Angesehener Mann auf Abwegen. Darum dreht sich die Handlung in Brand im Wesentlichen, wenn auch das vorantreibende Motiv eine verhängnisvolle Liebschaft ist. Aus anfänglich unbekümmertem Sex wird dabei schnell eine Amour-Fou-Geschichte, die ein brutales Eifersuchtsdrama nach sich zieht. Und angesichts dessen, dass der Gehörnte Polizist ist, wurde unversehens zum Krimi übergegangen. Ganz kapieren braucht diese Sprünge aber ohnehin niemand, selbst wenn ein gewisses Maß an Restunterhaltungswert bleibt.
Hinter dem wenigsagenden Titel verbirgt sich eine deutsch-österreichische Co-Produktion mit Josef Bierbichler (Im Winter ein Jahr, Das weiße Band) in der Hauptrolle, die stilistisch von Beziehungsdrama über Krimi bis hin zu Film-Noir-Anleihen wenig auslässt, und dennoch wenig Ausgegorenes produziert. Verantwortlich als Regisseur für den kruden Genre-Mix, der seinen Mittelpunkt nie so recht finden will, ist Thomas Roth, der in Österreich durch seine TV-Krimis und Tatort-Episoden großes Ansehen gewinnen konnte.
Brand ist ein bekannter Schriftsteller. Seit seine Frau schwer an Krebs erkrankte, will die literarische Inspiration aber nicht mehr so recht fließen. Er arbeitet zwar an einem neuen, autobiografisch geprägten Roman, bis zum fertigen Manuskript ist es jedoch noch ein weiter Weg. Um dennoch finanziell flüssig zu bleiben und die Rechnungen der teuren Behandlungen begleichen zu können, verkauft er hinter dem Rücken seiner Frau eine Wohnung, die sich im gemeinsamen Besitz befand. Diese kleine Lüge, die ihm später beinahe zum Verhängnis werden soll, stellt nur die Spitze des Eisbergs an Unmoralitäten dar: Zugleich beginnt Brand (Josef Bierbichler) eine heiße Affäre mit der hübschen Krankenschwester Angela (Angela Gregovic), die seine Frau tagein, tagaus im Krankenhaus pflegt.
Für Brand ist das anfänglich keine große Sache. Eine unbedeutende Liaison, ein sexuelles Trostpflaster, das sich der große Literat zwischendurch mal gönnt. Angela ist allerdings verheiratet, und ihr Mann versteht als Türke in solchen Angelegenheiten überhaupt keinen Spaß. Darüber hinaus ist er Polizeibeamter bei der Kripo und verfügt über reichlich Mittel und Wege, seinem Nebenbuhler das Leben zur Hölle zu machen. Es dauert tatsächlich nicht lange und die Affäre droht aufzufliegen; Grund genug für beide voneinander zu lassen, inzwischen haben sie sich aber regelrecht obsessiv in eine Art gegenseitiger Abhängigkeit hineingesteigert - das Verhängnis nimmt seinen Lauf.
Roths Geschichte präsentiert sich gleich einer kleinen Odyssee, vielleicht sogar gleich einer Fahrt ins Ungewisse. Immer wenn es soweit ist, dass sich der Film einigermaßen verortet und (nun endlich) stringenten Genre-Schemata zu folgen scheint, ergibt sich eine neuerliche, bisweilen hanebüchene Verzweigung oder Wendung und er führt Charaktere wie Plot prompt zur nächsten abenteuerlichen Untiefe. Zuweilen nimmt das Züge einer satirischen Groteske an; doch selbst ein gewisses Augenzwinkern bei der Inszenierung vorausgesetzt, ist die produzierte Komik meist eher unfreiwilliger Natur.
Eine gewisse Kurzweil muss man dieser Vorgehensweise dennoch attestieren, auch wenn manchmal ein Schmerzgrinsen übers Gesicht huscht. Dabei macht der Film im Grunde keinen Hehl daraus, dass er mit schrägen Motiven durchaus arbeiten möchte. Bierbichlers Figur ist beispielsweise geradezu besessen davon, Bilder zu machen. Stets mit der Spiegelreflex zur Hand, versucht er, möglichst alles Abgründige zu verewigen: Kranke, Sterbende, Tote, seine halbnackt sich räkelnde Liebhaberin im heimischen Ehebett. Zugleich ist er aber unbedarft genug, die Fotos im Speicher der Kamera zu belassen, nachdem er sie auf seinen Laptop übertragen hat, sodass man ihn mit allerhand unerfreulichen Geschehnissen in Verbindung bringen kann - und man kann sicher sein, dass der Film davon Gebrauch machen wird.
Woran erkennt man ein schwaches Skript? Es wurden Dinge hineingeschrieben, deren einziger Sinn es ist, später als "handlungsfördernde" Elemente herzuhalten. Gleiches gilt für Charaktere, die A tun (auch wenn es haarsträubend erscheint), damit B folgen kann. Das wirkt wie Dramaturgie aus der Vorschule. Bierbichler gibt dennoch keine schlechte Figur ab, wenn er seine Rolle auch mehr solide abspult und überwiegend emotional nivelliert agiert, von einigen wenigen Ausbrüchen abgesehen.
Der Klischeeteufel aus der Stereotypenhölle wollte überdies auch sein Stelldichein geben, somit musste der eifersüchtige Ehemann unausweichlich einen anatolischen Migrationshintergrund aufweisen, damit ihm jede Schandtat zuzutrauen wäre. So wichtig es den Machern aber zumindest erschien, diesen Charakter auszuarbeiten, so dünn bleibt hingegen die Figur der weiblichen Protagonistin, die ohne nennenswerten Unterbau auskommen muss. Dabei ist sie es im Wesentlichen, die als Katalysator der Handlung herhält.
Unterm Strich ergibt sich somit ein zweifelhaftes Konstrukt aus verhängnisvoller Affäre und überlangem Tatort, welches unter Umständen auf eine gewisse schräge Weise unterhalten kann, wenn Glaubwürdigkeit und Handlungslogik nicht absolut im Vordergrund stehen. Die heimische Schau in die Flimmerkiste will aber mehr als angemessen erscheinen.