In seiner letzten Rolle vor seinem deutlichen Gewichtsverlust spielt Jonah Hill einen beleibten Babysitter, der Probleme mit der Mafia bekommt. Doch Bad Sitter ist kein zweiter Superbad, dafür fehlen trotz durchaus hohen Unterhaltungswertes Witz und Charme.
"Der Dicke", das ist immer der Außenseiter, der als Nerd und/oder "der Lustige" versucht, sich Akzeptanz in einer Gruppe zu erarbeiten. Das war (und ist) nicht nur seit Jahrzehnten auf den Schulhöfen der Republik so, sondern auch in der Filmgeschichte. Stan Laurels plumpes und trampeliges Gegenüber war Oliver Hardy. John Candy war in Spaceballs mal die kostümierte Witzfigur, in Ein total verrückter Urlaub mal der in Fettnäpfe tapsende Familienvater - also bei den von ihm verkörperten Figuren vergleichsweise ambivalent.
Und Jonah Hill, ja, dessen populärere Filmografie stand bisher eben wieder ganz im Zeichen vom "lustigen Dicken", sei es in Superbad und Männertrip, bevor er auf wundersame Weise massig an Gewicht verlor und prompt zu Ehren einer Oscar-Nominierung in Die Kunst zu gewinnen - Moneyball kam. Hollywood spiegelt hier die gesellschaftliche Hackordnung, in der "Dicke" einfach nicht ernst genommen werden können, solange Zuschauer noch über Filme wie Big Mama's Haus lachen können.
Und so verwundert es kaum, dass auch in den ersten Minuten von Bad Sitter Witze ganz auf Kosten der beleibten Hauptfigur gehen. Noah Griffith (Jonah Hill) ist mit seinem Mund ganz im Schoß seiner "Freundin" Marisa (Ari Graynor) verschwunden, die ihn nur ausnutzt. Als er als Babysitter auf die drei komplexgeplagten Nervensägen der Nachbarin aufpassen muss, beauftragt Partygirl Marisa ihn, Drogen zu besorgen. Doch leider sorgen die auf "Einkaufstour" mitgenommenen Gören dafür, dass Noah schließlich Schulden bei einem mordlüsternen Dealer hat und seinen eigenen Vater bestehlen muss, der inzwischen den Kontakt meidet.
Die Autoren Alessandro Tanaka und Brian Gatewood, die auch für die Comedy-Serie Animal Practice verantwortlich zeichnen, schrieben Bad Sitter als ein merkwürdiges Konglomerat aus Coming-of-Age-Movie, Verdauungsendprodukt-Klamauk und krawalliger Thriller-Komödie. Am Ende der Nacht sind alle Wahrheiten ausgesprochen und alle Beteiligten haben etwas über sich selbst und ihr Beziehungsgeflecht zu anderen Menschen inklusive "Steh zu dir selbst!"-Botschaft dazugelernt. Und das wäre auch ganz nett und stimmig, wenn diese Möchtegern-Harmonie nicht stets von subversiven verbalen, fäkalhumorigen oder gewalttätigen Entgleisungen durchbrochen würde, die als Versatzstücke keinen Funken Originalität in sich tragen. Hervorgerufen von den Schergen eines Drogendealers (köstlich durchgeknallt: Sam Rockwell, Per Anhalter durch die Galaxis) über eine wütende Gang von Schwarzen bis hin zu einem Adoptivkind mit Mafia-Attitüde aus El Salvador, das stets Toiletten zum Explodieren bringt.
All diese humoristischen Zutaten von Bad Sitter sind zu überzeichnet, als dass man den Film trotz seines hohen Unterhaltungswertes auch in seinen nachdenklich stimmenden Szenen mit ruhigen Dialogen ernstnehmen könnte. Die Wendungen und Verwicklungen sind bis dahin zu konstruiert, und der von Jonah Hill gespielte Noah bleibt das, was schon viele Dicke als Hauptakteure vor ihm waren: eine leider nur als humoristische Projektionsfläche dienende Witzfigur.