Geld kauft einem alles, auch die Lizenz zum Töten. Narzisstische Millionäre legen in diesem charmanten B-Movie ordentlich Kohle auf den Tisch, um in einem Krisengebiet Söldner spielen zu dürfen. Dass das nicht gut gehen kann, ist vorhersehbar, und so obliegt es einem so lässigen wie unernsten Christian Slater, die Kohlen aus dem Feuer zu holen.
Inzwischen entdeckt man immer öfters Bruce Willis auf DVD-Covern von Filmen, die einem unbekannt sind. Das liegt daran, dass sie nie im Kino liefen. Der Heimkinomarkt boomt, und für das schnelle Geld lassen sich auch bekannte Gesichter für Produktionen gewinnen, die sie Mitte der 1990er wohl nicht angenommen hätten. B-Movies mit ehemaligen A-Movie-Stars ist die Devise. Nun lässt sich darüber streiten, ob Christian Slater, Sean Bean, Ving Rhames, Dominic Monaghan, James Cromwell und Colm Meaney jemals A-Liste-Schauspieler waren, aber kann ein B-Movie mit dieser Horde Männer wirklich schlecht sein? Natürlich nicht.
Soldiers of Fortune schickt sich dabei an, der DTV-Actionfilm zu sein, den Paul Verhoeven nie gedreht hat. Bei entsprechendem Vermögen können sich hier die Schönen und Reichen einen Platz in dem Soldiers of Fortune Adventure Programme sichern, das sie in ein Krisengebiet schickt und unter Personenschutz Krieg spielen lässt. Sogar einen in bester Verhoeven-Manier gedrehten Werbeclip gibt es zum Ende des ersten Akts, der damit lockt, für Freiheit und Frieden zu sorgen, während die Freunde mit ihrer jüngsten Kreuzfahrt in der Karibik prahlen. Und das Beste ist: Der ganze Spaß ist auch noch von der Steuer absetzbar!
Christian Slaters Elitesoldat willigt nun ein, als Leiter dieses Programms zu agieren, weil sein bester Freund die Hypothek seines Hauses nicht mehr bezahlen kann. "Fucking banks, they took everything", jammert Freddy Rodriguez und beklagt zugleich: "There's no work here, man". Beide wurden unehrenhaft aus der Armee entlassen, weil Rodriguez in Taliban-Gefangenschaft geriet und Slater ihn befreite. Vom System total im Stich gelassen, machen sie nun also wider Willen beim SFAP mit, das eine Handvoll Millionäre einen osteuropäischen Diktator auf einer kleinen Insel im Schwarzen Meer bekämpfen lässt.
Sie wiederum sind eine illustre Runde, vom Killerspielprogrammierer Dominic Monaghan über den Wallstreet Banker Charlie Bewley bis hin zum Waffenhändler Ving Rhames. Ihre Begründung, warum sie ein Vermögen dafür ausgeben, um unter Lebensgefahr Menschen zu töten, ist wenig glaubwürdig, aber auch nur Vorwand für eine jeweils individuelle Agenda, die jeder von ihnen im Filmverlauf preisgibt. Wie angesichts der Prämisse zu erwarten ist, geht natürlich alles schief und aus vermeintlichem Spaß wird Ernst, als Slater und Co. auf sich allein gestellt sind und Colm Meaney als des Bösewichts Handlanger die Schlinge enger zieht.
Wer nicht allzu viel von Soldiers of Fortune erwartet, kann dann durchaus Spaß daran haben, wenn Slater mit seiner sichtlich aus Plastik gefertigten Waffe Purzelbäume durch die Landschaft schlägt und das restliche Ensemble hinter den Masken seiner Rollen verschwindet. Dank der an Klischees orientierten Figurenzeichnung lässt sich bisweilen sogar das Drehbuch im Voraus mitsprechen. Was anderswo ein Makel wäre, lässt sich einem B-Movie jedoch kaum vorwerfen. Noch weniger einem solchen, das eine derart illustre Runde von bekannten Gesichtern vereint oder solch erinnerungswürdige Figuren einführt wie Magda. Magda ist die Diktatorentochter und "pure evil", wie Slater von seinen Auftraggebern in herzlichem osteuropäischem Akzent versichert wird.
90er-Jahre-Hollywood-Star Slater spielt seinen Part gewohnt lässig runter, ähnlich wie die anderen. Lediglich Sean Bean wirkt etwas lustlos, wohingegen James Cromwell als Akteur alter Schule mit vollem Engagement zu Höchstform aufläuft. Und weil sich Soldiers of Fortune im Allgemeinen und Slater im Speziellen im Gegensatz zu anderen Filmen wie Special Forces zu keinem Zeitpunkt Ernst nimmt, geht der Film dank seines B-Movie-Charmes letztlich vollkommen in Ordnung.