|
|
 |
 |
 |
 |
 |
Die Liebenden(Les bien-aimés, 2011)
| Dt.Start: |
03. Mai 2012
|
 |
Premiere: |
22. Mai 2011 (Cannes Film Festival, Frankreich) |
| FSK: |
ab 12
|
Genre: |
Drama, Musical, Romanze |
| Länge: |
139 min
|
Land: |
Frankreich, UK, Tschechien |
|
Darsteller:
|
Chiara Mastroianni (Véra Passer), Catherine Deneuve (Madeleine), Ludivine Sagnier (Madeleine, jung), Louis Garrel (Clément), Milos Forman (Jaromil Passer), Paul Schneider (Henderson), Radivoje Bukvic (Jaromil, jung), Michel Delpech (Francois Gouriot), Omar Ben Sellem (Omar), Dustin Segura-Suarez (Mathieu) |
|
Regie:
|
Christophe Honoré |
|
Drehbuch:
|
Christophe Honoré |
|
 Inhalt
Paris in den Swinging Sixties. Die junge Schuhverkäuferin Madeleine bestreitet ihren Lebensunterhalt gelegentlich auf dem Strich. Doch dann verliebt sie sich in einen Freier, den eleganten tschechischen Arzt Jaromil. Trotz seiner Untreue heiraten sie und bekommen eine Tochter. Nachdem sie sich im Prager Frühling aus den Augen verlieren, heiratet sie einen anderen, trifft sich aber immer wieder mal mit Jaromil. Viele Jahre später findet sich auch ihre Tochter Véra zwischen zwei Männern hin- und hergerissen: ihrem Freund Clément und dem homosexuellen Musiker Henderson. |  |
|
Durchschnittliche Redaktionswertung
Keine weitere Wertung
Kritik
von Oliver Mai
Die gleiche Person lieben und von ihr geliebt werden, ist nicht zwingend gleichbedeutend und bedingt sich nicht unbedingt. Die Liebenden beleuchtet zwei Dreiecksverhältnisse, die ihre filmische Verbindung dadurch erhalten, dass sich das Beziehungsgeflecht um die Mutter und das andere um die Tochter dreht. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm ist eine der Aussagen des Films, wenn auch beide Frauen unterschiedlich aus den Beziehungen hervorgehen. Die in den Film eingebauten Chansons wirken dabei fast wie Fremdkörper, die den Melancholiefaktor eher stören als fördern.
Im Paris der 60er Jahre arbeitet Madeleine als Schuhverkäuferin. Als sie eines Abends aus dem Schuhladen ein Paar teure Roger-Vivier-Schuhe mitgehen lässt und sich stolz mit den Schuhen in einem Schaufenster begutachtet, wird sie prompt für eine Prostituierte gehalten. Ein Mann bietet ihr 70.000 Ancien Francs. Madeleine hat noch viele Schuhwünsche, sie willigt ein. Durch diese Nebentätigkeit lernt sie den tschechischen Arzt Jaromil kennen und verliebt sich in ihn. Die beiden heiraten und Madeleine geht mit ihm nach Prag, beide habe eine Tochter Véra. Während des Prager Frühlings erfährt Madeleine, dass Jaromil eine Geliebte hat. Madeleine flüchtet mit Véra vor den einmarschierenden Truppen zurück nach Frankreich, Jaromil bleibt in Prag. In Paris heiratet sie den Gendarmen Francois. Doch wann immer Jaromil Madeleine besucht, lebt ihre Liebe für ihn wieder neu auf. Sie kann sich jedoch nicht entschließen, Francois zu verlassen, obwohl auch der zumindest eine Affäre hatte. 1997 lernt Véra, die ihrerseits auf der Suche nach der Großen Liebe ist, den Amerikaner Henderson kennen. Als sie ihm anbietet, mit ihr zu schlafen, lehnt er ab, denn er ist schwul. Eine Tatsache, die Véra nicht daran hindert, sich in ihn zu verlieben, was ihrem (Ex-)Freund Clément gar nicht gefällt. So himmelt Véra ihren Henderson aus der Ferne an, während Madeleine jede Gelegenheit nützt, aus Reims, wo sie mittlerweile zusammen mit Francois lebt, tagsüber zu Jaromil nach Paris zu fahren.
