Unrühmliche Fortsetzung der Komödie Reine Nervensache, die trotz guter Darsteller zu ideenlos und abgedroschen daherkommt.
Nach dem großen Erfolg der Komödie Reine Nervensache im Jahre 1999 war es fast unabdingbar, eine Fortsetzung zu drehen. Dabei stand wie so oft der kommerzielle Gedanke im Vordergrund und überschattete alle inhaltlichen Aspekte. Wenn man sich nämlich etwas genauer mit dem Erfolg des ersten Teils auseinandersetzt, wird man feststellen, dass der Film in ersten Linie wegen der skurrilen Grundidee, des psychisch angeknacksten Mafiabosses beim Psychiater, funktionierte. Den Rest erledigten die beiden Hauptdarsteller Robert De Niro und Billy Crystal in hervorragender und unnachahmlicher Manier. Die Frage ob diese Grundidee und die beiden Charaktere genug für eine Fortsetzung hergeben, war demnach mit einem großen Fragezeichen versehen. Wie viele sicherlich schon vermuten, lautet die Antwort auf diese Frage nein. Den Beweis dazu erbringt Harold Ramis, der Macher des ersten Teils, höchstselbst und präsentiert uns Reine Nervensache 2
. Die Fortsetzung beginnt für Mafiaboss Paul Vitti dort, wo sie im ersten geendet hatte: im Knast. Obwohl das gesamte Gefängnis vor ihm kuscht, fühlt er sich nach ein paar Attentaten nicht sicher und täuscht einen Nervenzusammenbruch vor. Selbstverständlich fallen alle auf die Show herein und so wird der Mafiosi in die Obhut seines früheren Psychiaters Ben Sobel übergeben. Somit sind die beiden wieder mehr oder weniger glücklich vereint und das Spielchen kann beginnen. Nach den üblichen Therapiestunden versucht Ben einen passenden Job für Paul zu finden, um in zu resozialisieren. Letztendlich landet er als Berater bei der Mafia-Serie Little Ceaser und gibt dort dem Hauptdarsteller ein paar Nachhilfestunden.
Der Charakter Paul Vitti hat sich im Vergleich zu Reine Nervensache ein wenig gewandelt und ist nicht mehr der Waschlappenmafiosi, der zum Aggressionsabbau ins Kissen ballert. Er ist wieder ein gestandener Mann mit wenig Hirn, dicken Eiern und schlagkräftigen Argumenten. Mit dem Umstand, dass ihm jemand nach dem Leben trachtet, geht er erstaunlich locker um und beschäftigt sich vielmehr damit, ob er jetzt aus dem Geschäft aussteigen soll oder vielleicht doch zur Familia zurückkehrt. Psychiater Ben Sobel hingegen bräuchte eigentlich ein wenig Zeit für sich selbst, um über den Tod seines Vaters hinwegzukommen. Doch schon am Tag nach der Beerdigung steht der gute Paul Vitti auf der Matte und gibt Ben gar nicht die Zeit, seine eigenen Probleme zu bewältigen. Dementsprechend wird Ben im Verlaufe des Films immer weinerlicher und aufgekratzter.
Auch wenn sich die Charaktere Paul Vitti und Ben Sobel ein wenig geändert haben, so sind die Dialoge zwischen den beiden weitestgehend noch die selben. Damit möchte ich Robert De Niro und Billy Crystal keineswegs ihre guten Leistungen absprechen, sondern nur deutlich machen, dass ihre Figuren einfach verbraucht sind. Das alte Konzept funktioniert vor allem am Anfang von Reine Nervensache 2 noch ganz gut, nutzt sich aber im weiteren Verlauf des Films extrem schnell ab. Vor allem ab Mitte des Films verlaufen mehr und mehr Pointen im Sand oder zünden überhaupt nicht. Gerade an diesen Stellen merkte man dem Film schwer an, dass es einfach an frischen Ideen und Gags mangelte. Zum weiteren Leidwesen des Films wurde Laura Sobel, gespielt von einer herrlich komischen Lisa Kudrow, viel zu wenig ins Geschehen eingebaut. Denn im Gegensatz zu unserem Duo, wurden all ihre Auftritte mit einem Lacher belohnt.
Wären die Charaktere wenigstens in eine ordentliche Geschichte gebettet, könnte sich das Resultat zumindest bin bisschen sehen lassen. Doch auch die Story strotzt vor Ideenlosigkeit und geht teilweise seltsame Wege. Beispielsweise ist zu Beginn des Film das FBI präsent und verspricht sich von einem freien Paul Vitti nützliche Erkenntnisse im punkto Mafia. Doch dieser Handlungsstrang wird völlig fallengelassen und taucht nur noch sporadisch im Film auf. Auch das Storyelement Little Ceasar, quasi die Serie im Film, ist auch nicht frisch aus dem Ei gepellt und mittlerweile irgendwie abgenudelt. Es ließen sich noch zig andere Beispiele für die Unzugänglichkeiten von Reine Nervensache 2 nennen, doch wir wollen es an dieser Stelle dabei bewenden lassen und katalogisieren die Komödie als schlechte und vor allem unnötige Fortsetzung.