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Der Herr der Ringe - Die zwei Türme

(The Lord of the Rings - The Two Towers, 2002)

Dt.Start: 18. Dezember 2002
DVD: 26. August 2003
Premiere: 18. Dezember 2002 (USA)
FSK: ab 12 Genre: Abenteuer, Fantasy
Länge: 179 min Land: USA, Neuseeland
Darsteller: Elijah Wood (Frodo), Sean Astin (Sam), Viggo Mortensen (Aragorn), Orlando Bloom (Legolas), John Rhys-Davies (Gimli), Dominic Monaghan (Merry), Billy Boyd (Pippin), Ian McKellen (Gandalf), Andy Serkis (Gollum/Smeagol), Bernard Hill (König Theoden), Miranda Otto (Eowyn), David Wenham (Faramir), Brad Dourif (Grima), Liv Tyler (Arwen), Cate Blanchett (Galadriel), Christopher Lee (Saruman), John Noble (Denethor), Jay Laga'aia (Ugluk), Karl Urban (Eomer), Hugo Weaving (Elrond)
Regie: Peter Jackson
Drehbuch: Philippa Boyens, Peter Jackson, Stephen Sinclair, Frances Walsh


Inhalt

Nach der Trennung der Gefährten, machen sich Frodo und Sam allein auf den Weg nach Mordor, um den Einen Ring zum Schicksalsberg zu bringen und dort zu zerstören. Währenddessen verfolgen Aragorn, Legolas und Gimli den Trupp Uruk-Hai, der die beiden Kindsköpfe Merry und Pippin gefangen genommen hat. Im weiteren Verlauf gelingt es Merry und Pippen zu entkommen und in den verwunschenen Wald Fangorn zu fliehen, wo sie auf den Ent Baumbart treffen, der ihnen seine Hilfe anbietet. Ihre drei Verfolger stoßen zur gleichen Zeit auf den Zauberer Gandalf, der zu ihrer Überraschung noch unter dem Lebenden weilt und begeben sich gemeinsam mit ihm nach Edoras, der Hauptstadt Rohans, um die Menschen vor den Angriffen durch die Gefolgen Sarumans zu warnen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Der Herr der Ringe - Die zwei Türme hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 95%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Thomas Brendel
Der Herr der Ringe - Die zwei Türme hat eine Wertung von 95%
Der zweite Teil der Herr der Ringe-Trilogie ist ein atemberaubendes Spektakel, das seinem Vorgänger in nichts nachsteht und uns nach einem Jahr Wartezeit erneut auf eine abenteuerliche Reise nach Mittelerde entführt.

Bild aus Der Herr der Ringe - Die zwei Türme Zwölf Monate nach dem Erfolg von Der Herr der Ringe - Die Gefährten, dem ersten Teil der Lord of the Rings-Trilogie, bittet Regisseur Peter Jackson auch dieses Jahr kurz vor Weihnachten ins Kino, um uns ein zweites mal nach Mittelerde zu entführen und J.R.R.Tolkiens epische Geschichte über den archetypischen Kampf zwischen Gut und Böse im Leinwandformat weiterzuerzählen. Nach dem riesigen Erfolg des brillanten ersten Teils waren die Erwartungen an das nächste Kapitel Der Herr der Ringe - Die zwei Türme erneut denkbar groß, doch auch diesmal gelang es dem schrulligen Neuseeländer eben jene zu erfüllen und in mancher Hinsicht gar zu übertreffen. Peter Jackson und sein Team wickelte in einem Kraftakt beispiellosen Ausmaßes die Dreharbeiten zu drei Filmen mit insgesamt etwa zehn Stunden Lauflänge an einem Stück ab, um zu gewährleisten, dass sich die drei Teile der Trilogie am Ende perfekt zusammenfügen und wie aus einem Guss wirken. Wie sehr dies dem Gesamtwerk letztendlich zu Gute kommt, lässt sich mit Der Herr der Ringe - Die zwei Türme bereits erstmals wirklich erahnen.

