Kriegerin Poster

Film-Seite zu Kriegerin
Trailer zu Kriegerin
Poster zu Kriegerin
Deutsche offizielle Seite
PDF zu Kriegerin

Kriegerin

(Kriegerin, 2011)

Dt.Start: 19. Januar 2012 Premiere: 28. Juni 2011 (Filmfest München)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 100 min Land: Deutschland
Darsteller: Alina Levshin (Marisa), Jella Haase (Svenja), Sayed Ahmad (Rasul), Gerdy Zint (Sandro), Lukas Steltner (Markus), Uwe Preuss (Oliver), Winnie Böwe (Andrea), Rosa Enskat (Bea), Haymon Maria Buttinger (Clemens)
Regie: David Wnendt
Drehbuch: David Wnendt


Inhalt

Marisa ist Anfang 20 und äußerst aktiv in der Neonazi-Szene. So aktiv und aggressiv, dass sie nicht davor zurück schreckt, jedem, der ihr dumm kommt, "auf die Fresse zu hauen". Sie hasst Ausländer ebenso wie Politiker und den ganzen Kapitalismus. Nicht zu vergessen die Polizei, welche dies alles repräsentiert und schützt. Als jedoch eines Sommers die 15-jährige Svenja in ihrer Gruppe auftaucht und ein afghanischer Flüchtling gerade in ihrem Badesee schwimmen geht, läuft so einiges gewaltig aus dem Ruder.
Shopping-Box
DVDs zu Kriegerin Amazon-Shop
zum Film
Merchandising zu Kriegerin Poster & Merchandise
zum Film
Kriegerin bei eBay Artikel bei eBay
zum Film
Kriegerin bei Billiger.de Preisvergleich
für den Film

Durchschnittliche Redaktionswertung

Kriegerin hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 60%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Kriegerin hat eine Wertung von 60%
Faschismus und Nationalsozialismus sind und waren nie einzig ein deutsches Phänomen. Die schreckliche Qualität des Grauens in der Zeit des NS-Regimes macht es aber gerade hierzulande nötig, ganz besonders genau hinzuschauen. David Wnendt hatte dies mit seinem Debütfilm auch vor. Marisa, eine junge Frau in der ostdeutschen Provinz, ist glühende Anhängerin der braunen Ideologie. Gefangen in einer Welt aus Hass und Gewalt sucht sie voller Pessimismus ihren Platz im Leben. Überraschend wuchtig und darum bemüht, Klischees zu vermeiden, zeigt sich Kriegerin zu Beginn, verfällt letztendlich aber in Schematismus und einen zu konstruierten Läuterungsansatz.

Bild aus Kriegerin Zuweilen ist es überaus erschreckend, mitanzusehen, wie die Realität die Welt des Films einholt. Der Debütfilm Kriegerin von David Wnendt erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die in einer Spirale aus Frustration, Wut und Gewalt gefangen ist. So etwas wie ein Selbstwertgefühl, sowie Liebe und Zuneigung erfährt Marisa (Alina Levshin) nur durch ihre nationale Gesinnung und von Ihresgleichen. Offen bekennt sie sich zu ihrer Ideologie. Nazibraut prangt groß auf ihrem T-Shirt, und sie möchte sich Tattoos mit den Portraits von Adolf Hitler und ihrem Großvater stechen zu lassen, der ihr die Vergangenheit aus seiner ganz speziellen Sicht näher bringt.

Gleich zu Beginn versucht Wnendt, eine neue Qualität in der Betrachtung des Neo-Nationalsozialismus einfließen zu lassen. Die primären Lebensumstände mögen immer noch wie bei jedweder Form von Terror ausschlaggebend sein, ein massives Geschichtsunverständnis, eine Verklärung dieser unseligen Zeit und des NS-Regimes spielen allerdings eine nicht zu unterschätzende Rolle: Von ihrem Großvater Franz (Klaus Manchen), ein Altnazi, bekommt Marisa die Fürsorge, Anerkennung und das Verständnis, das sie sich von ihren Eltern gewünscht hätte (Kriegerin nennt er sie immer liebevoll). Er erzählt ihr auch von der "jüdischen Weltverschwörung" und pflanzt Vorstellungen von einer (vergangenen) besseren Epoche in ihren Kopf.

Kriegerin richtet das Augenmerk im Versuch die Ausgangslage zu erfassen zunächst nicht auf die üblichen Motive. Bomberjacken und Springerstiefel dominieren nicht, dennoch wirken die Bilder des dargebotenen Milieus mit dem Voranschreiten der Handlung immer vertrauter. Die Wahl des Ortes, an dem sich die Geschichte ansiedelt, mag daher auch wenig verwundern: Marisa lebt in einer wenig entwickelten, ostdeutschen Kleinstadt. Die Perspektivarmut ist somit Programm. Es scheint ebenfalls wie eine Zwangsläufigkeit, dass die Mittel, um in dieser Welt zu überleben, Hass und Gewalt sind. Hass auf alles und jeden - vor allem Politiker, Ausländer, Kapitalisten und auch die eigenen Eltern -, dem man bequem die Verantwortung für das eigene Scheitern im Leben geben kann und blanke Gewalt, um die angestaute Frustration loszuwerden.

Ganz bewusst wurde eine Frau als zentrale Figur gewählt, um diese Story zu erzählen und die Mechanismen aufzuzeigen, die dazu beitragen, dass sich Marisa bei Skinheads verstanden fühlt, mit ihnen säuft und gemeinsam mit ihnen auf andere einprügelt. Es scheint leicht, zu hassen, solange das Feindbild nicht mehr als eine imaginäre Vorstellung ist. Fast unausweichlich ist allerdings auch die Läuterung darin verpackt und wirkt, in der Form transportiert, allzu gewollt. Zu sehr wurde sich bemüht, aufzuzeigen, dass es kein unverrückbares Schicksal ist und dass es immer auch einen Weg heraus gibt. So bestrebt sich Wnendt, Klischees zu vermeiden, doch scheint die Botschaft, dass das Kennenlernen des Fremden hilft, die Vorbehalte und den Hass abzubauen, allzu simpel und konstruiert - wenn auch durchaus wünschenswert. Überdies raubt das Saulus-zu-Paulus-Motiv dem Film viel von seiner anfänglichen, schonungslosen Wucht.

In Zeiten, in denen die Debatte um Terror von Rechts derart aktiv ist, wie seit Langem nicht mehr, sind Beiträge wie Kriegerin besonders wünschenswert. Solange sie aber immer wieder letztendlich auf Stereotypen zurückgreifen, fördern sie insgesamt zu wenig erschöpfend Neues zutage. Kriegerin beeindruckt zwar durch eine stark aufspielende Alina Levshin und müht sich um andere Perspektiven, darunter auch jene, um den kleinen alltäglichen Rassismus kenntlich zu machen. Im Großen stolpert der Film jedoch augenscheinlich über zu hoch gesteckte Ziele und fällt letztendlich auf altbekannte erzählerische Schemata sowie plakative Motive zurück. Hier wäre etwas mehr Mut in der Inszenierung wünschenswert gewesen.



Weitere interessante Filme




Film vorschlagen
American History X
Dt. Start: 25. Feb 1999
Vorschlag entfernen
 
 
 
 

 

© 2012 MovieMaze.de