Der Drive- und Pusher-Regisseur Nicolas Winding Refn inszenierte 2003 mit Fear X einen Mystery-Thriller, dessen Umsetzung stark an David Lynch erinnert. Doch eben diese Gestaltung ist technisch und atmosphärisch überzeugend, und so weiß Fear X besonders auf der gestalterischen Ebene zu gefallen. Leider kann er damit die dramaturgischen Defizite nicht komplett abfangen. Für Fans von Refn und Lynch trotz einiger Schwächen sehenswert.
Der Däne Nicolas Winding Refn dürfte spätestens seit Drive jedem Filmfan ein Begriff sein. Doch schon Jahre zuvor sorgte er mit seiner Pusher-Trilogie für Aufsehen und fand nicht zuletzt auch durch seinen gelungenen Bleeder zahlreiche Fans. Zwischen seinem gefeierten Erstlingswerk, Pusher, und eben Bleeder, die beide dänische Produktionen waren, drehte er Fear X fernab der Heimat und mit einem zum größten Teil amerikanisch-kanadischen Cast.
Fear X fällt insgesamt ein wenig aus der Reihe der anderen Refn-Werke. Dies bezieht sich nicht nur darauf, dass er praktisch keine exzessiven Gewaltdarstellungen beinhaltet, viel mehr wirkt er wie eine einzige Hommage an David Lynch. Ausleuchtung, Kameraarbeit, Schnitt, mysteriöse, fast schon surreale Elemente, kurze Ausflüge in abstrakte Bildwelten: All dies dominiert Fear X und könnte ebenso gut auch aus Lost Highway stammen. Dennoch erreicht Fear X bei weitem nicht die Qualität von Lynchs Werken; dafür sind die Figuren nicht interessant und die Überraschungen nicht spektakulär genug. Atmosphärisch kann er, wenn man den Vergleich weiterhin bemühen will, jedoch über weite Strecken mithalten. Leider schafft es Refn jedoch nicht, die Spannung konstant aufrecht zu erhalten. Überhaupt hat Fear X mit Bronson und Walhalla Rising vor allem die größte Schwäche gemeinsam: Nach der relativ dünnen Geschichte ist der Zuschauer zwar um viele beeindruckende Bilder reicher, aber im Grunde so schlau wie vorher und weiß nicht so recht, was ihm der Film eigentlich vermitteln wollte.
John Turturro, der einigen vor allem aus dem Umfeld der Coen-Brüder, besonders aus seiner Hauptrolle in Barton Fink bekannt sein dürfte, trägt Fear X praktisch im Alleingang. Mit ihm wurde zweifellos ein absolut passender Darsteller gefunden. Turturro weiß zu gefallen, jedoch fällt es ihm teilweise auch etwas schwer, mit seiner eher eindimensionalen Figur das Interesse des Zuschauers über die komplette Spielzeit bei sich zu halten. Man hat schon überzeugendere Männer gesehen, die über den Verlust ihrer Frau und unheimliche Geheimnisse um ihren Tod nicht hinwegkamen und die Wahrheit ans Licht bringen wollten.
An sich wäre Fear X trotz seiner Schwächen ein wirklich sehenswerter Film, doch leider ist das Ende eher unbefriedigend. Vielleicht hätte ein kleiner Geniestreich in den letzten Minuten dem Film ein anderes Schicksal beschert, als das traurige, das ihn letztlich ereilte: Fear X floppte und geriet regelrecht in Vergessenheit. Dies hatte zur Folge, dass er nie die deutschen Kinos erreichte und erst nach fast zehn Jahren überhaupt auf DVD erschien. Das ist doch ein wenig zu hart, denn zumindest für Fans von Refn und Lynch ist Fear X empfehlenswert - und von denen gibt es wirklich genug.