Statt einen konventionellen Gangsterfilm in Szene zu setzen, nahm Kultregisseur Takeshi Kitano in seinem neuesten Werk die Gesellschaft der Yakuzas auf aberwitzige Art und Weise auseinander und stelllt diese fast als einen Haufen Kindergartenkinder dar. Gewalt erzeugt Gegengewalt, und so geht es dabei einmal mehr alles andere als zimperlich zur Sache, auch wenn sein neuestes Werk sicherlich seine Genrefans etwas abschrecken wird.
Seit einigen Jahren war Japans Kultregisseur auf der Suche nach sich selbst und steckte in einer kleinen Sinnkrise fest, die er in seiner inoffiziellen Filmtrilogie (Takeshis,Glory to the Filmmaker und Achilles and the Tortoise) filmisch versuchte, zu verarbeiten. Zurück zu seinen Wurzeln scheint es nun bei seinem aktuellen Werk zu heißen, denn Outrage verspricht auf dem Papier einmal mehr einen knallharten Yakuza-Streifen des Regisseurs. Doch der Schein trügt gewaltig!
Die Geschichte des Filmes beginnt dabei wie ein klassischer Yakuza-Krimi: Zwei Clans führen einen offenen Krieg mit verschiedenen Allianzen, wechselnden Bündnissen und dabei geht es gerne mal etwas blutig zur Sache. Racheaktionen stehen an der Tagesordnung, der ein oder andere verliert gerne mal ein Körperteil und überleben werden im Grunde, wenn überhaupt, nur die wenigsten Figuren. Willkommen in der Welt des Takeshi Kitano!
Dabei spielt der Regisseur wunderbar mit der Erwartungshaltung seiner Fans, einen knallharten Yakuza-Streifen zu Gesicht zu bekommen. Hart ist der Film definitiv und es gibt durchaus eine Szene, die dem Marathon Mann alle Ehre machen wird, aber vor allen Dingen ist der Film eines: Unglaublich lustig! Ja, richtig gehört, denn anstatt einmal mehr sein übliches Ding durchzuziehen, nimmt er die Yakuza-Kultur auf wunderbare Art und Weise komplett auseinander und zeigt mit viel schwarzem Humor, dass sich im Grunde alle Akteure wie im Kindergarten verhalten. Somit demontiert er eine Gesellschaft, der er gerade zu Beginn seiner Regielaufbahn nahezu gehuldigt hat.
Trotz der Tatsache, dass es sich bei Outrage um eine Genre-Satire handelt, weicht Kitano nicht von seinem Inszenierungsmuster ab und zeigt in kalten Tönen auf harte und brutale Weise das kaltblütige Verhalten der Yakuza. Dabei geht er einmal mehr keinerlei Kompromisse ein und versteht es damit, seiner Yakuza-Veralberung die Krone aufzusetzen.
Kitano ist bekannt dafür, einen gewissen Stammcast zu besitzen, den er in nahezu allen seinen Filmen zum Zug kommen lässt. Für Outrage ging er jedoch komplett neue Wege, denn mit Ausnahme der Tatsache, dass er sich einmal mehr selbst in der Hauptrolle besetzt hat, war noch keiner der Akteure für ihn vor der Kamera gestanden. Diese führt er jedoch ohne große Einbrüche mühelos durch seinen Film und sie ergänzen sein eigenes, extrem leinwandfixiertes Spiel ohne sichtbare Schwächen.
Viele Jahre lagen die Yakuzas, im Allgemeinen große Fans des Regisseurs, Kitano in den Ohren, dass er doch endlich mal wieder einen Film über sie machen solle. 10 Jahre nach seinem letzten Genrewerk Brothers hat er ihnen nun diesen Wunsch erfüllt, doch das Ergebnis wird ihnen sicherlich nicht gefallen, denn seine wunderbare Demontage der Gesellschaft der Yakuzas wird sie sicherlich nicht begeistern können. Mit Outrage hat Kitano jedenfalls wieder zu alter Stärke gefunden und scheinbar gefiel ihm sein neuestes Werk so gut, dass er beschloss, eine mehr als nur willkommene Fortsetzung folgen zu lasen.