Ohne sich die Mühe zu machen, die vorangegangenen Ereignisse noch einmal zusammenzufassen, knüpft die Handlung von Der Herr der Ringe - Die zwei Türme nahtlos an der seines Vorgängers an. Die Gefährten, die sich einst gemeinsam auf den Weg machten, den von Sauron heimlich geschmiedeten einen Ring zum Schicksalsberg zu bringen und dort zu zerstören, sind mittlerweile voneinander getrennt. Ringträger Frodo (Elijah Wood) und sein treuer Freund Sam (Sean Astin) sind bei ihrer gefährlichen Reise nach Mordor nun auf sich allein gestellt, treffen jedoch schon bald auf Gollum, eine Kreatur, die 500 Jahre lang im Besitz des Rings war und dessen gesamtes Wesen sich dadurch stark veränderte. Eines Nachts wird Gollum, der einen äußerst beschwerlichen Weg auf sich nahm, um "seinen Schatz" wieder an sich zu reißen, bei einem vergeblichen Versuch den Ring zu stehlen, von den Hobbits entdeckt und gefangengenommen. Während Sam darauf drängt, das offensichtlich heimtückische Wesen zu töten oder zumindest gefesselt zurückzulassen, ist Frodo davon überzeugt, dass ihnen Gollums Kenntnis über einen sicheren Weg nach Mordor von großen Nutzen sein wird und beschließt daraufhin, diesem zu Vertrauen und ihn auf ihre Reise mitzunehmen. Im Laufe der Zeit entwickelt Frodo immer mehr Verständnis und Mitgefühl für Gollum, da ihm langsam aber sicher die Parallelen zwischen dem Schicksal dieser bemitleidenswerten Kreatur und seinem eigenen bewusst werden. Dies treibt unweigerlich einen Keil zwischen Frodo und Sam, der noch dazu mit ansehen muss, wie sein Herr zunehmends der Macht des Rings unterliegt und stellt die Freundschaft der beiden auf eine harte Probe.

Die Stärken dieses Handlungsstranges liegen unter anderem in den sich verändernden Beziehungen zwischen den drei Charakteren. Während Sam in Der Herr der Ringe - Die Gefährten insgesamt ein wenig zu kurz kam, bekommt Schauspieler Sean Astin im zweiten Teil nun Gelegenheit, seiner Figur mehr Tiefgang und Facettenreichtum zu verleihen. Weiterhin wird einem jetzt erst so richtig bewusst, welchen Glücksgriff Peter Jackson bei der Besetzung des Frodo gemacht hat. Elijah Wood ist nicht nur in seiner ambivalenten Rolle als einerseits sensibler, gleichzeitig aber auch außergewöhnlich mutiger Ringträger vollkommen überzeugend, sondern lässt durch seine vage äußerliche Ähnlichkeit zu Gollum, die sich mitunter in seiner blassen Gesichtsfarbe und seinen riesengroßen, strahlend blauen Augen abzeichnet, bereits unterschwellig erahnen, dass sein Schicksal mit dem von Gollum unabdingbar verwoben ist. Äußerst Bemerkenswertes haben die Effektspezialisten des Films mit der Erschaffung der komplett computeranimierten Figur des Gollum geleistet. Bereits in den beiden Star Wars-Prequels und dem zweiten Harry Potter-Abenteuer machten vollständig am Computer erschaffene Wesen die Leinwand unsicher, doch gelingt es erstmals in Der Herr der Ringe - Die zwei Türme einer solchen Figur in einem derartigen Ausmaß zu überzeugen, dass man gewillt ist, ihr schauspielerische Fähigkeiten zu attestieren. Gleich mehrere Szenen werden ganz allein von Gollum getragen, der vor allem durch seine fesselnden und bewegenden Monologe bzw. schizoiden Selbstgespräche das Publikum in seinen Bann zu ziehen vermag.

