Barbara Poster

Film-Seite zu Barbara
Trailer zu Barbara
Poster zu Barbara
Kinoprogramm für Barbara
Deutsche offizielle Seite
PDF zu Barbara

Barbara

(Barbara, 2012)

Dt.Start: 08. März 2012 Premiere: 11. Februar 2012 (Berlinale, Deutschland)
FSK: ab 6 Genre: Drama
Länge: 108 min Land: Deutschland
Darsteller: Nina Hoss (Barbara), Ronald Zehrfeld (André), Rainer Bock (Klaus Schütz), Christina Hecke (Karin), Deniz Petzold (Angelo), Rosa Enskat (Hausmeisterin Bungert), Jasna Fritzi Bauer (Stella), Mark Waschke (Jörg), Peter Benedict (Gerhard)
Regie: Christian Petzold
Drehbuch: Christian Petzold, Harun Farocki


Inhalt

Nachdem sie einen Ausreiseantrag gestellt hat, wird die junge Ärztin Barbara 1980 aus Berlin in ein kleines Provinz-Hospital versetzt. Isoliert von den anderen Dorfbewohnern und Kollegen wartet sie darauf, dass sie mit ihrem Geliebten Jörg, der im Westen wohnt, über die Ostsee fliehen kann. Doch während der Tag der Flucht immer näher kommt, nähert Barbara sich langsam ihrem neuen Chefarzt Andre an. Sämtliche Pläne drohen plötzlich im Gefühlsdurcheinander zu scheitern.
Shopping-Box
DVDs zu Barbara Amazon-Shop
zum Film
Merchandising zu Barbara Poster & Merchandise
zum Film
Barbara bei eBay Artikel bei eBay
zum Film
Barbara bei Billiger.de Preisvergleich
für den Film
Tickets kaufen

Durchschnittliche Redaktionswertung

Barbara hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 80%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Lutz Granert
Barbara hat eine Wertung von 80%
Die DDR als Unrechtsstaat: Oftmals aufgegriffen, nur selten differenziert thematisiert. Christian Petzold gelingt mit Barbara ein Psychodrama, das die stete Bedrohung durch Bespitzelung im "Arbeiter- und Bauern-Staat" beeindruckend spürbar werden lässt.

Bild aus Barbara Es ist die Kunst der Reduktion und Ökonomie, die Christian Petzold (Jerichow) mit seinem Psychodrama perfektioniert. Er erzählt nur soviel wie er muss, lässt weg, wo er kann, und deutet an, wo ein Ausformulieren den Verlust des Reizes bedeuten würde, den Barbara als Film wie als Protagonistin versprüht. Petzold wirft sein Publikum in eine Welt der Restriktionen, die DDR des Jahres 1980, wie man erst im Verlauf des Films erfährt. Selbst eine entsprechende Texteinblendung zu Beginn, zum Klären der zeitlichen Verortung, scheint schon zuviel Beiwerk, welches vom Kern der Geschichte um den Lebensausschnitt einer Delinquentin ablenken würde. Dieser nüchterne Stil ist etwas anstrengend, aber lohnend.

Barbara ist Ärztin und wurde nach dem Stellen eines Ausreiseantrags von der Berliner Charité in ein Provinzkrankenhaus nahe der Ostsee zwangsversetzt. Zudem unterhält sie eine Affäre mit Jörg (Mark Waschke, Schilf), einem Westdeutschen, der ihre Flucht über Dänemark plant. Ihre Arbeit im Krankenhaus erledigt sie trotz Spott der Kollegen stets gewissenhaft, auch wenn sie sich öfter davon Auszeiten nimmt. Sie ist eine gute Klavierspielerin, anderen gegenüber aufgrund einer berechtigten Vorsicht reserviert. Nina Hoss (Anonyma - Eine Frau in Berlin) verkörpert sie zurückhaltend, ihre ernste Mine legt sie nur in den seltenen Momenten von Intimität ab. Der Zuschauer unterhält dadurch dasselbe Verhältnis zu ihr wie die weiteren Figuren: ein distanziertes, auch weil man über ihre Vorgeschichte nur das Nötigste erfährt.

Nur Arzt André (Ronald Zehrfeld), ebenfalls ein Benachteiligter des "real existierenden Sozialismus", schafft es langsam, ihr Vertrauen zu gewinnen. Er soll der IM der Staatssicherheit sein, Informationen liefern, während sich Barbara von denselben Geheimdienstlern erniedrigenden Leibesvisitationen und Hausdurchsuchungen unterwerfen muss. Aber André hat dem System abgeschworen, leise, nicht so offen, wie Barbara es tat. Er ist ein guter Mensch, allerdings keiner, der als solcher glorifiziert wird. Ungleich Ulrich Mühe als Stasi-Offizier in der dramaturgisch konventionellen "Deutsches Hollywood"-Keule Das Leben der Anderen.

Petzold setzt stattdessen auf Reduktion. Zahlreiche Nahaufnahmen finden sich in Barbara, viele Schnitte, die die Szenen auflösen, aber wenige Kameraschwenks und -bewegungen, nur selten Musikuntermalung fernab der Diegese. Der Film scheint trotz großer Mobilität der Protagonisten in seiner Dynamik so erstarrt wie das System, das er durch sein Verhältnis zu einem Störelement thematisiert, dabei aber sachlich und akribisch - wenn auch unmerklich - auf die Perfektion des Zeitkolorits, die authentische Ausstattung dieses period piece achtet. Petzold vermittelt dabei keine eindeutige, platte Botschaft, sondert deutet viele Lesarten an, füllt den interpretativen Raum mit seinen Motiven und Analogien, die von ärztlicher Fürsorgepflicht über die Suche nach der Liebe bis hin zu Turgenjews Aufzeichnungen eines Jägers reichen.

Ein ganzes Spektrum reißt Petzold so innerhalb seines um Realismus bemühten Psychodramas an, das deutlich die Verinnerlichung der Prinzipien der Berliner Schule erkennen lässt: Eine Protagonistin ist auf der Flucht, ihr gelingt dennoch kein Ausbruch aus der bedrückenden Enge der sie benachteiligenden Gesellschaft. Zumindest legt dies das abrupte, deutungsoffene Ende sehr nahe. Diese Nüchternheit, mit welcher Petzold seine atmosphärisch dichte Zustandsbeschreibung ebenso klar und schnörkellos auf den Punkt bringt wie Nina Hoss das Innenleben ihrer Figur mit ihrem präzisen Schauspiel, das ist das Vertrauen in die Reduktion, in das eigene wie eigenständige Handwerk, welches Florian Henckel von Donnersmarck leider abhanden gekommen ist.



Weitere interessante Filme




Film vorschlagen
Das Leben der Anderen
Dt. Start: 23. März 2006
Vorschlag entfernen
Die Innere Sicherheit
Dt. Start: 01. Feb 2001
Vorschlag entfernen
Gnade
Dt. Start: 18. Okt 2012
Vorschlag entfernen

 

© 2013 MovieMaze.de