Ein weiterer Film über die Liebe, das Leben und das Sterben. Dabei ist es immer besonders tragisch, wenn ganz junge Menschen die Betroffenen sind. In Das Leben gehört uns ist es Adam, der Sohn von Roméo und Juliette, die sich fanden und deren Liebe in märchenhaften Bildern zelebriert wird. Tragisch-komisch changiert der Film zwischen Drama und Komödie, weißt darüber hinaus auch Elemente von Dokumentation oder Videoclip auf, was zuweilen irritiert. Das alles tritt aber aufgrund der überzeugenden Leistung der Protagonisten und der berührenden Geschichte überwiegend in den Hintergrund. Was bleibt, ist ein positivistisch und lebensbejahend geprägter Film, der sicher keine Zeitverschwendung ist.
Wenn sich ein Paar in (unsterblicher) Liebe findet, dass Roméo und Juliette heißt - so wie in Shakespeares weltberühmten Drama -, dann darf sich zurecht gefragt werden, was für einen tragischen Fortgang die Geschichte wohl noch nehmen wird. Das Filmemacher- und Autorenpaar, Jérémie Elkaim und Valérie Donzelli (ehemals auch im wirklichen Leben ein Paar) übernahm in Das Leben gehört uns zugleich die Regie wie die beiden Hauptrollen und verarbeitete in dem stark autobiografisch geprägten Film das eigene Schicksal.
Zu Beginn ist das Glück grenzenlos und vollkommen. Ganz Paris liegt den beiden Liebenden zu Füssen, was sich in wundervollen, poetisch verklärten Bildern widerspiegelt. Diese Liebe wird durch die Geburt ihres gemeinsamen Kindes Adam (César Desseix/Gabriel Elkaim) gekrönt. Die Familienidylle hält allerdings nicht lange. Mit Adam scheint etwas nicht in Ordnung zu sein. Er kränkelt oft und wirkt auch in seiner Entwicklung verzögert. Auf die Diagnose einer halbseitigen Gesichtslähmung folgen verschiedene Untersuchungen, bis schließlich ein Neurologe entdeckt, dass der Junge einen rasch wachsenden Tumor im Kopf hat, der schnellstmöglich operativ entfernt werden sollte.
Die Leichtigkeit, mit der das überquellende Liebesglück anfänglich in Szene gesetzt wurde, bricht hier nicht abrupt ab. Vielmehr gesellt sich eine weitere elementare Facette des Lebens hinzu, wenn auch eine überaus schmerzvolle. Das Paar widmet sich nun dem Kampf um das Leben ihres Sohnes mit der gleichen Hingabe, mit der sie zuvor ihre Liebe lebten. Bewusst betonten Donzelli und Elkaim die tragisch-komische Seite. Der Rhythmus, mit dem der Film zwischen den beiden Extremen pendelt, erscheint dabei aber nicht immer optimal. Problematisch wird das Ganze auch durch eine Vielzahl (miteinander konkurrierender) Stilmittel, sowohl optisch als auch musikalischer Natur. Das reicht bis zu Einlagen, die an fetzige Videoclips erinnern - und einfach irritierend wirken.
Die ausgesprochene Stärke des Films ist es aber, dass er aus der großen Tragik keine tränenreiche Plattitüde bastelt. Darin und in seiner prinzipiellen Lebensbejahung erinnert Das Leben gehört uns, wenn sich die beiden Filme sonst auch inszenatorisch ordentlich unterscheiden, an Oskar und die Dame in rosa. In letzterem stand allerdings das Schicksal des kranken Jungen absolut im Mittelpunkt, wohingegen jetzt der Fokus mehr auf dem Paar ruht. Dabei spannt sich der Handlungsbogen einem atemlosen Wettlauf gleich, während dem sich jedoch früher oder später zwangsläufig bewahrheitet, dass das Paar mit dem Tempo nicht wird mithalten können.
Aus eben diesem Spannungsmoment gewinnt Das Leben gehört uns allerdings auch seine besondere Intensität. Wie bei einem gedehnten Gummiband bringt die Zerreißprobe das Paar immer wieder auf Entfernung, um dann wieder zurückzuschnellen und sie wieder zusammenzuführen. Und wenn auch final die Belastungsgrenze überschritten werden mag, bleibt dennoch genug Positives erhalten, um wieder Hoffnung schöpfen zu können. Dass der Film diese Erkenntnis vorweg nimmt, da die Geschichte als Rückblende erzählt wird, schmälert die Qualität wenig. Dahingehend wirken sich Elemente wie die Off-Stimme, die mal männlich, mal weiblich ist, und leichte audiovisuelle Konfusion deutlich negativer aus. Den beiden absolut authentisch agierenden Hauptdarstellern gelingt es aber, auch dies weitestgehend in den Hintergrund treten zu lassen.