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6x Venedig

(Sei Venezia, 2010)

Dt.Start: 29. März 2012 Premiere: 11. September 2010 (Venice Film Festival, Italien)
FSK: o.A. Genre: Dokumentation
Länge: 92 min Land: Italien
Darsteller: Ramiro Ambrosi, Ernesto Canal, Massimo Comin, Giovanna Galeazzi, Carlo Memo, Roberta Zanchin
Regie: Carlo Mazzacurati
Drehbuch: Carlo Mazzacurati, Marco Pettenello


Inhalt

Venedig, eine Weltstadt, die unendliche Touristenströme anzieht. Doch wie sieht es abseits der Touristenattraktionen aus? Wie lebt es sich eigentlich in Venedig? Was macht Venedig aus, seine Bewohner, seine Bauwerke, seine Kultur? Anhand von 6 Menschen, die in Venedig leben, einem Jungen, einem Stadtarchiv-Beschäftigten, einem ehemaligen Dieb, einem Künstler, einem Archäologen und einem Zimmermädchen wird dieser Frage in dieser Dokumentation über Venedig, seine Kultur und seine Bewohner nachgegangen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

6x Venedig hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 75%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
6x Venedig hat eine Wertung von 75%
Eine Hommage an eine der ungewöhnlichsten Städte der Welt, wie es Venedig ist, kommt in der Regel nicht ohne die typischen architektonischen Glanzlichter aus. Auch Carlo Mazzacuratis Dokumentarfilm 6 x Venedig spart diese nicht aus. Sie werden aber vielmehr zum Kontrastprogramm der Wirklichkeiten, um die sich in seinem Film im Kern alles dreht; den Lebenswirklichkeiten des einfachen Venezianers und dessen, wie dieser seine Stadt sieht, erlebt und fühlt. Ein äußerst menschelndes Portrait gelang mit dieser Herangehensweise, das auch durchaus nachdenklich stimmen kann und einlädt, das allgemeine Bild, das sich über Venedig in den Köpfen festgesetzt hat, einmal zu hinterfragen.

Bild aus 6x Venedig Von der Lagunenstadt Venedig hat schnell jeder ein Bild vor Augen, selbst wenn er oder sie noch niemals dort war. Unzählige Berichte, Reportagen, Dokumentationen, TV- und Kinofilme machen uns alle zu unfreiwilligen "Venedig-Kennern". Ob Harrison Ford als Indiana Jones aus dem Gully kriecht und sich - gleichwohl an welcher Stelle er herauskommt - sogleich inmitten malerischer Plätze und Gebäude befindet oder uns Donna Leon mit ihren Fernsehkrimis durch die malerischen Gassen dieser italienischen Stadt führt, wir fallen allzu gerne dieser medialen Propaganda anheim; nicht umsonst heißt es auch: Venedig sehen und sterben.

Abseits dieses verklärten, idealisierten und romantisierenden Blickes existiert noch ein anderes Venedig. Lässt man die architektonischen Sehenswürdigkeiten wie Markusdom, den Dogenpalast, die Rialtobrücke oder die Kirche Santa Maria della Salute hinter sich und begibt sich abseits des Rummels von Karneval, Biennale oder Filmfestspielen, finden sich die einfachen Geschichten ihrer Bewohner, der Venezianer, die die Stadt im Innersten ausmachen. Der Regisseur Carlo Mazzacurati, selbst ein Kind dieser Stadt, filmte mehrere Jahre für seine gut anderthalbstündige Dokumentation 6 x Venedig und stellt sechs Menschen in den Mittelpunkt seines Filmes. In sehr persönlichen Interviews kommen seine Protagonisten zu Wort und eröffnen dem Publikum ihre Geschichten, die eine Lebenswirklichkeit jenseits des Touristenrummels skizzieren und den Anstoß dafür bilden, dass der Zuschauer im Kopf weitere Türen aufzustoßen vermag.

Ein Archivar, ein Zimmermädchen, ein Archäologe, ein Künstler, ein ehemaliger Dieb - das sind die Gesprächspartner, eingefangen an ihren jeweiligen Wirkungsstätten und zu unterschiedlichen Monaten und Jahreszeiten. Mazzacurati sucht "das Normale", das Alltägliche hinter der Fassade, doch was bedeutet das schon in einer der am wenigsten normalen Städte der Welt? La Serenissima, die Durchlauchte, wird Venedig von ihren Bewohnern ehrfurchtsvoll genannt. Und allein schon der Begriff "Stadt" ist im Grunde schon so falsch, wie er nur sein kann. Auf sieben Quadratkilometer dehnt sich der historische Stadtkern aus, in einer Lagune, die satte 550 Quadratkilometer umfasst. Über 120 kleinere und größere Inseln werden durch eine kaum zählbare Anzahl von Brücken miteinander verbunden, und 175 Kanäle dienen als Wasserstraßen zur Fortbewegung. Die Gebäude, die mitten in die Lagune gebaut wurden, ruhen auf Millionen von Pfählen. Insgesamt bildet dieses komplexe Gebilde für über 270.000 Menschen die Heimat.

Mit Sicherheit ist 6 x Venedig eine Liebeserklärung an diese außergewöhnliche Stadt geworden, die stets droht, eines Tages im Meer zu versinken. Ebenso droht aus Mazzacuratis Blickwinkel allerdings auch die Seele Venedigs komplett in der Vermarktung und dem Ausverkauf verlorenzugehen. Und so stellt sich ganz beiläufig die Frage, im Kontrast aus klassischen Impressionen und den alltäglichen Lebensbildern der Hauptdarsteller, ob die Touristenströme Venedig nicht mehr rauben, als sie ihm geben. Eine Frage, die sich trotz dieses gelungenen wie atypischen Stadtportraits nicht ohne weiteres beantworten lässt, schließlich ist und bleibt Venedig auch eine Kulturmetropole mit einzigartiger Geschichte und Tradition. Die wirkliche Stärke der Dokumentation Mazzacuratis muss daher vor allem darin gesehen werden, dass er seiner Stadt ein (in diesem Falle sogar gleich mehrere) menschliches Antlitz verliehen hat und dem cineastischen Reisenden damit den Schlüssel zur Seele Venedigs überreicht.



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