Der Film von Marcus O. Rosenmüller erinnert ein wenig an einen alten, kaputten Gebrauchtwagen, der nur mit Anschieben und gutem Willen die Fahrt vom Gebrauchtwagenhändler schafft, allerdings so schön geputzt und lackiert wurde, dass man auf den ersten Blick glaubt, ein gutes Geschäft beim Kauf machen zu können. So bietet der Krimi zwar ein paar wunderbare Bilder, doch leider ist die Handlung derart unsinnig, langweilig und wirr, dass man nach dem Abspann mit der Frage zurückbleibt: Was sollte der ganze Quatsch jetzt eigentlich?
Nachdem sich Marcus O. Rosenmüller, im Übrigen nicht zu verwechseln mit Wer früher stirbt ist länger tot-Regisseur Marcus H. Rosenmüller, sich einige Jahre für die Regie von Musikvideos und die Produktion von Fernsehshows wie beispielsweise Bravo TV verantwortlich zeigte, folgte im Jahr 2000 sein hier vorliegendes Spielfilmdebüt Der tote Taucher im Wald. Hierbei liefert Rosenmüller ein wunderbares Beispiel dafür ab, dass der in den letzten Jahren in Hollywood aufgekommene Gedankengang, dass Musikvideoregisseure sich auch per se für Spielfilme eigenen, ein ziemlicher Trugschluss ist.
Zwar hätte die Geschichte von einem Toten in Tauchermontur, eine Internetlegende, die bereits in Paul Thomas Andersons Magnolia oder auch in dem 1989 erschienen (und vor kurzem verfilmten) Roman von Mordecai Richler Barney's Version Verwendung fand, durchaus das Zeug für einen unterhaltsamen Film gehabt. Doch die Handlung, die Rosenmüller um das Rätsel des toten Tauchers im Wald konzipierte, ist, gelinde gesprochen, völlig miserabel. Es ist nicht wirklich erkennbar, was Rosenmüller hier eigentlich tatsächlich produzieren wollte. Ein Krimi ist es nicht geworden, denn das gesamte Thema der Mördersuche tritt die meiste Zeit über völlig in den Hintergrund. Auch eine kleine Lovestory kommt darin vor, doch auch diese wirkt nur irgendwie beiläufig und ziellos, und wird, vielleicht auch deswegen, die gesamte Zeit reichlich stiefmütterlich behandelt. Was bleibt, wäre noch ein Blick hinter die Fassade der heilen Provinzwelt - doch auch das wird aus heiterem Himmel mal angeschnitten und dann nie mehr weiterverfolgt.
Am ehesten ist Der tote Taucher im Wald vermutlich Comedy - nur ohne Lacher. Dies liegt wohl in erster Linie an der Figurenzeichnung, die, so wohl Rosenmüllers Plan, allein durch ihre skurrilen Charaktere das Interesse an der seichten Handlung bestehen lassen soll. Doch eine Konzentration auf die Figurenzeichnung funktioniert nur dann, wenn die Figuren nicht durch die Bank weg stereotyp, hohl und nervig wirken. Hauptdarsteller Jens Schäfer bleibt als Tobias Kutschke den gesamten Film über blass, dies ist allerdings nicht nur auf seine völlig belanglose Rolle zurück zu führen, die ihn weitgehend aufs traurig Schauen festlegt, sondern auch wegen seines völlig farblosen Spiels.
Dieter Pfaff wirkt als dauerhaft schlecht gelaunter Konrad Hartwich ebenfalls völlig daneben und schablonenhaft, da hilft es auch nicht, dass zweimal im Film erwähnt wird, dass er schwer krank sein soll. Dennoch muss man ihm immerhin zugestehen, dass er sich wenigstens bemüht, etwas aus seiner Rolle zu machen. Gleiches gilt für den restlichen Cast um Uwe Ochsenknecht, Axel Milberg und Niki Greb, deren Spiel weniger am Einsatz, als an den völlig sinnfreien Dialogen und Handlungen krankt. Die Krone der Albernheit bilden allerdings die Auftritte von Talkmaster Johannes B. Kerner und Ex-Pornostar Gina Wild alias Michaela Schaffrath, deren schlechtes Spiel nur noch von der Sinnlosigkeit ihrer Rollen übertroffen wird.
Dazu könnte man beim Inhalt noch die unzähligen Logikfehler aufzählen, bei denen die Frage, warum es in einem Kaff, in dem es noch nie einen Mord gab, einen eigenen Gerichtsmediziner gibt, nur der Anfang wäre. Doch es sollte bis hier bereits deutlich geworden sein, dass das Drehbuch zu Der tote Taucher im Wald kompletter Schwachsinn ist. Allerdings scheint die Handlung für Rosenmüller auch nie das Kernthema seines Films gewesen zu sein. Vielmehr ging es ihm allem Anschein nach um die Form, die sich als eine seltsame Mischung aus dem dunklen Stil von Akte X und einem psychedelischen Montagestil samt Technomusik entpuppt. Die Bilder sehen auch tatsächlich gut aus - nur wollen sie leider in keiner Weise mit der Musik oder gar mit dem Inhalt zusammenpassen.
Marcus O. Rosenmüller zeigt mit Der tote Taucher im Wald letztlich also schöne Bilder - allerdings mit einem dazu nicht ganz passenden Regiestil und einer Geschichte, die in ihrem wirr-albernen, wohl aber leider erst gemeinten Stil die Grenze zum völligen Nonsens weit überschreitet. Falls dieser Film überhaupt zu etwas gut ist, dann als Beispiel, wie man einen Film auf jeden Fall nicht machen sollte.