Das Drama Bessere Zeiten von Pernilla August kann durch hervorragende Darsteller überzeugen, doch leider fehlt es der trägen Handlung sowohl an einer wirklichen Struktur als auch an einer glaubhaften Charakterentwicklung, um den Zuschauer letztlich wirklich zu berühren.
Die Schwedin Pernilla August zählt in ihrer Heimat zu den bekanntesten Schauspielerinnen. International dürfte sie wohl vor allem durch ihre Rolle als Shmi Skywalker, Anakins Mutter, in George Lucas' Sternensaga Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung bekannt geworden sein. Mit der Verfilmung von Susanna Alakoskis Roman Bessere Zeiten gibt sie nun ihr Spielfilmdebüt als Regisseurin.
Mit Sicherheit ist Alakoskis Roman kein einfacher Stoff für eine Verfilmung, daher orientiert sich das Drehbuch, das August zusammen mit Lolita Ray schrieb, nur sehr frei an dem Bestseller, was Kenner des Buches wegen der einen oder anderen massiven Änderung vielleicht nicht immer gefallen wird. Doch objektiv betrachtet wäre dies für sich dennoch kein Kritikpunkt, wenn das Drehbuch denn auch funktionieren würde. Doch leider entpuppt sich die von Ray und August zurechtgeschriebene Handlung als ziemlich aussagelose Geschichte, in der nicht gerade viel passiert. Und das, was passiert, ist unspektakulär.
Leena erfährt, dass ihre Mutter im Sterben liegt, fährt gezwungenermaßen mit ihrer Familie zum Krankenhaus und stellt diese dann widerwillig ihrer Mutter vor. Dann fahren Leena und ihre Familie zur Wohnung ihrer Mutter, und Leena geht anschließend doch noch einmal zu ihrer Mutter ins Krankenhaus, schreit sie an und geht wieder zu ihrer Familie. Dort angekommen erfährt sie, dass ihre Mutter gerade gestorben ist - und schon ist der Film um.
Zwischendurch bekommt man immer wieder Szenen aus der Kindheit von Leena zu sehen, allerdings wirken diese zum Teil belanglos (Leenas Schwimmtraining steht in keinem Zusammenhang zum Rest), teils sinnlos (Leena liest mit ihrer Freundin ein Pornoheft, Leena muss nach dem Abendessen bei einer Freundin ihr Glas abwaschen) oder einfach nur irgendwie aus dem Kontext gerissen. Viel erfährt man nicht. Und genau hier liegt der große Kritikpunkt von Bessere Zeiten. August verwechselt emotionale Aufladung mit Handlung und Charakterentwicklung. Hätten die gut gespielten Szenen aus Leena Kindheit durchaus das Potenzial, einen zu berühren, wird dies durch eine offenbar komplette Strukturlosigkeit einfach sinnlos verschenkt.
Die Darsteller machen ihre Sache im Rahmen ihrer Möglichkeiten wirklich hervorragend. Schwedens Topstar Noomi Rapace spielt ihre Figur in all ihren Facetten im Grunde recht gelungen, doch leider krankt ihr Spiel an der sich nicht immer erschließenden Stimmungslage ihres Charakters - weshalb man August hier leider vorwerfen muss, eine erstklassige Darstellerin wohl einfach verschenkt zu haben. Ähnlich verhält es sich bei Tehilla Blad, die hier nach Verblendung, Verdammnis und Vergebung nun zum vierten Mal die junge Version von Noomi Rapace spielt. Blad kann mit ihrer Darstellung vollends überzeugen und könnte gut und gerne als Highlight des Films angesehen werden, doch auch ihr Spiel kann sich, wegen der mehrfach angesprochenen Strukturlosigkeit des Skripts, leider nicht voll entfalten.
Letztlich ist der Film von Pernilla August ein zwar gut gespieltes und hoch emotionales Werk, dem es allerdings deutlich an Struktur und Entwicklung fehlt. So kann Bessere Zeiten im Grunde nur durch seine guten Darsteller begeistern, denen man von Herzen ein besseres Drehbuch gewünscht hätte.