Sex & Zen: Extreme Ecstasy wird als "erster 3D-Erotikfilm" beworben. Doch leider gibt es keine doppelt plastischen Chirurgien, sondern nur in den Actionszenen CGI mit dem Effekt zu sehen. Ein aufgeblasenes, hirnrissiges Trash-Spektakel, das abseits einer dünnen Handlung zumindest nicht mit optischen Schauwerten geizt.
Als Sex & Zen: Extreme Ecstasy im April 2011 in Hongkong in den Kinos startete und gleich einmal mehr einspielte als Avatar, war die Sensation groß. Nicht nur, dass es quasi eine einheimische Produktion schaffte, James Camerons epochales Fantasy-Abenteuer zu überflügeln, es war auch noch "der erste 3D-Porno", wie die Klatschpresse anpries. Diese letztlich irreführende Bezeichnung für Softcore-Erotik mit zahlreichen Fantasy-Elementen in 3D sorgte dafür, dass Sex & Zen: Extreme Ecstasy einen weltweiten Siegeszug antrat, in Cannes lief (allerdings fernab der Filmfestspiele) und nun auch in Deutschland vom Label Capelight in den Handel gebracht wird.
Dabei zieht sich diese Übertreibungslogik nicht nur durch die Vermarktungskampagnen und einen Trailer, der die wenigen 3D-Momente größtenteils innerhalb von Actionsequenzen beinhaltet. Auch der Film selbst ist mehr Sein als Schein. Sex & Zen: Extreme Ecstasy ist durchtränkt von Erotik-Szenen. Ungestümes Gerammel, lustvollen Beischlaf und entblößte Brüste gibt es im Minutentakt, doch stellen sich Abnutzungserscheinungen bei den immer selben Kopulationsabläufen schnell ein. Die Darstellerinnen um Leni Lan sind atemberaubend schön (auch aufgrund digitaler Nachbearbeitung), die Kostüme sind opulent und die Ausstattung kann nur als aufwändig bezeichnet werden. Ideale Voraussetzungen also für einen weiteren Siegeszugs des Stils über den Inhalt.
Eine um 15 Minuten längere Version als die Kinofassung lässt die dünne Story indes noch aufgeblasener wirken. Darin versucht der triebhafte Wei Yangsheng (Hiro Hayama) in der Ming-Dynastie in einem Lusttempel des Prinzen Ning (Tony Ho) die Geheimnisse der Lust zu ergründen und zu lernen, seine anscheinend frigide Frau Tie Yuxiang (Leni Lan) besser zu befriedigen. Wie sich herausstellt, hat er jedoch einen kleinen Penis und so beschließt er, sich den Pillermann eines Esels annähend zu lassen. Dann begeht er jedoch angestiftet einen Verrat an Ning und wird drakonisch bestraft. Bei Folter muss er mit ansehen, wie Ning seine herbeigebrachte Frau vergewaltigt und quält, während die Heerscharen des Kaisers den Tempel stürmen.
Während in den ersten beiden Filmdritteln der Erotik und Kopulationen in epischer Länge gefrönt wird, tritt dann Gewalt an diese Stelle, die mit abgehackten Gliedmaßen und gespaltenen Angreifern in ähnlichem Maße zelebriert wird. Während die Hoffnung auf eine Inszenierung von primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen und Kopulationen in noch stärker anheizendem 3D enttäuscht wird, kommt diese Technik vor allem als plumpes CGI bei den Kampf-Szenen zum Einsatz. Pistolenkugeln und Dolche fliegen durch die Luft in Richtung Kamera, weibliche Rundungen werden leider kaum stärker dreidimensioniert. Eine Szene, in der Tie im Pool von hinten genommen wird, ist dafür exemplarisch. Der 3D-Effekt richtet sich nicht auf ihre Brüste, sondern Wasser, welches bei den Liebesstößen in Richtung Kamera spritzt.
Bis zu den Erkenntnissen hierhin könnte man Sex & Zen: Extreme Ecstasy noch als sattes in Farben schwelgendes, äußerst sinnlich-ästehtisches eye candy weggucken. Doch leider äußert sich eine gewisse groteske und kalauerartige Komik nicht nur in einem angenähten Eselspimmel, sondern auch in Dialogen um selbiges "Gerät" oder diversen Aktionen, die man mit langen "Dingern" so anstellen kann. Diese Art von Humor, die auch schon im ersten, inhaltlich ähnlich gelagerten Sex & Zen-Film aus dem Jahre 1991 zu finden war und ihm neben einigen expliziten Szenen einen Ehrenplatz in der Galerie der Cat. III-Filme (Hongkongs Entsprechung der amerikanischen NC-17-Freigabe) sicherte, muss man mögen.
Sex & Zen: Extreme Ecstasy ist ein beeindruckend ausgestatteter und in satten Farben fotografierter Trash-Film im Gewand einer eigenwilligen Mixtur aus Softcore-Erotik im Historie, schlüpfrig-peinlicher Sexkomödie und Fantasy-Action mit albern eingesetzten 3D-Effekten. Kurzum: Übertriebene Aufregung um einen im Kern banalen und absurden, mit hübschen Gesichtern gespickten Erotikfilm, der nur selten die Grenze zum (Gewalt-)Pornografischen überschreitet.