Zorn der Titanen hat eigentlich alle Elemente, die man von einem die griechische Mythologie behandelnden Sandalenfilm erwarten darf: Zyklopen, ein Minothaurus, eine Chimäre, griechische Galeeren, die Götter des Olymp, Krieger mit Lendenschurz und korinthischen Helmen, die Unterwelt und den Sandalen-tragenden Helden Perseus. Leider verhindert die dünne und zu gradlinige Story, dass aus der Fortsetzung zu Kampf der Titanen ein wirklich solider Genrefilm geworden ist. Teilweise scheint die Story nur die Überleitung zum nächsten Spezialeffekt liefern zu wollen, was dem Stoff nicht wirklich gerecht wird.
Perseus lebt seit seiner Bezwingung des Kraken zehn Jahre lang als Fischer mit seinem Sohn am Meer. Die Menschen sind der Götter überdrüssig geworden und beten diese nicht mehr an. Nachdem die Götter Teile ihrer göttlichen Macht aus der Anbetung durch die Menschen erhalten, hat der Wegfall der Gebete Folgen. Die Götter werden sterblich und sind durch den Schwund ihrer Kräfte nicht mehr in der Lage, die einst von ihnen in der Unterwelt eingesperrten Titanen in ihrem Gefängnis zu halten. Auch der Titan Kronos - Vater des Zeus und des Hades - droht freizukommen und die Welt zu zerstören.
Zeus bittet Perseus um Hilfe, was dieser zunächst ablehnt, da er seinen Sohn nicht allein lassen will. Erst als Zeus in der Unterwelt in Tartarus in Gefangenschaft gerät und Perseus vom sterbenden Neptun einen möglichen Weg zur Befreiung von Zeus aufgezeigt bekommt, entschließt er sich, wieder das Schwert zu ergreifen. Zusammen mit dem weiteren Halbgott Agenor, Sohn des Poseidon und der Königin Andromeda, macht sich Perseus auf den Weg nach Tartarus, um seinen Vater zu befreien und das Freikommen von Kronos zu verhindern. Wie bereits aus den Trailern bekannt, kommt Kronos frei und Perseus muss einen Weg finden, den Titan zu stoppen.
Die Trailer geben hier viel von der Story und den optischen Highlights preis. Das liegt auch daran, dass die Story sehr schlank daherkommt. Ohne Windungen oder Überraschungen wird die Geschichte heruntergespult, was dem Aufbau von Spannung nicht wirklich zuträglich ist. Und auch die "Huch, wir müssen auch etwas Romantik dabeihaben"-Lovestory ist so beiläufig und lieblos gestaltet, dass man sich diese auch hätte sparen können. In Kampf der Titanen knisterte es wenigstens noch etwas zwischen den Hauptcharakteren, hier springt zwischen Perseus und Andromeda definitiv kein Funke über und damit auch nicht zum Zuschauer.
Schade auch, dass es Zorn der Titanen nicht gelingt, die von der Story vorgegebenen Hürden mit dem Ansatz eines Spannungsbogens zu überwinden. So betreten beispielsweise die Helden das Labyrinth, das das göttliche Gefängnis Tartarus umgibt und schützt. Der Zuschauer erfährt mit den Helden, dass es nur einen Weg durch das sich stetig verändernde Labyrinth gibt und dass dieses vor Fallen und sonstigen Hindernissen strotzt. Es gibt eine Karte des Erbauers des Labyrinths und Agenor, den Seefahrer, der Kartenlesen kann. Aber irgendwie wirft Agenor die anscheinend nutzlose Karte fort und - Schwupps - einen Minotaurus später befinden sich die Helden, die dazwischen auch noch getrennt wurden, auf der anderen Seite des Labyrinths in Tartarus, ohne dass hierfür eine Erklärung angeboten wird. Perseus blutet, aber wenn ihn Ares der Kriegsgott mit dem Kopf durch einige griechische Säulen schiebt, schüttelt er sich nur kurz - bis es zur nächsten Säulenreihe geht - hier wie auch im Rest hält sich der Film nicht mit Erklärungen auf (kein Wunder aber, dass die griechischen Tempel heute alle in einem so schlechten Zustand sind).
Die Optik des Films ist in der 3D-Version stimmiger als im Vorgänger Kampf der Titanen, eine Schwelle, die nicht wirklich schwer zu nehmen war. Allerdings war teilweise der Kameramann derart von schnellen Fahrten und Schnitten begeistert, dass dem 3D-Zuschauer zwar nicht Hören, aber das Sehen vergeht. Eine derzeit um sich greifende allgemeine Krankheit im Filmschnitt. Etwas weniger wäre mehr gewesen.
Die Fabelwesen sind gekonnt umgesetzt. Die Chimäre ist toll und die Makhai-Lavawesen mit ihren zwei Rümpfen sind ebenfalls ein Traum jedes Tabletop-Rollenspielers. Allerdings sei bemerkt, dass die Trailer bereits einen Großteil der coolen Szenen enthalten, was allein schon viel über die Güte des Films aussagt. Was epische Schlachten angeht, waren beispielsweise Troja oder 300 wesentlich besser gemacht.
Wahrscheinlich wäre dem Film schon sehr geholfen, wenn er sich nicht so ernst nehmen würde. Etwas mehr Leichtigkeit und Humor hätten Wunder gewirkt. Ansätze sind in dem Charakter des Pegasus und in der Figur des Agenor zu erkennen, diese werden aber nicht umgesetzt.
So wirken die Figuren insgesamt sehr tönern und spröde, wo in Kampf der Titanen Hades noch furchteinflößend auf der Leinwand agierte, ist vorliegend davon nichts mehr zu spüren. Auch in seiner eigenen Unterwelt kann Hades dem Gott des Krieges nichts entgegensetzen und auch sein Gesinnungswandel ist nicht wirklich glaubwürdig. Das kann Mr. Fines besser. Liam "Zeus" Neesons Rolle ist leider ebenfalls schwach und Sam Worthington mit Dackelblick schauspielerisch nicht wirklich überragend. Lediglich Toby Kebbell hat mit Agenor einen interessanten Charakter - aber nicht genügend Screentime -, um diesem Leben einzuhauchen, und Bill Nighy ist klasse wie immer. Die Eule hat wieder einen Gastauftritt als statisches Objekt, was irgendwie skurril anmutet. In den analogen 1980er Jahren war die fliegende Blechdose ein Special Effekt und heute, 30 Jahre später, in einer Zeit, da die Hälfte der Wesen des Films aus dem Computer kommen, verzichtet man auf ein "Lebenszeichen" der Eule? Es wäre sicher interessant, mal beim Regisseur nachzufragen, warum er diesen Weg gewählt hat.
Was ist also Zorn der Titanen? Wenn man den Film als allein stehendes Werk betrachtet, ohne ihn mit anderen Genretiteln zu vergleichen, ist er ein mild unterhaltendes Filmchen mit einigen coolen Effekten. Interessant wäre es gewesen, wenn sich die Macher mal 2 Minuten Zeit im Film genommen hätten, für die Frage, ob - wenn Nichtbeten die Götter schwächt - nicht wilde Anbetung wieder zu einem Erstarken der Götter oder gar zu einer Wiedergeburt der Götter führen kann. Nachdem Perseus seinem Sohn Helius am Ende des Films sein Schwert überreicht, werden wir die Antwort hierauf vielleicht ein einem dritten Teil erfahren.