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The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten

(The Descendants, 2011)

Dt.Start: 26. Januar 2012 Premiere: 10. September 2011 (Toronto Film Festival, Kanada)
FSK: ab 12 Genre: Komödie, Drama
Länge: 114 min Land: USA
Darsteller: George Clooney (Matt King), Judy Greer, Matthew Lillard (Brian), Shailene Woodley (Alexandra), Beau Bridges (Cousin Hugh), Robert Forster (Scott), Rob Huebel (Mark Mitchell), Mary Birdsong (Kai), Nick Krause (Sid), Amara Miller (Scottie), Patricia Hastie (Elizabeth King), Scott Michael Morgan (Barry Thorson)
Regie: Alexander Payne
Drehbuch: Alexander Payne, Nat Faxon


Inhalt

Matt King hat als Anwalt gut verdient und lebt mit seiner Familie auf Hawaii, wo er ein Stück Land besitzt. Doch genau dieses Land ist begehrt - von mehreren Seiten wird er zum Verkauf gedrängt. Als dann auch noch seine Frau bei einem Bootsunfall schwer verletzt wird und ins Koma fällt, muss Matt mit seinen beiden Töchtern alleine zurechtkommen. Doch das Verhältnis zur altklugen Scottie und der frisch aus dem Entzug kommenden Alex ist schwieriger, als der Familienvater dachte.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 82%
Kurzkritik
von Markus Ostertag
Wertung von 87 für The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten

Ruhig und unaufdringlich erzählt Alexander Payne (Sideways) die Geschichte einer Familie, die komplizierter nicht sein könnte.
Gerade diese Ruhe ist es, an der sich einige Filmliebhaber ebenso stören werden, wie an mancher Charakterentwicklung. Erst in der Reflektion nach dem Film - und der Streifen fordert es heraus über ihn zu sprechen - wird der volle Umfang an Realität und damit Perfektion dieser Umsetzung klar. George Clooney ist zwar gewohnt souverän, wird aber durch seine beiden Töchter, gespielt von Shailene Woodley und Amara Miller, fast noch übertrumpft! The Descendants ist ein Film, über den man mit Anderen diskutieren muss, um das volle Potential zu ergreifen. Großes Kino auf jeden Fall!

Kurzkritik
von Daniel Licha
Wertung von 83 für The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten

Trotz Golden Globe Regen und der vielen Oscarnominierungen waren die Erwartungen nach dem doch eher enttäuschenden Trailer nicht sonderlich groß, lässt dieser doch ein 08/15-Independentmovie erwarten. Jedoch führt die Vorschau den Zuschauer absichtlich in die Irre, ist der Film doch ein wunderbar ehrliches Drama, das das Leben einer Familie zeigt und wie sie mit einem schweren Schicksalsschlag umgehen muss. Alexander Paynes Film funktioniert dabei vor allen Dingen dank seiner schlichten Art, die das Leben der Familienmitglieder auf solch realistische und ehrliche Art und Weise zeigt und damit jeglichen Hollywoodkitsch aus dem Weg geht. Dass das so wunderbar gelingt ist auch Hauptdarsteller George Clooney zu verdanken, der hier wohl seine bislang beste Karriereleistung abliefert und auch seiner Filmtochter Shailene Woodley, die sich vor ihm nicht zu verstecken braucht. Ein wunderbarer Film über das Leben; sicherlich nicht sonderlich spektakulär und für die breite Masse geeignet, aber genau dieses Schlichte macht ihn erst so gut.

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten hat eine Wertung von 75%
Einer neuer Clooney ist mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit eine gute Empfehlung. Es scheint derzeit, als wäre der smarte Hollywood-Mime gegen filmische Fettnäpfchen gefeit und als würde er immer besser. In The Descendants geht es auf einen Selbstfindungstrip, dessen Auslöser ein tragischer Unfall ist. Treffsicher zeichnet Alexander Payne das Portrait eines Mannes, dessen Welt aus den Fugen gerät, und Clooney liefert gerade in der Ohnmacht seiner Filmfigur, mit den Ereignissen, die ihn überwältigen, umzugehen, eine vortreffliche Performance ab. Das und die Leichtigkeit der Inszenierung helfen sowohl über einige Längen als auch über die Trivialität der Geschichte hinweg.

Bild aus The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten Manche Menschen sind einfach überaus gesegnet. Nicht nur gutaussehend und beruflich erfolgreich. Wie bei König Midas wird bei ihnen alles zu Gold, was sie in die Hände nehmen. George Clooney, regelmäßig zu einem der "Sexiest Men Alive" gekürt, vollbringt ähnliche Wunderdinge. Eben noch von der Presse wegen seiner Leistung als Drehbuchautor und Regisseur für The Ides of March hochgelobt, wird er gleich darauf für seine schauspielerische Leistung in The Descendants für den Golden Globe nominiert und wird für 2012 hinter vorgehaltener Hand als Oscar-Kandidat gehandelt.

