Eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen Alt und Jung, das ist keine neue Geschichte. Eine Freundschaft zwischen altem und jungem Künstler schon. Der alte Russe Nicolai Seroff ist Maler, John will einer werden. Seroff hat die Hoffnung in die Kunst verloren, John entdeckt seine Liebe zu ihr erst. Ein Film für alle (Lebens-)Künstler, Idealisten und hoffnungslosen Romantiker. Zwar ist die Story an einigen Stellen leicht kitschig. Doch die grandiose schauspielerische Leistung von Armin Müller-Stahl (Die Buddenbrooks) tröstet darüber hinweg.
Kann Kunst glücklich machen? Können Pinsel und Farbe die Schönheit in der Welt entdecken und abbilden lernen? George Gallos Film Die Farben des Herbstes sucht Antworten auf diese Fragen. Das Nachwuchstalent John, gespielt von Trevor Morgan (Brotherhood) will "eine Spur im Leben hinterlassen". In jeder Landschaft sieht er ein Bild. Nur weiß er nicht, wie er das Gesehene überzeugend auf die Leinwand bringen soll. Ihm geht es nicht ums Geld verdienen, er will die schönen Momente des Lebens mit dem Pinsel einfangen. Altmeister Seroff (Armin Müller-Stahl) hat die Kritiker mit seiner Kunst nicht überzeugen können. "Die Malerei ist tot", sagt er, wirft mit Kraftausdrücken um sich und tröstet sich mit Wodka. Trotzdem ist er Johns großes Vorbild. Der Junge will von Seroff unterrichtet werden und riskiert sogar einen Streit mit seinem Vater, um mit dem Russen in dessen Feriendomizil nach Pennsylvania zu fahren und durch die Augen des Malers sehen zu können.
Anhand verschiedener Prototypen führt Gallo in seinem Film einen Diskurs über moderne und traditionelle Kunst. Seroff schimpft auf alles Neue, Progressive. Eine Ausstellung moderner Kunst ist für ihn nicht mehr als ein "Eimer voller Pisse". Das ist nicht gerade eine Handlung, die ins Mainstream-Kino passt. So mag es an dem Thema des Films liegen, dass er in Deutschland nie in den Kinos lief. Schade eigentlich, denn einmal abgesehen von dem Hollywood-Pathos, den die Filmmusik und einige Landschaftsbilder versprühen, ist Die Farben des Herbstes durchaus sehenswert, was vor allem am komischen Kauz Seroff und seinen Philosophien liegt. "Wenn du in allem Schönheit siehst, ist deine Seele befreit - dann kann dir niemand mehr etwas nehmen", erklärt er dem Nachwuchskünstler. Ein Satz für die Ewigkeit, wie so viele im Film.
Schließlich geht es aber nicht nur um Kunst. Hinter der Fassade des lebensverdrossenen Altmeisters verbirgt sich ein trauriges Schicksal, das John erst spät kennenlernt. Erst noch muss er sich von Seroff demütigen und herumkommandieren lassen. Die Verbitterung des Mannes wird für John erst gegen Ende nachvollziehbar, als er von dessen Vergangenheit erfährt. Seroff hat das Schönste im Leben verloren. Seine Frau wurde im Zweiten Weltkrieg in Russland von den Nazis getötet.
Die Vielschichtigkeit des frustrierten Künstlers spielt Müller-Stahl mit großer Überzeugung. Mal ist die Figur Seroff komisch, wenn sie auf einer schwachsinnigen Ausstellung moderner Kunst völlig ausrastet. Mal macht sie wütend, wenn sie John als "kleinen Scheißer" erniedrigt und seine Bilder zerstört. Und dann ist sie doch wieder sympathisch und verletzlich, je mehr ihre harte Fassade bröckelt. Während der Altkünstler eine enorme Entwicklung auf seine alten Tage durchmacht, bleibt der Nachwuchskünstler fast statisch hinter ihm zurück. Der amerikanische Teenie-Schwarm Trevor Morgan wird von dem deutschen Hollywood-Schauspieler Müller-Stahl an die Wand gespielt, was aber auch an der Eindimensionalität der Figur John liegt.
Der hoffnungslose Romantiker verliebt sich am Ende des Films in Carla (Samantha Mathis), eine ebenfalls tragische Figur. Die Lovestory wirkt deplatziert. So, als hätte der Produzent vor dem Dreh zum Drehbuchautoren gesagt: Wir brauchen noch ein bisschen Romantik, können wir noch eine Frau unterbringen? - Vielleicht für diejenigen Zuschauer, die mit Kunst nicht viel anfangen können. In der Hinsicht ist der Film inkonsequent. Gut aber, dass die Liebesgeschichte nur Randgeplänkel bleibt. Am Ende kommt der Film wieder auf Seroff, die zentrale Figur, zurück. Und auf die Schönheit dieser Freundschaft, die auf der Liebe zur Malerei basiert.