Während Frodo, Sam und Gollum einen möglichst ungefährlichen Weg nach Mordor suchen, verfolgen Aragorn (Viggo Mortensen), Bogenschütze Legolas (Orlando Bloom) und Zwergenkrieger Gimli (John Rhys-Davies) einen Trupp Uruk-Hai, mit dem sie bereits zuvor eine blutige Auseinandersetzung hatten und der nun die beiden Kindsköpfe Merry (Dominic Monaghan) und Pippin (Billy Boyd) gefangen genommen hat. Im festen Glauben, unter anderem auch den Ringträger erwischt zu haben, machen sich die Krieger Sarumans (Christopher Lee) auf nach Isengard, um die beiden Hobbits dort dem weißen Zauberer zu übergeben. Bei ihrer Verfolgung treffen Aragorn, Legolas und Gimli in den Ebenen Rohans auf eine Gruppe Soldaten des Königs, die ihnen davon berichtet, den Trupp Uruk-Hais in der Nacht zuvor getötet zu haben. Über den Verbleib der Hobbits können sie allerdings nichts sagen. Wie sich bald herausstellt, gelang es Marry und Pippin im Kampfgetümmel in den nahe gelegenen, verwunschenen Wald Fangorn zu fliehen, wo sie auf Baumbart, einen uralten Ent treffen, der sich nach anfänglicher Skepsis ihrer annimmt. Die drei Verfolger stellen währenddessen zu ihrer Freude fest, dass Freund und Zauberer Gandalf (Ian McKellen) unter den Lebenden weilt und machen sich gemeinsam mit ihm auf den Weg nach Edoras, der Hauptstadt Rohans, um König Theoden (Bernard Hill) und dessen Volk vor den Angriffen durch die Gefolgen Sarumans zu warnen. Anstatt alle verfügbaren Männer einzuziehen und sich auf einen bevorstehenden Krieg gegen die dunklen Mächte vorzubereiten, gibt Theoden jedoch den Befehl zur Flucht nach Helms Klamm, die dem gesamten Volk Schutz bieten soll. Die zehntausend Mann starke Uruk-Hai-Armee Sarumans wird sich allerdings auch von dessen Mauern nicht aufhalten lassen.

Im Zentrum des zweiten Handlungsstranges steht unter anderem die Freundschaft zwischen dem Menschen Aragorn, dem Elben Legolas und dem Zwerg Gimli. Haben die Ereignisse in Der Herr der Ringe - Die Gefährten die drei bereits einander näher gebracht, entwickelt sich im Verlauf dieses Films eine tiefergehende Freundschaft zwischen ihnen, die von großem gegenseitigen Vertrauen geprägt ist. Heimlicher Star von Der Herr der Ringe - Die zwei Türme ist sicherlich der schöne Aragorn, der nicht nur in mehr als einer Schlacht heldenhaft brilliert, sondern auch die Ehre hat, gleich von zwei hübschen Frauen begehrt zu werden, der bereits aus dem ersten Teil bekannten Elbentochter Arwen (Liv Tyler), die für ihren geliebten Aragorn gar auf ihre Unsterblichkeit verzichten würde und Eowyn (Miranda Otto), der mutigen Nichte des Königs, die dank Aragorn wieder Hoffnung schöpft, ihr Land könnte im Kampf gegen die Legionen Sarumans bestehen. Die Stärken von Legolas liegen wie bereits im Vorgänger in akrobatischen und äußerst eleganten Kampfesmanövern, wohingegen Gimli mit seinen flapsigen Sprüchen und gekonnten Slapstick-Einlagen die Moral der Gruppe aufrecht hält und die durchwegs düstere Grundstimmung des Films in regelmäßigen Abständen ein wenig auflockert. Dass diese erheiternden Momente innerhalb des nur allzu ernsten Kontextes so gut wie nie aufgesetzt oder gar deplaziert wirken, verdeutlicht einmal mehr, wie vertraut Peter Jackson mit der Materie bzw. den Figuren ist.

Ein im Vergleich zum Rest recht kurz gehaltener Handlungsstrang zeigt Merrys und Pippins Zusammentreffen mit den Ents, erzählt ein wenig von der Geschichte und dem traurigen Schicksal dieses Baumvolkes und den Wäldern in denen es lebt. In einigen wenigen Szenen wird dabei ein ökologisches Thema abgehandelt, dem Tolkien in seinem Roman etwas mehr Aufmerksamkeit schenkte, als es Peter Jackson nun in seiner Verfilmung tut. Einst lag den Bewohnern Mittelerdes der Wald sehr am Herzen, erzählt der weise Baumbart den beiden Hobbits, doch mit der zunehmenden Technisierung geriet er mehr und mehr in den Hintergrund, wird im Zuge der Uruk-Hai-Produktion in Isengard mittlerweile sogar gnadenlos abgeholzt. Die Ents entstanden ebenfalls vollständig am Computer und gehören damit neben Gollum und dem Balrog zu einer Vielzahl von wundervoll animierten, digitalen Filmfiguren, die das Mittelerde des Films bevölkern. Einen wesentlichen Anteil an der Präsenz des sanftmütigen Baumbart hat sicherlich auch Schauspieler John Rhys-Davies, der dem Baumriesen seine markante Stimme lieh.

