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Antwone Fisher

(Antwone Fisher, 2002)

Dt.Start: 12. Juni 2003
DVD: 11. Februar 2004
Premiere: 12. September 2002 (Toronto Film Festival, Kanada)
FSK: ab 6 Genre: Drama
Länge: 120 min Land: USA
Darsteller: Derek Luke (Antwone Fisher), Joy Bryant (Cheryl Smolley), Denzel Washington (Jerome Davenport), Salli Richardson (Berta), Earl Billings (James), Kevin Connolly (Slim), Viola Davis (Eva), Rainoldo Gooding (Grayson), Novella Nelson (Mrs. Tate), Yolonda Ross (Nadine), Kente Scott (Kansas City), Stephen Snedden (Berkley)
Regie: Denzel Washington
Drehbuch: Antwone Fisher


Inhalt

Aufgrund zahlreicher Gewaltausbrüche muss der Matrose Antwone Fisher den Navy Psychologen Dr. Jerome Davenport aufsuchen, der ein Gutachten über den hitzköpfigen Seemann erstellen soll. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten öffnet sich der junge Mann seinem Psychiater und gewährt ihm Einblicke in sein Seelenleben. Gemeinsam versuchen die beiden Männer den Grund für Fishers Aggressionen heraus zu finden, ein Prozess, aus dem schließlich ein inniges Vertrauensverhältnis erwächst.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Antwone Fisher hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 78%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Thomas Brendel
Antwone Fisher hat eine Wertung von 78%
Denzel Washingtons Erstlingswerk überzeugt nicht nur durch die routinierte Inszenierung einer herzergreifenden Geschichte, sondern auch durch Derek Lukes beeindruckendes Schauspieldebüt.

Bild aus Antwone Fisher Antwone Fisher (Derek Luke) ist ein tüchtiger Seemann mit einem ungewöhnlich hohen Aggressionspotential, der bereits bei kleinsten Provokationen sofort an die Decke geht und auch bei scheinbar unbedeutenden Streitereien lieber die Fäuste sprechen lässt, anstatt das Problem auf verbale Art und Weise zu lösen. Aufgrund seiner enormen Gewaltbereitschaft ist Antwone seinen Vorgesetzen schon seit geraumer Zeit ein Dorn im Auge, und so wird er nach einer erneuten Schlägerei zu Dr. Jerome Davenport (Denzel Washington), dem hiesigen Navy Psychologen geschickt, der die Ursache für Antwones Verhalten ergründen soll. Natürlich verschließt sich der junge Matrose zunächst seinem Psychiater, doch als dieser ihm klar macht, dass er die von unendlichem Schweigen gekennzeichneten Sitzungen bis in alle Ewigkeit abhalten wird, falls Antwone nicht zumindest dreimal Kooperationsbereitschaft zeigt, beginnt der Junge sich schließlich langsam zu öffnen und über seine Probleme zu sprechen. Wie sich bald herausstellt, war Antwones bisheriges Leben von allerlei schrecklichen Erlebnissen gekennzeichnet, bereits in jungen Jahren verlor er seine Eltern, wuchs daraufhin bei einer Pflegefamilie auf, die ihn schwer misshandelte und musste zu allem Überfluss mit dem Tod seines besten Freundes fertig werden.

Im Laufe der folgenden Wochen entwickelt sich zwischen den beiden Männern ein von großem Vertrauen geprägtes Verhältnis, das in seiner Entstehungsgeschichte und seinem Wesen sehr stark an die Beziehung zwischen Matt Damon und Robin Williams in Good Will Hunting oder auch die zwischen Rob Brown und Sean Connery in Forrester - Gefunden erinnert. Der Schwerpunkt dieses Films liegt jedoch nicht so sehr auf einer Bewältigung der Vergangenheit, sondern eher auf den sich daraus ergebenden Auswirkungen auf die Gegenwart. In Davenport hat Antwone eine Art Vaterfigur gefunden, einen Menschen, mit dem er über intime Dinge sprechen kann und der ihm in schwierigen Situationen mit Rat und Tat zur Seite steht, was natürlich einen äußert positiven Einfluss auf seine noch nicht vollständig geformte Persönlichkeit und somit auch auf sein soziales Verhalten hat. Doch Davenport ist nicht der einzige wichtige Mensch, den der temperamentvolle Jungspund in dieser Phase seines Lebens kennenlernt. In der hübschen Cheryl (Joy Bryant) sieht der sexuell unerfahrene Antwone erstmals eine Frau, für die er mehr als nur freundschaftliche Gefühle empfindet. Mit Hilfe von Davenports Ratschlägen gelingt es ihm auch, seinen Empfindungen Ausdruck zu verleihen und seine Angebetete für sich zu gewinnen. Durch die Beziehungen zu Davenport und Cheryl ist es Antwone möglich, das bisher fest verschlossene Tor zu seiner schrecklichen Vergangenheit zu öffnen und sich mit den darin vergrabenen Erinnerungen auseinander zusetzen. Doch Antwone kann dieses düstere Kapitel erst dann entgültig abschließen, wenn er seine Familie oder zumindest den noch lebenden Teil davon auffindet. Der letzte Abschnitt des Films beschäftigt sich daher mit eben jener Suche nach Antwones Verwandten, die schließlich in einem emotionsgeladenen Finale endet, das einem trotz des hohen Kitschfaktors zu Herzen geht.

Ähnlich märchenhaft wie der Schluss des Films ist auch seine Entstehungsgeschichte. Der echte Antwone Fisher war bei den Sony Studios als Sicherheitsbeamter beschäftigt, als er einem Vorgesetzten aus seinem ereignisreichen Leben erzählte. Nachdem die Geschichte des Antwone Fisher innerhalb des Studios die Runde machte, wurde ihm eines Tages nahegelegt, sein Leben in Form eines Drehbuchs niederzuschreiben. Dieses landete schließlich auf dem Schreibtisch des begnadeten Denzel Washington, der in Fishers autobiografischer Erzählung den perfekten Stoff für seine erste Regiearbeit sah. Dessen Interesse an diesem Script ging sogar so weit, dass er satte zwei Millionen Dollar aus eigener Tasche für die Verwirklichung dieses Projekts zur Verfügung stellte. Dass Denzel Washington ein absoluter Ausnahmeschauspieler ist, der sich scheinbar mühelos jede noch so schwierige Rolle aneignen kann, hat er bereits bei zahlreichen Gelegenheiten unter Beweis gestellt. Mit Antwone Fisher demonstriert er eindrucksvoll, dass er auch als Regisseur einiges zu bieten hat. Natürlich lies es sich der oscarprämierte Mime nicht nehmen, eine der Schlüsselfiguren der Geschichte selbst zu verkörpern, doch ist sein Spiel passend zur Inszenierung des Films zwar grundsolide und routiniert, aber dennoch stets zurückhaltend. Damit gibt er Newcomer Derek Luke den nötigen Freiraum für seine Darstellung des Antwone Fisher und der dankt es ihm mit einer wahrhaft tadellosen Leistung, die zu keinem Zeitpunkt erahnen lässt, dass der junge Mann hier sein Leinwanddebüt absolviert.



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