Wie weit geht ein Ex-Schmuggler, um seine Frau und seine Kinder zu schützen? Wie bekommt man auf die Schnelle genügend Kohle, um den Schwager von der Abschussliste von bösen Jungs zu bekommen? Wie schmuggelt man einen Ferrari? Warum muss man einem Film frühzeitig einen guten Teil der Spannung nehmen? Nur die letzte Frage lässt Regisseur Baltasar Kormakur unbeantwortet. Ansonsten bekommt der Actionfan seine tägliche Dosis.
Worum geht es in Contraband? Eine berechtigte Frage, denn der Trailer führt den Zuschauer hier etwas in die Irre. Ein Blick ins Lexikon fördert Folgendes zu Tage:
Contraband {Subst.}: Schmuggelware {f}; verbotene Waren {f Pl}; Bannware{f}
Chris Farraday und sein Kumpel Sebastian Abney waren erfolgreiche Schmuggler, die auch unmögliche Dinge am Zoll vorbei in die USA eingeführt haben. Ehrlich geworden, betreibt Chris in New Orleans eine Firma für Sicherheitsanlagen, als er erfährt, dass sein Schwager Andy sich auf einen Rauschgiftschmuggel eingelassen hat. Andy musste wegen einer Zollkontrolle das Rauschgift im Wert von 1 Million Dollar vernichten und hat nun seine unzufriedenen Auftraggeber im Genick. Das ungeschriebenes Gesetzt lautet: Die Familie haftet mit, wenn einer was verbockt. Chris muss das Geld auftreiben, um Andy aus seiner Verpflichtung rauskaufen zu können und um zu verhindern, dass der Drogenboss nicht nur Andy, sondern auch an ihm selbst und seiner Familie körperlichen Regress nimmt. Chris heuert zusammen mit Andy auf einem Containerfrachter für eine Reise nach Panama an. Er will zwar nicht in sein altes Leben zurück, aber um die Million aufzutreiben bleibt keine Wahl, als eine Wagenladung Falschgeld zu schmuggeln. Neben einem misstrauischen und Sauberkeit liebenden Captain Camps muss sich Chris auch mit den örtlichen panamesischen Gangstern auseinandersetzen, die für Chris noch andere Pläne haben und den Zeitplan so sehr in Schieflage bringen, dass die Costa Concordia daneben als auf ebenem Kiel liegend erscheint. In New Orleans wird währenddesse, um den Druck zu erhöhen, Kate, die Frau von Chris, zunehmend bedroht.
Während der Trailer zentral die Geschichte erzählt, wie Chris seine Familie schützt und verteidigt, geht es in dem Film im Schwerpunkt um den Schmuggel, mit dem Chris die "Schulden" von Andy zu zahlen hofft. Nachdem die Geldbeschaffungsaktion sich schwieriger gestaltet als erwartet, Chris vor immer neuen Problemen steht, zieht der Film den Zuschauer schnell in seinen Bann. Zwar mag das Problemgebirge, das sich vor Chris auftürmt, beim Darüber-Nachdenken etwas konstruiert erscheinen, das tut der sich aufbauenden Spannung keinen Abbruch. Der Film läuft in den ersten Akten rund und souverän. Aber dann hat Regisseur Kormakur, der in Reykjavik-Rotterdam: Tödliche Lieferung, der Vorlage für den vorliegenden Film, unter anderem die Hauptrolle gespielt hat, die missglückte Idee, dem Zuschauer zu offenbaren, wer der Hintermann und der Hintermann des Hintermanns ist. Damit wird einfach zu viel Suspense-Spannung abgelassen. Vieles im letzten Akt wird damit berechenbar. Schade, hier hätte der Regisseur seinen Film über die Masse heben können, eine Chance, die er leider verpasst.
Von den Schauspielern und ihren Leistungen sind nur 2 erwähnenswert. Giovanni Ribisi als Gangster Tim Briggs spielt großartig authentisch. Von ihm kann man nicht genug sehen. Und auch J.K. Simmons (bekannt als J. Jonah Jameson, der Publisher des "Daily Bugle" in der Spider-Man-Triologie) ist jede Sekunde seiner Screentime wert. Einfach groß ist sein Auftritt in Doppelripp. Der Rest des Cast ist eher mau, Wahlberg, Foster und Beckinsale eher überbezahlte Namen auf dem Plakat des Films. Dass Kormakur viele Szenen mit nach etwas wackeliger, schnell schwenkender Handkamera aussehender Optik drehen lässt, macht diese Szene mitunter zunehmend anstrengend für den Zuschauer.
Wer keine großen Sprünge erwartet, wird an Contraband seinen Spaß haben. Der Film wird insbesondere auf DVD sicher seinen Umsatz machen.