Es ist vor allem die Aufteilung in verschiedene, parallel verlaufende Handlungsstränge, die dem zweiten Teil der Lord of the Rings-Trilogie mehr Dynamik verleiht, als dem durchwegs linear konstruierten Vorgänger und ihn dadurch in seiner Gesamtheit spannender und kurzweiliger erscheinen lässt. Natürlich kommt es Der Herr der Ringe - Die zwei Türme diesbezüglich auch zu gute, dass er auf eine großangelegte Einleitung und Figureneinführung verzichten und bereits von der ersten Minute an mit der Handlung fortfahren kann, da die Zuschauer mit den zahlreichen Protagonisten eben bereits vertraut sind. An dieser Stelle ist übrigens mit Bedauern festzustellen, dass bei der Adaptation des Romans zum Drehbuch einigen Figuren ein nicht unerheblicher Teil ihrer Auftritte gestrichen wurde. So hat man das Gefühl, als kämen vor allem die beiden Zauberer Gandalf und Saruman im Film ein wenig zu kurz und auch der Teil der Zuschauer, der sich im Kinosaal einfindet, um mehr von Liv Tylers Arwen, Cate Blanchetts Galadriel oder Hugo Weavings Elrond zu sehen, wird am Ende wohl enttäuscht sein. Dass dies nicht böswillige Absicht des Regisseurs ist und sich bei der Verfilmung einer solch ausführlichen Geschichte ebenso wenig vermeiden lässt, wie der Umstand, dass die Handlung an einigen Stellen ziemlich geballt wirkt, dürfte allerdings einem jeden einleuchten.

Fulminanter Höhepunkt des Films ist zweifelsohne die atemberaubende Schlacht in Helms Klamm, die so einiges bietet, was man in dieser Form bisher sicherlich noch nie im Kino zu sehen bekommen hat. Besonders die Stimmung, die in den wenigen Stunden und Minuten vor dem unvermeidlichen Ansturm der zehntausend Mann starken Uruk-Hai Armee auf die Mauern von König Theodens Festung in der engen Felsschlucht herrscht, ist einfach unnachahmlich. Während eigentlich jedem bewusst ist, dass der Kampf gegen eine solche Übermacht vollkommen hoffnungslos ist, werden dennoch alle verfügbaren Kräfte mobilisiert, um sich dem Feind entgegenzustellen. Wenn sich junge Knaben Rüstung und Waffen abholen, um gemeinsam mit ihren Vätern in die Schlacht zu ziehen und selbst unsere Hauptfiguren nicht mehr an die Möglichkeit eines Sieges glauben und dennoch dazu bereit sind, während des bevorstehenden Kampfes gegen die dunklen Mächte ihr Leben zu lassen, sind dies Momente die einen bewusst werden lassen, dass hier das Überleben eines ganzen Volkes auf dem Spiel steht und nicht zuletzt aufgrund dessen tief berühren. Selten war eine Massenschlacht wie diese hier nicht nur so detailgetreu ausgearbeitet und wunderschön gefilmt, sondern auch von solch einer Vielzahl an Emotionen und einer derartigen Spannung begleitet.

Der zweite Teil der Lord of the Rings-Trilogie ist noch um einiges düsterer und definitiv actionlastiger als sein Vorgänger. Im Grunde hangelt sich der Film von einer Schlacht zur nächsten, zeigt sogar eine, die in der Vorlage überhaupt nicht vorkommt und zwar als die Einwohner Rohans bei ihrer Flucht nach Helms Klamm von einigen Orcs und blutrünstigen Wargen angegriffen werden. Überhaupt weicht Peter Jackson in Der Herr der Ringe - Die zwei Türme deutlich häufiger von der Vorlage ab, als noch bei dessen Vorgänger. Dies ist ein Umstand, der einigen Tolkien-Fans sicherlich sauer aufstoßen wird, in Hinblick auf die Art und Weise wie es Jackson gelingt, bei seinen Änderungen aber immer noch dem Geist der Vorlage treu zu bleiben und die Essenz der Geschichte ohne merkliche Verluste auf die Leinwand zu überführen, jedoch ganz sicher zu vernachlässigen ist. Mit Der Herr der Ringe - Die zwei Türme bestätigt Peter Jackson noch einmal eindrucksvoll, was eigentlich bereits seit Der Herr der Ringe - Die Gefährten klar ist: Hier wird Kinogeschichte geschrieben und wir dürfen dabei sein.



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