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Cosmopolis

(Cosmopolis, 2012)

Durchschnittliche Redaktionswertung

54%



Inhalt

Eric Packer ist jung, gutaussehend und steinreich. Um einen neuen Haarschnitt zu bekommen, unternimmt der Wirtschaftsspekulant zusammen mit seinem Chauffeur und seinem Leibwächter in seiner Limousine eine gefährliche Fahrt durch New York City. Nicht nur, dass sein Imperium zu zerbrechen droht, auch ein Aufstand verzögert die Reise, und eine noch unbekannte Person trachtet nach Packers Leben.

Kritik

von Markus Müller

Wertung Kritik

37%

Als bekannt wurde, dass David Cronenberg die Hauptrolle in seinem neuesten Film ausgerechnet mit Robert Pattinson besetzen würde, gab es schon im Voraus nicht wenige kritische Stimmen. Doch auch wenn Pattinson offensichtlich nicht in der Lage ist, einen Film im Alleingang zu tragen, ist Cosmopolis unabhängig von seiner Performance derart misslungen, dass dem Twilight-Star unmöglich die alleinige Schuld an diesem Desaster gegeben werden kann. Vielmehr hat sich dieses Mal Cronenberg selbst in vielerlei Hinsicht vergriffen und somit den vielleicht schlechtesten Film seiner Karriere geschaffen.

Bild aus Cosmopolis Als im Jahr 2004 der New Yorker Autor Don DeLillo seinen Roman "Cosmopolis" veröffentlichte, spaltete er damit die Leserschaft: Einige feierten ihn als großartige Kapitalismuskritik, mit, wie sich später herausstellen sollte, regelrecht prophetischen Zügen und hochinteressanten sprachlichen Gestaltungsmitteln; andere störten sich an Handlungsarmut, Langeweile und den eigenwilligen Dialogen. Drei Jahre später beschlossen findige Produzenten den Stoff verfilmen zu lassen und wählten dafür niemand geringeren als den kanadischen Kultregisseur David Cronenberg aus, der sich nach kurzzeitiger Skepsis näher mit dem Buch beschäftigte und daraufhin sofort zusagte.

Besonders gefielen Cronenberg an der Romanvorlage die Dialoge. In das Drehbuch, das er nach eigener Aussage in nur sechs Tagen schrieb, übernahm er diese daher unverändert aus dem Buch und füllte später lediglich die Lücken. Doch leider sind es eben diese Dialoge, die vielleicht die größte Schwäche des Filmes darstellen. Cronenberg soll genau darauf geachtet haben, dass die Darsteller ihren Text unverändert vortragen. Doch nur weil die Dialoge in geschriebener Form funktionieren, heißt das noch lange nicht, dass sie auch gesprochen im fertigen Film überzeugend sind. Tatsächlich wirken sie unnötig gekünstelt, statisch, abstrakt und letztendlich nicht zielführend.

Immer wieder tauchen Nebenfiguren auf, die erst etabliert werden und schließlich in Vergessenheit geraten, ohne dass ein Sinn dahinter deutlich wird. Am ärgerlichsten ist dies bei Sarah Gadon, die auch schon in Eine Dunkle Begierde vor der Kamera stand. Sie ist, trotz der emotionalen Kälte ihrer Figur, ein halbwegs interessanter Charakter und obendrein noch das einzig Schöne am Film. Allerdings erfüllt sie nur die undankbare Funktion, zu zeigen, dass Eric Packer ein irrer Soziopath ist und mit ihr eine emotionslose, merkwürdige "Distanzehe" führt. Dabei bleibt jedoch unerklärlich, wieso die beiden überhaupt geheiratet haben. Wie man später erfährt, hatte es wohl keine finanziellen Gründe und wie sie mehrfach erklärt, hat sie eigentlich auch besseres zu tun, als sich mit einem Arschloch wie Packer abzugeben.

Eine konfuse Geschichte mit einem unheimlichen Szenario ist in der Regel nur dann interessant, wenn zumindest einige Figuren "menschliche" Züge zeigen, mit denen sich der Zuschauer identifizieren kann, die ihn greifbar und sein Erleben teilbar machen. Doch leider kommt eine solche Figur mit Paul Giamattis Benno Levin erst in den letzten Minuten ins Spiel, wo schon alles zu spät ist und der Film bereits ordentlich gegen die Wand gefahren wurde. Bis dahin wirken alle Figuren, vor allem Robert Pattinsons Eric Packer, durch und durch unsympathisch und letzten Endes gar gänzlich entmenschlicht.

Offensichtlich soll dies als Stilmittel fungieren und möglicherweise die Unmenschlichkeit des kapitalistischen Systems aufzeigen. Doch im Grunde ist das platt und albern. Letztlich wird damit keine Wirkung erzielt. Es wird nicht etwa ein satirisches Bild eines Yuppies gezeichnet, wie beispielsweise in American Psycho, und auch keine tiefgreifende Kapitalismuskritik, die sich aus der Reflexion der Handlungen der Protagonisten ergibt, wie es beispielsweise bei Wall Street der Fall ist, vermittelt. Natürlich ist Cosmopolis auch über die reine Kritik am Kapitalismus hinaus vielseitig interpretierbar, jedoch bedeutet Interpretation hier eigentlich nur, die vielen Lücken in der Handlung zu füllen, die das Verständnis des Gezeigten erschweren und zum Teil ganz unmöglich machen. Doch leider ist der Film einfach zu schwach, als dass man sich lange Gedanken machen wollen würde.