Leidlich unaufgeregt zeigt sich The Descendants. Als Film ohne viel Getue und Zuckerguss - sieht man einmal von den malerischen Landschaftsimpressionen und Postkartenidyllen der hawaiianischen Inseln ab -, der die wesentlichen Knackpunkte der Handlung zudem oft ausspart und vor vollendete Tatsachen stellt. Clooney gibt sich seiner Rolle als Familienvater hin, dessen Leben mit jedem Schritt und jeder Enthüllung mehr und mehr aus den Fugen gerät. Den Stein ins Rollen bringt der Unfall von Matt Kings (George Clooney) Frau. Sie verunglückt beim Wasserskifahren vor dem Strand von Waikiki und liegt fortan im Koma. Mit der Situation emotional überfordert, versucht sich King mit seinen beiden Töchtern ein klein wenig die Illusion einer heilen Familie aufzubauen.

Leicht machen es ihm die beiden Mädchen nicht. Die zehnjährige Scottie (Amara Miller) wirkt zuweilen überaus reif und abgeklärt, und die 17-jährige Alexandra (Shailene Woodley) ist ohnehin ein ganz besonderer Fall für sich: Sie ist rebellisch und aufmüpfig, trinkt und macht ihrem Vater gleich klar, dass er sich damit abfinden muss, dass sie gerne mal einen Lover im Schlepp hat. Durch sie erfährt er allerdings auch, dass seine Frau ihm nicht treu gewesen war. Bevor sie ins Koma fiel, hatte sie schon seit Längerem eine heiße Affäre und beabsichtigte sogar, ihn zu verlassen. Als er das erfährt, reißt es ihm geradezu den Boden unter den Füssen weg. Seine Gefühle fahren Karussell. Wie aber artikuliert man seine Wut und seine Verletzung einem Menschen gegenüber, der sich all dem nicht stellen kann, selbst wenn er es wollte? Getrieben davon, verstehen zu wollen, warum seine Frau ihn betrog, setzt er alles daran, herauszufinden, wer ihr Liebhaber war.

Nach siebenjähriger Pause kehrt Regisseur Alexander Payne nach About Schmidt und Sideways mit einer Tragikomödie zurück, in der wieder mal das Schicksal des einfachen amerikanischen Mannes im Mittelpunkt steht. Basierend auf der Romanvorlage von Kaui Hart Hemmings entwirft er eine Geschichte, die in Zügen an American Beauty erinnert. Den beißenden Zynismus und die hemmungslose Entblößung des amerikanischen Spießbürgertums wird man aber vergebens suchen. Vielmehr - und das ist wohl die eigentliche Parallele - wird unter Schmerzen auch in The Descendants Schicht um Schicht der Fassade abgetragen und dadurch bittere Wahrheit offengelegt. Mit einer ordentlichen Portion Ironie unterlegt, gelingt es dem Film jedoch, viel Leichtigkeit zu verleihen, was zuweilen auch über die eine oder andere Länge hinweghilft.

The Descendants steht und fällt mit Clooneys Leistung, und der ist stets auf der Höhe, brillant in seinem Timing und immer Herr der Show, selbst in den Momenten, in denen seiner Filmfigur die emotionale Kontrolle entgleitet. Vor so viel hoher Schauspielkunst muss der Hut gezogen werden. Was der Geschichte zum Trotz eine gewisse Schieflage verleiht, ist die Tatsache, dass Matt King kein Allerweltstyp ist. Warum auch immer, aber King ist ein Abkömmling der hawaiianischen Königsfamilie und Erbe eines immensen Vermögens. Während seine Frau im Koma liegt, hat er die Sorge über den Verkauf des letzten Landes, das sich noch im Besitz der Familie befindet. Es ist ein Stück unberührtes Tropenparadies, für das Investoren bereits Schlange stehen. Dieser Verkauf würde alle Familienmitglieder zu Multimillionären machen, bereitet King aber Kopfzerbrechen. So schleicht sich als dezenter Nebenplot noch ein bescheidenes Ökomotiv in den Film, inwieweit das aber zur Bereicherung beiträgt, bleibt fraglich. Der Film hätte sicherlich auch ohne diesen Seitenpfad funktioniert.

Als Reise zum eigenen Mittelpunkt, in der sich alles - ohne zu moralisieren - darum dreht, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu scheiden und letztendlich zu einem neuen Selbst zu finden, funktioniert der Film vortrefflich. Katalysator des Prozesses ist das Koma der Frau und Mutter mit allen Begleiterscheinungen und Verletzungen, die davon ausgehen. Getaucht in einen süffisanten Ton, voll von kleinen menschelnden Augenblicken, ist The Descendants ein wundervoller Film zum Mitschwingen und über Schein und Sein und die Vergänglichkeit der Dinge zu sinnieren. Ein wenig krankt das alles dennoch an ausgesprochener Trivialität und wirklich erschöpfend Neues oder gar erleuchtende Ausblicke dürfen nicht erwartet werden. Dazu sind der Ton zu nivelliert und die Charakterbilder insgesamt zu flach gehalten.



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