Der etwa achtjährige Ben ist erst vor kurzer Zeit in seine neue Heimat, eine kleine bayerische Stadt, gezogen. Obwohl Heimat schon zuviel gesagt ist, denn heimisch fühlt er sich noch lange nicht. Auch sein Vater Fred fühlt sich noch nicht richtig wohl, denn er ist arbeitslos - ohne Aussicht auf Besserung. Seine Mutter Lena dagegen hat sich schon mit einem Schokoladengeschäft selbstständig gemacht und in der Vorweihnachtszeit dementsprechend besonders viel zu tun. Apropos Vorweihnachtszeit: Auch für den echten Weihnachtsmann Niklas Julebukk beginnt der Stress jetzt gerade richtig. Zum normalen Aufgabenbereich, der Bearbeitung der Wunschlisten und dem Verteilen der Geschenke, kommt nämlich leider auch noch hinzu, dass ausgerechnet Waldemar Wichteltod dem Weihnachtsfest einen kommerziellen Stempel aufdrücken will. Das gilt es zu verhindern. Dazu verbünden sich der kleine Ben und Niklas Julebukk.
Wieder eine Bestsellerverfilmung von Cornelia Funke? Und wieder durch Uschi Reich? Tritt da nicht falsche Routine ein? Nein. Denn sie wagen sich diesmal nicht nur an eine effektbestückte Weihnachtsgeschichte, diese richtet sich auch noch eher an die Kleineren unter den Kindern. Und da gilt es, sehr aufzupassen. Denn das sind dann sogenannte "Handtaker", also Filme, bei denen die Kinder aufgrund ihres Alters von den Erwachsenen mitgenommen werden. Man muss also beide Gruppen ansprechen. Und dies gelingt nur bedingt.
Zum Ersten hat das adaptierte Drehbuch für mich so gar keine Ecken und Ambivalenzen mehr. Freilich, alles ist logisch aufgebaut, und folgerichtig. Aber ich fand es daher auch recht seelenlos. Man spürte praktisch beim "Säen" schon das "Ernten". Und damit verliert es zuviel. Aber es nimmt die Sorgen der Kinder, welche in die Fremde umziehen müssen, ernst, und die Interaktion, dass sich der Weihnachtsmann und Ben gegenseitig helfen, finde ich gut gelungen.
Deshalb auch zum zweiten - und bei der Kritik dieses Filmes dem wichtigeren - Punkt: dem Inszenierungsstil. Und hier kommt für mich zum tragen, dass es bei einer Kinoverfilmung oft sehr deutlich wird, ob der Regisseur eine Handschrift hat. Egal, ob er das Buch selber geschrieben hat oder er sich von dem fremden Stoff vereinnahmen lässt. Das ist hier leider nicht der Fall, zumindest nicht zu spüren. Oliver Dieckmann beherrscht auf alle Fälle sein Handwerk, alles ist grundsolide, und wäre das ein Fernsehfilm - und das meine ich nicht des Formats wegen, sondern der Zeit, die ein Filmemacher sich hier dem Stoff widmen kann! - auch ok. Aber ich entdecke weder einen bewussten Wechsel, welchen das Auftauchen des fantastische Elements in das dröge Leben des Ben einfach zu bringen hat, noch wirkliche Empfindungen bei ihm, wenn sich sein Leben daraus ändert, und er als anderer nun mit neuem Mut das Leben sehen kann. Darum geht es in Funkes Buch so wunderbar. Hier sind die Amplituden des emotionalen so derart klein, dass man fast von Langeweile reden kann, welche stellenweise aufkommt.
Dabei hat er tolle Schauspieler. Die er auch sehr gut führt. Und sogar mit ungewöhnlichen Besetzungscoups aufwarten kann. Alexander Scheer in solch einem Film, das ist schon ungewöhnlich genug, aber Volker Lechtenbrink als Waldemar Wichteltod ist eine besonders gelungene Idee. Dessen Charisma berechtigt absolut zu dieser Entscheidung.
Aber leider konnte man sich auch im Look wohl nicht auf eine Richtung festlegen. Und so sieht das für einen Familien-Weihnachtsfilm sehr bieder und ohne Raffinesse aus. Eigentlich untypisch für das Haus Uschi Reich, die sonst lobenswerter Weise selbst bei kleineren Geschichten durchaus bemüht ist, sich nicht immer nur mit unmittelbar Notwendigem zu begnügen. Die Werke hatten alle einen hochwertigen Stil. Und gerade hier, beim Zusammenprall der zwei unterschiedlichen Welten, hätte man dem Affen ruhig Zucker geben können.
Fazit: Wenn man - der Film startet ja diesbezüglich zeitlich sehr gut - sich in vorweihnachtliche Stimmung versetzen lassen will, ist dieser Film gut anzuschauen. Und erst recht, wenn man mit seiner ganzen Familie ins Kino gehen will. Allerdings fehlt für mich der absolute Mehrwert des Originalbuches, und man darf auch nicht ein cineastisches Meisterwerk erwarten, welches der Film aber durchaus hätte werden können!