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Sharkwater

(Sharkwater, 2006)

Dt.Start: 14. Februar 2008
DVD: 21. November 2008
Premiere: 11. September 2006 (Toronto Film Festival, Kanada)
FSK: ab 12 Genre: Dokumentation
Länge: 89 min Land: Kanada
Darsteller: Patrick Moore, Erich Ritter, Rob Stewart, Paul Watson, Boris Worm
Regie: Rob Stewart
Drehbuch: Rob Stewart


Inhalt

Haie haben in unserer Welt den Ruf, blutrünstige Bestien zu sein. Durch Massenmedien und Filme wie Der Weiße Hai wird dieses Bild immer weiter unterstrichen und dabei der angebliche Jäger zur Beute gemacht. So ist z. B. Shark-Finning zu einer grausamen Sportart geworden, bei der lebenden Haien die Flossen abgeschnitten werden, und die Tiere dann so zurück ins Meer geworfen werden. Doch Haie sind auch interessante Lebewesen, deren Charakter in der Öffentlichkeit viel zu selten wirklich genau betrachtet wird.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Sharkwater hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 75%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Florian Lieb
Sharkwater hat eine Wertung von 75%
Steven Spielberg erschuf mit seinem Durchbruchsfilm Der weiße Hai den Mythos vom Hai als Menschenkiller. Dabei sind Haie im Vergleich zu anderen Tieren - und Objekten - völlig harmlos. Im Gegenteil, es ist der Mensch, der das Morden betreibt. Bis zu 100 Millionen Haie tötet er jährlich, um sie zum geschmacksfreien Statussymbol für Asiaten zu degradieren. Rob Stewart klärt auf und dokumentiert die erschütternden Zustände.

Bild aus Sharkwater Quizfrage: Sterben jährlich mehr Menschen durch herabfallende Kokosnüsse oder durch Haiangriffe? Die Antwort mag überraschen, aber in der Tat sterben durchschnittlich mehr Menschen durch eine herabfallende Kokosnuss als durch einen Haiangriff. Sogar Getränkeautomaten sind in den USA gefährlicher, wo sie jährlich im Schnitt zwei Menschen töten. Der Mythos vom Hai als Menschenmörder hält sich hartnäckig, dabei kommt es pro Jahr lediglich zu 60 Angriffen auf Menschen, die nur in 10 Prozent der Fälle tödlich verlaufen. Die traurige Wahrheit ist: Des Menschen bester Freund verzeichnet mehr Opfer als die Haie.

So töten allein Pit-Bull-Terrier in den USA jährlich mehr Menschen als Haie auf der ganzen Welt. 178 Menschen, meist Kinder, wurden zwischen 2005 und 2010 allein in den USA von Hunden getötet. In derselben Zeit starben 25 Menschen durch eine Hai-Attacke - weltweit! Dennoch käme niemand auf die Idee, Hunde, Getränkeautomaten oder Kokospalmen zu verbieten; auf Haie wiederum wird ganz legal Jagd gemacht. Über den Daumen gepeilt sind es 38 Millionen Haie, die jedes Jahr getötet werden. Tierschützer gehen jedoch davon aus, dass es in Wahrheit bis zu 100 Millionen sind. Das einzige Ziel: die Flossen der Fische.

Gut drei Viertel der jährlich getöteten Haie, laut WildAid 73 Millionen, fallen dem Shark Finning zum Opfer. Fischer schneiden den Tieren ihre Flossen ab und schmeißen sie dann zurück ins Meer. Dort sinken die Tiere blutend und bewegungsuntauglich auf den Meeresboden und verenden. Shark Finning ist eine Milliarden-Dollar-Industrie. In ihr fließt so viel Geld, dass Rob Stewart konstatiert, "nur der Drogenhandel könne da mithalten". Stewart ist Biologe, Unterwasserfotograf und Haifischliebhaber. In Sharkwater wollte er mit den Vorurteilen gegenüber Haien aufräumen und stieß dabei auf einen organisierten Genozid.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten avancierte Haifischflossensuppe speziell in China zum Statussymbol. Bis zu 100 US-Dollar wird für einen Teller Suppe veranschlagt, dabei haben die Haifischflossen selbst weder einen sonderlichen Nährwert, noch einen Geschmack. Dennoch ist die Suppe besonders bei chinesischen Hochzeiten der Renner, da man mit ihr zeigen kann, wie wohlhabend man is(s)t. Dementsprechendes Geld lässt sich mit Shark Finning verdienen, das speziell in den Gewässern zwischen den Galapagos Inseln und Costa Rica praktiziert wird. Hier regiert die taiwanesische Mafia - mit allen Mitteln.

So wurde der schottische Starkoch Gordon Ramsay im Januar 2011 in Costa Rica mit Schusswaffen bedroht und in Petroleum getränkt, als er mit einem TV-Team auf das dortige Shark Finning hinweisen wollte. Auch Rob Stewart liefert sich in Sharkwater wilde Verfolgungsjagden mit der Mafia und Costa Ricas Behörden, als er an Bord von Paul Watsons Öko-Schiff, der Ocean Warrior, auf illegale Haifischer stößt, die jedoch von der einheimischen Regierung geschützt werden. Was als biologische Aufklärung von Stewart begann, entwickelt sich somit nach gut einer halben Stunde zum politökologischen Filmthriller.

Dies ist insofern etwas schade, da Stewarts Aufklärungsarbeit somit nur ein Viertel des Filmes eingeräumt wird. Faktische Aussagen wie der Rückgang der Hammerhai-Population um fast 90 Prozent oder die Tatsache, dass lediglich 2 Prozent aller Haie einen Menschen beißen (und das auch nur, weil sie nicht wissen, mit was sie es zu tun haben), finden im weiteren Verlauf nur spärlich Verwendung. Statt das Bild der Urtiere - sie existieren bereits seit 400 Millionen Jahre - zu korrigieren, evoziert Stewart schließlich mehr Mitleid mit den Haien, die teilweise kurz vor ihrer Auslöschung stehen - was verheerende Konsequenzen hätte.

"Die Natur erschuf sie aus einem bestimmten Grund", sagt Hai-Experte Erich Ritter. "Sie sind die Löwen und Tiger des Meeres", ergänzt Stewart. Haie regulieren die Fischpopulation in den Ozeanen und damit auch den Algen- und Planktonbestand. Die Dezimierung von Haien, oft als Beifang getötet, hätte somit direkte Folgen für das Leben in den Meeren und damit indirekt auch auf das Unsrige. Doch für Konsequenzen von direkter oder indirekter Natur interessiert sich die Menschheit nicht, was bereits in Dokumentarfilmen zur Überfischung wie Die unbequeme Wahrheit über unsere Ozeane mit schockierendem Effekt dokumentiert wurde.

Abseits von seiner Dokumentation über die Shark-Finning-Industrie und ihre Folgen, sowie der Entschärfung des negativen Haifischbildes in der Öffentlichkeit, vermag Rob Stewarts Film vor allem durch seine visuell beeindruckenden Unterwasserbilder aufzutrumpfen. Somit ist Sharkwater ein wortwörtlich ansehnlicher Dokumentarfilm geworden, der mit Mythen aufräumt und neue Informationen zu Tage fördert. Wer den Film sieht, wird Haie in einem anderen Licht und nicht mehr als eminente Gefahr für den Menschen sehen. Denn im Vergleich zu Hunden, Kokosnüssen und Getränkeautomaten, sind Haie wahrhaftig harmlos.



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