Die Fortsetzung der gelungenen Westernkomödie Mein Name ist Nobody, die Damiano Damiani hier in Szene setzen durfte, kann leider in keiner Weise überzeugen. Hier ist weder eine gelungene Dramaturgie zu finden noch eine gute Inszenierung. Da kann selbst Terence Hill, der seine Standartrolle einmal mehr perfekt ausfüllt, nichts mehr ausrichten.
Es ist eine alte und wohl jedem bekannte Regel im Filmgeschäft, dass jeder auch nur halbwegs erfolgreiche Film alsbald eine Fortsetzung spendiert bekommt. So auch Mein Name ist Nobody, in dem Sergio Leone und Tonino Valerii 1973 den Abgesang auf den Italowestern feierten und dabei zumindest die europäischen Kinokassen klingeln ließen. Doch anstatt Valerii und Leone nahm in diesem Prequel nun Damiano Damiani (Warum musste Staatsanwalt Traini sterben?), der sich auch für das Drehbuch verantwortlich zeigte, auf dem Regiestuhl Platz.
Die Grundgeschichte, die Damiani für Nobody ist der Größte aufbietet, klingt im Grundsatz durchaus interessant und vielversprechend. Leider entpuppt sich das Ganze als laue und vorhersehbare Geschichte, die einige Male auf einen Ach wie raffiniert-Effekt abzielt, jedoch dies niemals auch nur ansatzweise erreicht. Doch bevor Damiani überhaupt damit beginnt, diese Geschichte zu erzählen, präsentiert er erst einmal eine Dreiviertelstunde lang ein paar meist unzusammenhängende Episoden, die nur selten mit dem weiteren Film etwas zu tun haben. Einen derart schlechten Erzählstil hat man selten gesehen.
Ähnlich verhält es sich mit der Inszenierung. Damianis Regiestil ist in erster Linie die Imitation von einem Abklatsch eines Italowesterns. Ein wichtiger Teil des Siegeszugs der Italowestern begründet sich auf den spannungsstarken Regiestil, der geprägt von Sergio Leone episch lange Sequenzen so in Szene setzen konnte, dass man die Spannung fast nicht mehr aushielt. Ein wunderbares Beispiel dafür ist der Beginn von Mein Name ist Nobody. Mit einer ähnlichen Szene beginnt auch Damiani, doch ist diese so schlecht umgesetzt, dass es eine Schande ist.
Und leider bleibt Damiani diesem schwachen Stil die gesamten beiden Stunden treu. Dies ist besonders dann schade, wenn sich eine Szene auftut, die wirklich das Zeug für eine denkwürdige Sequenz bieten. Beispielsweise das in keinem Zusammenhang zum restlichen Film stehende Duell zwischen dem von Terence Hill gespielten Nobody und Doc Foster (Klaus Kinski). Die Szene wirkt die gesamte Zeit über wie ein unbeholfenes Nachspielen des Duells in Spiel mir das Lied vom Tod. Da Kinski und Hill es bewiesenermaßen besser können, ist es hier besonders schade, dass die Chance, einen guten Auftakt zu liefern, völlig vertan wurde.
Mit Ausnahme von Terence Hill, der in seiner mittlerweile angestammten Rolle einmal mehr überzeugen kann, passen sich die restlichen Darsteller dem Niveau von Regie und Drehbuch an. Patrick McGoohan, der am ehesten noch als Gefangener Nummer 6 in der Kultserie Nummer 6 bekannt sein dürfte, enttäuscht als nomineller Bösewicht Major Cabot ebenso wie Robert Charlebois (Die Entfesselten) als Lokomotive Bill. Beide wirken die meiste Zeit völlig hölzern und tragen ihren Text reichlich unmotiviert vor. Die Französin Miou-Miou, die es zu zehn César-Nominierungen als beste Hauptdarstellerin gebracht hat und einen Preis für ihre Rolle in Die Ausgebufften sogar mitnehmen durfte, zeigt hier von ihrem Talent ebenfalls recht wenig und verlegt sich weitgehend aufs hübsch aussehen.
Doch die wirkliche Enttäuschung des Films ist wohl Ennio Morricone. Der Mann, der mit seiner Filmmusik schon mehr als einmal Filmgeschichte schrieb und mitunter einen der größten Anteile am Erfolg des Italowesterns hatte, liefert hier einen mehr als seichten Einheitsbrei ab. Wüsste man nicht, dass es sich bei dieser lustlosen Musik um das Werk von Morricone handelt, man würde es nicht glauben.
Letztlich muss man den Film von Damiano Damiani wohl als eine der miserabelsten Fortsetzungen der Filmgeschichte bezeichnen. Denn nicht nur, dass die schwerfällige und vor allem zusammenhanglose Handlung völlig planlos wirkt, auch die Inszenierung und nahezu der komplette Cast wirken völlig laienhaft. Was Co-Regisseur Sergio Leone und Hauptdarsteller Terence Hill geritten hat, ihre Namen und ihr Talent dafür herzugeben, ist in jedem Fall fraglich.