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Film-Seite zu Führer Ex
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Führer Ex

(Führer Ex, 2002)

Dt.Start: 05. Dezember 2002 Premiere: 31. August 2002 (Venice Film Festival, Italien)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 107 min Land: Deutschland
Darsteller: Christian Blümel (Heiko Degener), Aaron Tristan Hildebrand (Tommy Zierer), Jule Flierl (Beate), Luci van Org (Elisabeth Degener), Harry Baer (Friedhelm Kaltenbach), Dieter Laser (Eduard Kellermann), Jürgen Lingmann (Hagen), Henning Peker (Bonzo), Mathias Freihof (Stasi-Offizier), Dennis Grabosch (Olaf), Max Richter (Psycho)
Regie: Winfried Bonengel
Drehbuch: Winfried Bonengel, Ingo Hasselbach, Douglas Graham


Inhalt

Die zwei besten Freunde Heiko und Tommy fristen ein trauriges Dasein in der DDR der 80-er Jahre. Zusammen beschließen sie die Flucht nach Australien, doch als Tommy nach dem Beschluss übermutig eine Republiksflagge verbrennt, erwischt ihn die Volkspolizei. Während Tommy seine Strafe absitzt, lernt der ruhige Heiko die impulsive Beate kennen. Seine Freiheit wiedererlangt überzeugt Tommy seinen Freund die Flucht endlich Wirklichkeit werden zu lassen. Doch ihr Versuch scheitert und so landen beide in der härtesten Strafvollzugsanstalt der DDR. Dort werden Zeit und Gefängnishärte zu ihrer schwersten Probe, die sie merklich verändert.
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Kritik

Führer Ex hat eine Wertung von 57%
Beim Versuch aus der DDR zu fliehen landen die beiden Freunde Heiko und Tommy in der härtesten Strafvollzugsanstalt des Landes.

Bild aus Führer Ex Als Frédéric Beigbeder einmal auf einer Lesung in Köln sagte, französische Bestseller seien antikapitalistisch und gesellschaftskritisch während es dem deutschen Markt eher nach Werken zum Nationalsozialismus dürstet, hatte er nicht so ganz unrecht. Sein Werk, das hierzulande nicht im Ansatz so erfolgreich war wie in dessen Heimat, hatte exakt den Nerv des nach kapitalismusvernichtenden Romanen dürstenden französischen Volkes getroffen. In Deutschland sorgte dagegen Guido Knopp für Beachtung mit seinen Dokumentationen zum Dritten Reich.

Mit Führer Ex kommt nun ein Film in die Kinos, der auf gewisse Art und Weise gleich beide Bedürfnisse anspricht: Kommunismus und Nationalismus. Schauplatz ist die DDR, 1986. Heiko und Tommy, beste Freunde, sind 18 Jahre alt, suchen nach Abenteuern und Spaß und sind doch gefangen in ihrem eigenen Elend. Später einmal soll Tommy seinem Freund Heiko davon berichten, wie's im Gefängnis war: "Na wie überall in der DDR, nur noch ein bisschen enger." Nichts ist los im kommunistischen Deutschland der Mittachtziger. Heiko und Tommy sehen die ständig gleichen Gesichter und werden in ihren Trieben nach Unabhängigkeit und Abenteuer durch die strengen Auflagen des Regimes eingeschränkt. Für Tommy, dem Unzufriedeneren von beiden, gibt es nur eine Lösung: die Flucht ins kapitalistische Ausland. Sein Ziel ist Australien. Doch eine Unvorsichtigkeit beschert ihm eine kleinere Haftstrafe, die ihn grundlegend verändert, denn im Gefängnis hat ihm ein gewisser Friedhelm den Kopf verdreht: er negiert die Nazi-Geschichte und glorifiziert deren Überzeugung. Obwohl Heiko die Veränderung wundert und nicht gutheißen kann, bleibt er seinem besten Freund treu - und so versuchen die beiden endgültig das Land zu verlassen. Das Wagnis ist groß: fast 1000 Menschen sind zu Zeiten der DDR bei Fluchtversuchen gestorben, mehrere tausend Versuche wurden jedes Jahr vereitelt. So landen auch sie in der Strafvollzugsanstalt. Dort erwartet sie eine völlig andere Realität, eine beklemmende Feindlichkeit unter den Gefangenen und eine irreführende Geborgenheit durch die falschen Leute. Eines Tages steht Tommy vor einer schwerwiegenden Entscheidung, die zur Folge hat, dass er allmählich wieder klar sieht, doch zu dem Preis, dass Heiko Geborgenheit in den Armen der Nazi-Getreuen findet. Tommy gelingt es aus dem Gefängnis zu fliehen und sieht erst Jahre später seinen besten Freund wieder. Aus Heiko ist aber mittlerweile ein bedeutender Funktionär der DNP (Deutsche Nationale Partei) geworden und so wird ihre Freundschaft auf die härteste Probe gestellt.

