Eine Wohnsiedlung im Norden Wiens dient als Schauplatz für drei miteinander verwobene, deprimierende "Liebesgeschichten". Dieses Konzept wirkt nicht unbedingt innovativ, wurde aber handwerklich überzeugend und interessant umgesetzt. So bleibt Antares trotz einiger deutlicher Schwächen über die komplette Spielzeit unterhaltsam, verpasst es jedoch, eine tiefgreifende Botschaft zu vermitteln und so dauerhaft im Gedächtnis des Zuschauers zu verweilen.
Österreichische Filmemacher scheinen einen Hang zu depressiven Filmen mit ausgeprägter, teilweise geradezu zwanghaft omnipräsenter Tristesse zu haben. Götz Spielmanns Antares ist ein Beleg dafür. Freunden der Werke von Ulrich Seidl (Hundstage), Michael Haneke (Das weiße Band) und Co. wird dies schon in den ersten Minuten auffallen. Doch ungeachtet dieser (scheinbaren) Eigenheit des österreichischen Kinos, ist die visuelle Gestaltung und somit die triste Atmosphäre durchaus stimmig mit der Handlung.
Spielmann konzentriert sich in seinem Sozialdrama auf recht unterschiedliche Menschen, die in einem Wiener Wohnblock in fast baugleichen Wohnungen leben. Auf dieser Basis werden Geschichten rund um die Liebe, beziehungsweise die unglückliche Suche nach ihr, aufgebaut. Qualitativ nehmen sich die Episoden nicht viel. Alles in allem sind sie gelungen, aber schaffen es nicht, den Zuschauer zu bewegen. Dies liegt unter anderem an der Gleichgültigkeit gegenüber den Figuren, die sich recht bald beim Rezipienten einstellt. Klassische Sympathieträger gibt es nicht; interessant sind sie aber dennoch, auch wenn die Charaktere teilweise ein wenig zu klischeehaft nach altbekannten Mustern gezeichnet wurden. Dass der Funke nicht so recht überspringen will, liegt hauptsächlich an einer kaum überwindbaren Distanz zu eben diesen Figuren. Es ist zweifellos interessant, Zeuge ihrer Schicksale zu werden, doch im gleichen Moment fällt es schwer, mit ihnen zu fühlen, weil sie entweder dumm, asozial oder langweilig sind.
Die einzelnen Episoden sind durchaus geschickt miteinander verknüpft und funktionieren auch problemlos ohne Logiklöcher oder Handlungssprünge als zusammenhängende Geschichte. Mehrfach wurde der Vergleich zu Alejandro Gonzalez Inarritus großartigem Amores Perros bemüht, was im Wesentlichen daran liegt, dass die drei Episoden in Antares ebenfalls durch einen Autounfall zusammengehalten werden. Allerdings soll Spielmann an dieser Stelle nicht vorgeworfen werden, von dem mexikanischen Regisseur abgekupfert zu haben, schließlich bietet sich ein Autounfall nun einmal ausgesprochen gut an, um Schicksale zu verknüpfen, wobei es sicherlich auch noch hunderte andere Möglichkeiten gegeben hätte. Ob die Parallele zu Inarritus Film zufällig oder beabsichtigt war, ist nicht entscheidend, denn die Geschichten gehen komplett unterschiedliche Wege.
Besonders diskutiert, wobei wahrscheinlich nicht halb so sehr wie wohl von den Machern vermutet oder erwünscht, wurden die expliziten Sexszenen der ersten Episode. Freizügig sind sie sicherlich, spektakulär eher nicht. Die Szenen, die Spielmann dem Zuschauer hier präsentiert, erinnern unweigerlich an Intimacy, ohne jedoch dessen Intensität oder tragende Bedeutung der Szenen für die Geschichte zu erreichen.
Antares war sogar als österreichischer Kandidat in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" bei der Oscar-Verleihung 2004 im Rennen, ging aber erwartungsgemäß leer aus. Alles in allem ist der Film ein durchaus stimmiges Episodendrama geworden, das gut unterhält, aber wenig beeindruckt.