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Visitor Q

(Bijitâ Q, 2001)

Dt.Start: 06. September 2001
DVD: 18. März 2011
Premiere: 17. März 2001 (Japan)
FSK: ab 18 Genre: Komödie, Drama, Thriller
Länge: 84 min Land: Japan
Darsteller: Ken'ichi Endo (Kiyoshi Yamazaki / Vater), Shungiku Uchida (Keiko Yamazaki / Mutter), Kazushi Watanabe (Besucher), Jun Muto (Takuya Yamazaki / Sohn), Fujiko (Miki Yamazaki / Tochter), Shoko Nakahara (Asako Murata), Ikko Suzuki (Sasaoka)
Regie: Takashi Miike
Drehbuch: Itaru Era


Inhalt

Eine Tochter, die auf den Strich geht. Ein Vater, der ihr Freier ist. Ein Sohn, der seine Mutter verprügelt. Eine Mutter, die Drogen nimmt. Das Ganze wird für eine Dokumentation vom Vater gefilmt. Gesteigert wird diese Perversion, als eines Tages ein Mann in die Wohnung dieser japanischen Familie eindringt. Wird es dem Fremden gelingen, diese groteske Konstellation wieder in eine gesunde Struktur zurückzuführen?
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Visitor Q hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 46%
Kurzkritik
von Daniel Licha
Wertung von 15 für Visitor Q

Miikes selbstverliebte Orgie beginnt durchaus interessant und hat einige nette inszenatorische Spielereien zu bieten, jedoch lässt Miike nach der Hälfte wie üblich die Sau raus, eine heftige Szene auf die nächste folgen und zerstört damit seinen bis dato durchaus ordentlichen Film. Dabei geht er einmal mehr über alle bislang gezeigten Grenzen und übertrifft dabei sogar noch seine Supergurke Ichi the Killer um Längen. Wie schon erwähnt hat der Film wenigstens zu Beginn ein paar gute Szenen und hat ab und an doch einige unfreiwillig komische Momente zu bieten, aber über weite Strecken ist der Film leider nicht mehr als eine Aneinanderreihung von perversen Szenen mit der der Kultregisseur einmal mehr nichts weiter möchte als zu provozieren.

Kritik

von Markus Müller
Visitor Q hat eine Wertung von 77%
Visitor Q strotzt geradezu vor absurden Ideen und Szenen, die man getrost als pervers bezeichnen kann. Ein Tabubruch jagt den nächsten, und unweigerlich entsteht so auch immer wieder die ein oder andere amüsante Situation. Dass das ganze trotz eines minimalen Budgets in jeder Hinsicht sowohl technisch, als auch darstellerisch durchgehend überzeugt, ist sicherlich nicht zuletzt der Verdienst Takashi Miikes. Insgesamt entstand ein Film, der sich nur schwer mit anderen vergleichen und einordnen lässt, der aber hochinteressant ist und unumstritten eine unvergessliche Seherfahrung darstellt, auch wenn ihn die meisten Zuschauer wahrscheinlich enorm abstoßend finden werden.

Bild aus Visitor Q Takashi Miike ist einer der produktivsten Regisseure überhaupt, wobei er besonders vielseitig ist und sich nie auf nur ein Genre beschränkt. Visitor Q entstand 2001, im gleichen Jahr wie sein berühmt berüchtigter Killer-Thriller Ichi - The Killer. Der komplett mit einer Handkamera gedrehte Film entstand im Rahmen der sogenannten "Love Cinema"-Reihe. Dabei handelt es sich um Direct-to-Video-Produktionen japanischer Regisseure. In den Jahren 2000 und 2001 entstanden sechs Filme, von denen Miikes Beitrag der letze ist. Das Budget war dabei extrem gering und betrug nicht ganz eine halbe Millionen Euro für alle sechs Filme zusammen, wobei jeder Filmemacher den gleichen Betrag zugesprochen bekam. Die einzige inhaltliche Vorgabe für die Filme war das Grundthema "Reine Liebe".

Lob und Anerkennung hat Visitor Q allein schon dadurch verdient, dass er zu den geistesgestörtesten Filmen gehört, die je ihren Weg in den freien Handel gefunden haben. Für vier von fünf Zuschauern dürfte er unerträglich sein und viele werden ihn nicht bis zum Ende durchhalten. Verübeln kann man das niemandem, denn Miike hat sich wirklich Mühe gegeben, mit Sehgewohnheiten zu brechen und eine widerwärtige Szene an die nächste zu reihen, wobei sich der Film in diesem Punkt kontinuierlich steigert. Garniert ist das Ganze mit einer Prise Humor und natürlich einem gewissen (möglicherweise unfreiwilligen) Witz, der aus der Absurdität einzelner Szenen resultiert. Eines schafft Visitor Q aber in jedem Fall: Er stellt eine nahezu unvergleichbare Seherfahrung dar und ist definitiv eine Abwechslung zum "Filmalltag".

Trotz automatisch auftauchender Erklärungsversuche hinsichtlich hervorgebrachter Sozialkritik oder Satire muss man am Ende ehrlicherweise zugeben, dass nicht ganz klar ist, zu welcher Erkenntnis der Film verhelfen soll. Der medienkritische Aspekt ist sicherlich eingängig und sowohl sinnvoll, als auch nach wie vor aktuell. Im Bezug auf Aussagen zur Familie und zwischenmenschliche Beziehungen ist dies dann schon schwieriger. Aggression und Demütigung innerhalb einer Familie sind sicherlich realistische Themen. Miikes Schilderung verschiedener Extremsituationen ist plausibel, dies jedoch als Sozialkritik zu bezeichnen, verfehlt ein wenig das Ziel. Letztlich sind Familien, in denen die ausgezogene Tochter als Prostituierte arbeitet und den eigenen Vater, einen erfolglosen Fernsehreporter, der seine Karriere durch Filmaufnahmen des von Mitschülern gedemütigten Sohnes retten will und einen Hang zur Nekrophilie hat, verführt, ebenso wenig alltäglich, wie die heroinabhängige, hinkende Mutter, die von ihrem Sohn mit Teppichklopfern verprügelt wird und sich ihre Sucht ebenfalls durch Prostitution finanziert. Nicht weniger ungewöhnlich ist ein Fremder, der dem Vater Steine über den Kopf schlägt, dann bei dessen Familie einzieht, die Mutter melkt (!) und so die Familie wieder zusammenführt. Sicherlich ist diese Kombination eher ungewöhnlich und in dieser Form nicht zwangsläufig typisch für Probleme, die sich durch die Gesellschaft ziehen. Sozialkritisch im eigentlichen Sinne ist Miikes Film also eher weniger. Aber da es sicherlich nicht Miikes Absicht war, Alltägliches zu zeigen, sondern das Gesamtwerk durch die stark überzeichneten Charaktere eher surreal und fast schon comic-haft wirken zu lassen, muss in den Film auch nicht unbedingt krampfhaft ein sozialkritischer Anspruch hineininterpretiert werden.

Insgesamt ist Visitor Q ein sehr interessantes, wenn auch widerwärtiges Experiment, das allen, die sich für den "etwas anderen Film" interessieren oder sich neue Formen dieses Mediums erschließen wollen, empfohlen werden kann. Wer sich lieber leicht unterhalten lässt und Probleme mit sehr heftigen Bildern hat, macht besser einen großen Bogen.



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