Stilistisch erinnert Cosmopolis wieder an ältere Cronenberg-Filme wie eXistenZ oder Videodrome. Dies zeigt sich besonders an der Ausstattung innerhalb der Limousine, in der ein Großteil der Handlung stattfindet, aber auch in den Sexszenen, die teilweise an die realistischen Darstellungen von Crash erinnern, aber insgesamt belanglos und keinesfalls einprägsam sind. Ganz ähnlich verhält es sich mit den Gewaltszenen, die den Zuschauer ebenfalls kalt lassen. Gegenüber den beeindruckend realistischen Gewaltinszenierungen in A History of Violence oder Tödliche Versprechen ist das hier Gezeigte ein gewaltiger Rückschritt: Die wenigen Gewaltspitzen wirken beliebig eingestreut und unnötig; in einer Szene gar abwegig übertrieben, ohne dabei beim Zuschauer spürbare Reaktionen hervorzurufen.

Bei weitem nicht alle Filme Cronenbergs waren Meisterwerke, doch was sie immer abhob, war, dass sie zumindest im Kern innovativ waren und Elemente beinhalteten, die einem lange, wenn nicht gar ewig, in Erinnerung blieben, weil sie faszinierten. Cronenbergs vorheriger Film Eine Dunkle Begierde ließ schon ähnliches vermissen, doch war er insgesamt überzeugend gespielt und zumindest stringent genug umgesetzt, um zumindest in sich schlüssig zu sein und weitgehend rund zu wirken. Davon kann bei Cosmopolis keine Rede sein: Hier funktioniert so gut wie nichts und alle "Highlights" wirken bemüht eingestreut, wie schlecht kopierte Versatzstücke früherer Cronenberg-Werke. Innovative Ideen lassen sich hier und da finden, doch sind diese im Gesamtkontext auch nicht mehr interessant. Nun bliebe die Hoffnung auf einen faszinierenden Showdown, doch leider ist dieser, ohne zu viel verraten zu wollen, auch nur wirr und träge. Aber immerhin gibt es hier einen wirklich guten Schauspieler zu sehen: Paul Giamatti.

Teilweise hat man all den konfusen Momenten und absurden Dialogen das Gefühl, es mit einer Komödie zu tun zu haben, die leider kein bisschen witzig ist. Doch wie mir Cronenberg bei dem Interview zu Eine Dunkle Begierde selbst erklärte, spielen Genres für ihn keine Rolle und er selbst ist der Meinung, dass alle seine Filme in gewisser Weise Komödien seien. Wer seine Filme kennt, wird sich vielleicht sogar über seinen eigenwilligen Humor wundern, kann gleichzeitig aber auch eine Erklärung für Cosmopolis finden, denn mehr als ein schlechter Scherz kann dieser Ausrutscher kaum sein.

Kurzkritik

von Daniel Licha

Wertung Kurzkritik

70%

Dass David Cronenberg ein recht eigenwilliger Regisseur ist, sollte bekannt sein, doch mit Cosmopolis treibt er das Ganze nochmals auf die Spitze. Sein Film ist absolut ungewöhnlich, merkwürdig, interessant und könnte faszinierender kaum sein. Alleine das Setting der Limousine und was er und sein Kameramann daraus machen, ist absolut grandios. Phasenweise wird man richtig eingesaugt und das prächtige Zitatekino trägt da ebenfalls seinen Teil dazu bei. Hervorragend auch Paul Giamatti in einer kleinen, aber umso wichtigeren Rolle. Vermutlich braucht es mehrere Sichtungen, bis sich dem Zuschauer alles erschließt, und auch die eine oder andere Längephase muss sich der Film vorwerfen lassen, aber über weite Strecken ist Cosmopolis fast schon ein Erlebnis, das (sofern man es sehen möchte) unbedingt auf der großen Leinwand gesehen werden sollte ...

Kurzkritik

von Albert Imroth

Wertung Kurzkritik

56%

Es gab dieses Jahr wohl keinen Film, der entweder so leidenschaftlich gehasst oder über den grünen Klee gelobt wurde. David Cronenbergs neuester Streich spaltete die Filmlandschaft. Nur bei einem waren alle sich einig: Cosmopolis ist keine leichte Kost. Trotz allem ist hier etwas Besonderes entstanden, wenn es auch ein einziges großes Problem gibt, was das besonders Gute verhindert: die tonnenschweren Dialoge, die unverändert aus der Romanvorlage von Don DeLillo übernommen wurden. Man kann dem Film auf der technischen Seite wenig vorwerfen. Der Look ist kraftvoll, die Bilder eindrücklich, die Schauspieler (ja, auch Robert Pattinson) überzeugend und die Atmosphäre stimmungsvoll. Es hapert tatsächlich an der Sprache der Figuren, die wie eine Shakespeare-Variation des modernen Finanzjargons anmutet. Und das mag philosophisch sein oder auch einfach heiße Luft, in jedem Fall ist es zuviel, selbst für den intelligenten Kinogänger. Die Sätze ein wenig aufzubrechen, hätte der Kernaussage des Films mitnichten geschadet, man hätte sie sogar den Leuten verständlich mitteilen können. Aber so bleibt Cosmopolis leider nur Hochglanztheater.



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