Kinderfilme haben es ziemlich schwer in der Gunst der Kinogänger. Vom Großteil des Publikums werden sie eher belächelt. Dabei gibt es wie in jedem Genre auch hier sehr unterschiedliche Produktionen, die zeigen, dass es definitiv gute und schlechte Kinderfilme gibt. Zu Ersteren zählt jüngst beispielsweise The Liverpool Goalie, zu Letzteren dieses französische Werk. Ironischerweise gerade deshalb, weil es versucht, mehr als ein Kinderfilm zu sein.
Es ist März 1944 in der französischen Provinz. Zwischen den Jungen der Dörfer Longeverne und Velrans herrscht eine herzliche Feindschaft. Als die Brüder Gibus aus Longeverne auf ihrem eigenen Land von den Feinden als "Schlappschwänze" bezeichnet werden, ruft ihr Anführer Lebrac den Krieg aus. Von nun an erdenkt der nur begrenzt gute Schüler Strategien und führt seine Jungs in Schlachten, um so viele gegnerische Knöpfe zu erbeuten wie möglich. Es geht schließlich um die Ehre. Aber auch um die neue Mitschülerin Violette.
Krieg der Knöpfe: Der Roman meines zwölften Lebensjahres von Louis Pergaud ist einer der beliebtesten Jugendromane und wurde seit seinem Erscheinen 1912 mehr als 30 Mal wiederaufgelegt. 1962 erhielt die Geschichte mit der Verfilmung von Yves Robert, die die Handlung in ihre Gegenwart verlegte, einen Kultstatus, der bis heute besteht. Nachdem im letzten Jahr das Copyright des Romans ausgelaufen war, machten sich daher gleich zwei Produzenten an eine Neuverfilmung. Thomas Langmann, der gerade für The Artist mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, hat für seine Version sogar am Drehbuch mitgearbeitet. Das verlagert die Geschichte der Romanvorlage in die Zeit der deutschen Besatzung während des Zweiten Weltkriegs. Auf diese Art "spiegelt sich der tragische Konflikt der Erwachsenen bei den Kindern wieder, auch wenn ihr Krieg ja eher lustig ist", begründet Regisseur Christophe Barratier (Die Kinder des Monsieur Mathieu) die Entscheidung.
Doch genau das ist es, was seinem Film das Genick bricht, denn der kreative Kraftakt, Kriegsdrama und Kinderfilm zu verbinden, ist gründlich missglückt. Während die meisten Filme des Genres aufgrund ihres Humors und ihrer kindgerechten Präsentation für Erwachsene doch eher schwer zu ertragen sind, stolpert Krieg der Knöpfe immer wieder ungeschickt hin und her zwischen diesem Stil und eher tragischen Momenten, in denen die Grausamkeiten der Deportation von Juden oder der heimliche Widerstand gegen die Nazis geschildert werden. Das führt dazu, dass der Film einfach nie seinen Ton findet und in den lustigen Momenten nur für Kinder wirklich funktioniert, sie in den erwachseneren dramatischen Momenten aber eher überfordert.
Dabei kann man auf der filmtechnischen Ebene kaum meckern. Die Besetzung, u. a. Laetitia Casta (Gainsbourg - Der Mann, der die Frauen liebte), Kad Merad (Willkommen bei den Sch'tis) und besonders die Kinder, machen alle einen passablen Job, die Ausstattung ist wirklich gelungen und die Bilder der französischen Landschaften sind schlichtweg schön. Nur die Musik von Philippe Rombi trieft dermaßen von Kitsch, dass sie mehr als einmal alles andere übertönt und völlig unnötigen Pathos erzeugt. Das führt sogar so weit, dass die unschuldigen Gefechte der Kinder in ihrer viel zu wenig ironischen Inszenierung mit dieser Untermalung wie eine Kriegsglorifizierung für Vorschüler wirken.
Die Zahl der Kinobesucher, die sich hier wirklich gut unterhalten fühlen werden, ist wohl leider ziemlich gering und irgendwo in einer sehr kurzen Altersstufe zwischen Kindheit und Jugend zu finden. Aber allen anderen möchte man diesen neuen Krieg der Knöpfe nicht wirklich empfehlen. Dafür aber darauf hinweisen, dass gegen Ende des Jahres das 1962er Original restauriert und in digitaler Fassung nochmal in die Kinos kommt. Dann wird sich entscheiden, wer als Sieger aus dem aktuellen Krieg der Kriege der Knöpfe hervorgeht.