der körperlichen Demontage hin zur seelischen. Dem Blick in den Abgrund bleibt er dabei weiterhin treu, wenngleich es bei diesem Biopic um die beiden Begründer der Psychoanalyse vergleichsweise dezent zugeht. Das exakte Beobachten und die differenzierten Charakterzeichnungen hat er ebenfalls nicht verlernt; überraschenderweise sind es aber weniger die beiden berühmten Herren, die im Mittelpunkt des Portraits stehen, als die Entwicklung, welche die weibliche Hauptfigur nimmt.
Keira Knightley durchläuft dabei eine erstaunliche Wandlung, vom anfänglich Grotesken - zu Beginn erinnert die hysterische Darstellung durchaus an eine Overacting-Performance, um den Exorzisten-Award einzuheimsen - hin zum tragenden Element, welches den Spannungsbogen der sonst eher bieder-zurückhaltenden Inszenierung stützt und Leben in das leicht hölzerne "Psychologie für Fortgeschrittene Volkshochschulseminar" befördert. Das soll die Leistung der beiden Protagonisten nicht mindern; beide müssen sich aber hinter Knightley einreihen. Insgesamt hätte es dennoch etwas mehr von allem sein können. Erstaunlicherweise fehlt es einem Film, der sich dem unterdrückt Triebhaften widmet, an Explizität - vielleicht mal von einer pikanten Züchtigungsszene abgesehen. Ansonsten wird das Unbewusste, das hier zutage kommt, mehr in den meisterhaft geschliffenen Dialogen verarbeitet.
In Eine dunkle Begierde könnte sich manch eingefleischter Cronenberg-Fan mitunter im falschen Film wähnen, doch auch wenn sich der Meister hier offensichtlich aufs rein psychische Geschehen zu kaprizieren scheint, bleibt er sich im Grunde treu und lässt seine Charaktere Gratwanderungen durchlaufen, die zu ausgewachsenen Zerreißproben werden. Verzicht übt er dabei auf die sonst übliche (äußere) Gewaltkomponente, die in seinen anderen Filmen die innere Wandlung kennzeichnete. So war beispielsweise der äußerliche Verfall Jeff Goldblums in Die Fliege lediglich das Spiegelbild seiner inneren Metamorphose. Solch eine Transformation durchläuft im aktuellen Fall auch Keira Knightley, wenngleich in umgekehrter Richtung weg von der Deformation hin zum geheilten Ich.
Trotz ausgezeichneter Darsteller, einer wenig zu bemängelnden Inszenierung und ausgesprochen guten Dialogen, bleibt Eine dunkle Begierde, das seinerseits auf dem Theaterstück The Talking Cure des britischen Dramatikers Christopher Hampton basiert, von seiner Dynamik aber leider etwas auf der Strecke. Der ganz große Wurf ist Cronenberg mit dieser Mischung aus Biopic und Psychodrama somit nicht wirklich gelungen. Wenngleich der Film ungemein viele Einblicke in die Zeit und die Methodik der frühen Psychoanalyse ermöglicht, von der kleinen Tatsache mal abgesehen, dass die Beziehung Jung/Freud im Film nicht der realen entspricht. Was bleibt ist ein höchst ansehnlicher Historienstreifen, garniert mit Stars und feinen Psychoduellen.  Weitere interessante Filme
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