Die Liebenden ist ein Film über die verzweifelt Liebenden und selbst Ungeliebten mit seinen tragischen Wendungen und melancholischen Erkenntnissen, aufgestaffelt auf zwei Generationen, chronologisch erzählt und dabei Mutter und Tochter beleuchtend. Madeleine wird als junge Frau gelungen von Ludivine Sagnier dargestellt und als ältere Dame von Catherine Deneuve. Der Stoff ist ohne Zweifel mehr als geeigneter Dramastoff. Dem Film hätte allerdings ein strafferer Schnitt gut getan. Und bei dem Wunsch des Regisseurs und Drehbuchautors, wie schon in Chanson der Liebe seine Schauspieler singen zu lassen, sind wohl etwas die Pferde durchgegangen. Die von den Schauspielern im Musicalstil vorgetragenen Chansons sollen zwar dazu dienen, die Gefühle der Charaktere tiefer zu durchleuchten, dies gelingt jedoch nur bedingt. Der Gesang wirft den Zuschauer immer wieder aus dem Storyfluss und bremst somit eher, als dass er hilft, die Geschichte voranzutreiben. Regisseur Christophe Honoré zeigt an diversen Stellen, etwa in den Textpassagen, die er für den älteren Francois vorsieht, dass er sehr wohl in der Lage ist, Szenen und Dialog auf den Punkt zu bringen und den Zuschauer mitzureißen. Die Chansons vermögen dies nicht und tragen mit ihrer Masse (laut Presseheft 12 Titel) nennenswert zur Überlänge des Films von 135 Minuten bei. Nachdem der Film gelungen an anderen Stellen mit Monologen aus dem Off arbeitet, wäre es ein Leichtes gewesen, hier dem Zuschauer knapper und direkter weitere Informationen zukommen zu lassen. Im Ergebnis wirkt der Film so zu sperrig und inhomogen. Francois Ozon hat dies beispielsweise in 8 Frauen, in dem ja ebenfalls C. Deneuve und L. Sagnier spielten und sangen, bedeutend runder auf die Leinwand bekommen.
Bemerkenswert ist der Cast, bei dem es gelungen ist, Mutter (Catherine Deneuve) und Tochter (Chiara Mastroianni) in einer Mutter/Tochter-Rollenkombination zum ersten Mal gemeinsam für einen Film verpflichten zu können. Auch der Rest des Casts kann sich mit Milos Forman, Louis Garrel (Die Träumer) und Ludivine Sagnier sehen lassen.
Der Titel Die Liebenden [aktiv lieben] ist übrigens mal wieder eine echt misslungene deutsche Uminterpretation des Originaltitels, da der französische Originaltitel bewusst les bien-aimés [passiv geliebt werden] lautet, ein wesentlicher Unterschied, wie im Film explizit erklärt wird. Der Film versucht Melancholie und Leichtigkeit zu mischen, liefert aber trotz seiner Länge nur beschränkte Einblicke in das Seelenleben der Charaktere. So wird, ohne zu viel zu verraten, beim Todesfall auf Véra fokussiert und die Gefühle von Madeleine fast ausgeblendet. Der Trailer lässt weit mehr Dynamik, Zug und Humor erwarten, als der Film letztlich bietet. Immerhin hat Senator der Versuchung widerstanden, die Chansons einzudeutschen, was allein +10 Prozent wert ist.  Weitere interessante Filme
|
 |
 |
 |
 |
© 2013 MovieMaze.de |
 |
 |
 |
|