Interessanter Stoff wird hier verarbeitet, die Schauspieler geben sich größte Mühe und auch die Dekors spiegeln möglichst naturgetreu die DDR der 80-er wieder. Dennoch wird man die ganze Zeit durch das unsichtbare Siegel "Made in Germany", das in fast jeder Szene durchschimmert, beim Filmgenuss gestört. Schwächen weist nicht nur die Umsetzung des Drehbuches auf, das den hochbrisanten und -interessanten Stoff mehr oder weniger durch unschöne träge und schleppende Szenen verunstaltet, sondern auch viele scheinbar zusammenhangslose Details in die Geschichte zu integrieren versucht. Dabei geht die Aufmerksamkeit wesentlichen Dingen gegenüber verloren und verliert sich in Nebenelementen, die die Story nicht sonderlich avancieren und auch Zusammenhänge nicht besonders gut ausbilden können. Traurig bemerkbar macht sich die hier falsche Gewichtung vor allem bei 'interessanten Nebensächlichkeiten', die quasi unter den Tisch fallen und doch gute Ansatzpunkte für mehr Tiefgang gewesen wären. Die Leistungen der beiden Hauptdarsteller ist bemerkenswert. Speziell Christian Blümel in der Rolle des leicht introvertierten und später wortstarken Nazis Heiko zeigt sich ausdrucksstark und theatralisch in bester Form. Auch Aaron Hildegard weiß seiner Figur gekonnt Leben einzuhauchen, diesen draufgängerischen, aber gefühlsvollen Tommy Wirklichkeit werden zu lassen. Auch die anderen Rollen, die schauspielerisches Talent verlangen, sind durchaus gut besetzt, etwa die von Eduard Kellermann, dem Zellengenossen von Heiko. Dieser wird gespielt von Dieter Laser, der bereits mit Größen wie Volker Schlöndorff und Armin Müller-Stahl arbeiten durfte. Derzeit ist er als perverser Pornograf in Große Mädchen weinen nicht zu sehen. Weniger bedacht wurden Statisten- und andere kleinere Rollen besetzt. Patzig bis frevelhaft muss man da die Leistungen nennen, die an den Tag gelegt werden. Auch dadurch wird an vielen Stellen der Filmgenuss getrübt. Kameraführung und Licht sind hingegen durchaus gelungen, auch wenn nicht immer alles aus einem Guss wirkt und schon mal das Gefühl von Unbeständigkeit und Unbeholfenheit vermittelt wird. Auch wenn immer wieder größte Mühen bemerkbar werden, so reicht Führer Ex in keinerlei Weise an den deutschen Überraschungsfilm des Jahres Fickende Fische heran.

Dennoch mag für Aficionados des deutschen Kinos, Fans solcher Geschichten und diejenigen, die einfach nur mal wieder etwas "Echtes" im Kino sehen wollen, Führer Ex die richtige Wahl sein. Auch wenn es nicht unbedingt erste Wahl ist, so lohnt es sich doch auf jeden Fall.

von Sylvère Störmann


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