Mit Good Morning, Vietnam zeigt Regisseur Barry Levinson eindrucksvoll, wie man Drama und Komödie erfolgreich miteinander zu einem stimmigen Gesamtwerk vermischt. Hauptdarsteller Robin Williams tut sein Übriges, um Good Morning, Vietnam zu einem gelungenen Antikriegsfilm werden zu lassen.
Der militaristische Konflikt im asiatischen Vietnam gehört mit Sicherheit in die Top 10 der geschichtlichen Anlässe, die in Hollywood filmisch immer wieder aufgegriffen werden. Neben allerlei guten oder weniger guten Kriegsfilmen, sind es besonders die Antikriegsfilme von Francis Ford Coppolas Apocalypse Now!, über Robert Altmans M.A.S.H. bis zum vorliegenden Good Morning, Vietnam, die zu Klassikern der Filmgeschichte mutiert sind.
Dass der Film von Barry Levinson nicht ins Muster anderer (Anti-)Kriegsfilme passt, zeigt sich bereits am Anfang. Anstatt mit dem üblichen Mittel der Wahl, dem Special-Effekt-Holzhammer, zu beginnen, entschied sich Levinson dafür, alle seine Charaktere um Sympathieträger Robin Williams langsam und ruhig in den Film einzuführen.
Zunächst könnte man während dieser Einführungsphase den Eindruck bekommen, Levinson lässt seinen Film eine ähnliche Richtung einschlagen wie Robert Altman es mit M.A.S.H. getan hat. Allerdings prangert Levinson die in Vietnam herrschenden Kriegszustände deutlich gefühlvoller an als sein Kollege Altman dies tat. Denn hier werden Brutalität des Krieges und Brechstangenhumor nicht einfach verbunden. Die wenigen Kriegsszenen in Good Morning, Vietnam sind stets der Handlung unterworfen und schockieren daher jedes Mal tatsächlich.
Die Musikauswahl aus 60er-Jahre-Hits tut ihr Übriges, um die gewünschte Stimmung zu transportieren. Allein die Szene, die lautlosen Kriegshandlungen zu der gefühlvollen Stimme von Louis Armstrong zeigt, ist zurecht eine der besten (und mittlerweile viel zu oft zitierten) Filmszenen der Welt. Wer nun einwenden möchte, dass What a Wonderful World erst zwei Jahre nach dem Zeitpunkt der Handlung aufgenommen wurde, hat natürlich vollkommen Recht, allerdings ist diese Szene so eindrucksvoll, dass man Barry Levinson diese Ungenauigkeit gerne verzeiht.
Dazu kommt natürlich der großartige Robin Williams, der sich auch hier in seiner Rolle als Adrian Cronauer wieder einmal als einer der besten Darsteller seiner Generation beweist. Kaum ein anderer Schauspieler könnte so mühelos und gleichzeitig so glaubwürdig zwischen betroffener Anteilnahme, hoffnungsloser Resignation und überdrehter guter Laune wechseln, wie er es hier tut.
Auch wenn seine Szenen als Radio-DJ dank seiner erstklassigen Entertainer-Qualitäten Good Morning, Vietnam erst zu dem Film machen, der er ist, sind es doch weit mehr die stillen Momente, die dem Film seine Glaubwürdigkeit verleihen. Gerade hier beweist Williams wieder einmal seine Klasse.
Aber auch wenn Williams den Film weitgehend allein bestreitet, gibt der restliche Cast, bis hin zur kleinsten Nebenrolle, ebenfalls alles. Doch Forest Whitaker muss man an dieser Stelle ein besonderes Kompliment machen. Denn es ist schon eine eindrucksvolle Leistung, dass er sich, in seiner Rolle als unsicherer Edward, die gesamte Laufzeit über gegen den vor Spielfreude übersprudelten Robin Williams behaupten kann.
Insgesamt ist Good Morning, Vietnam eine erstklassig gespielte als One-Man-Show des wieder einmal überragenden Robin Williams. Die ruhige, gefühlvolle Inszenierung von Barry Levinson und die wunderbare Musik tun ihr Übriges, um den Film zu einem der besten Antikriegsfilme zu machen, die es gibt. Einzig das unversöhnliche Ende verwehrt einem den vollständigen Filmgenuss, was in der Bewertung zu einem geringfügigen Abzug führt.