Regisseur Edward Boase und Drehbuchautor James Walker vermeiden es, mit ihrem Film durch ihren Möchtegern-Dokumentarstil und die schwache Regiearbeit auch nur die Spur von Spannung aufkommen zu lassen. So vermag es Boases Regiedebüt leider in keiner Weise, der ergiebigen Grundidee auch nur im Ansatz gerecht zu werden.
Es gab in der Filmgeschichte bereits einige Werke, die sich mit dem Gedanken befassten, dass die Jagd auf Menschen nur die logische Steigerung der "normalen" Jagd ist. Mal in Form eines Abendteuer-Thrillers, wie in Ernest B. Schoedsacks Graf Zaroff - Genie des Bösen, mal als nahezu reiner Actionfilm, wie in Ernest R. Dickersons Surviving the Game - Tötet ihn!, oder auch als Betrachtung der menschlichen (physischen wie psychischen) Hilfslosigkeit, wie beispielsweise in Peter Collinsons Open Season - Jagdzeit. Regiedebütant Edward Boase versucht nun, die bekannte Ausgangslage auf eine moralische Ebene mit der Betrachtung des Extremismus zu stellen.
Leider ist ihm und seinem Drehbuchautor James Walker das Ganze reichlich misslungen. Denn die Handlung wirft, trotz anfänglicher Beteuerung, keinerlei moralische Fragen auf und unterteilt von Anfang an in reines Schwarz und Weiß. Auf der einen Seite gute Jägersleute, die auch trotz gesetzlichen Verbots zu ihrer Überzeugung stehen, und auf der anderen skrupellose militante Tierrechtler, denen das Drehbuch im Gegensatz zu der Jägergruppe keine Möglichkeit zur Rechtfertigung zugesteht, weshalb man die harsche Kritik an Boases seitens PETA zumindest teilweise nachvollziehen kann.
Doch nicht nur dem eigenen Anspruch wird Freiwild - Zum Abschuss freigegeben nicht gerecht. Auch nach allgemeinen Maßstäben ist der Film schlicht und ergreifend schlecht. Die erste halbe Stunde passiert nicht viel, außer dass eine für den weiteren Verlauf der Handlung weitgehend unnötige Information nach der anderen ausgegeben wird. Dies geschieht dann leider auch noch rein verbal, ohne das Ganze auch nur durch irgendeine Szene zu unterstützten. Diese im Grunde völlig langweilige und sinnlose erste halbe Stunde ist bei einem Film, der lediglich 77 Minuten geht, durchaus sehr bemerkenswert und zeugt von einem völligem Versagen von Drehbuchautor und Regisseur.
Doch auch danach wird es nicht besser. Wer hier spannende Jagdszenen erwartet, den enttäuscht der Film dann wohl ebenso wie all jene, die wenigstens noch auf einen gewissen Splatterfaktor gesetzt hatten. Außer, dass man ein paar Minuten ein paar Menschen in Unterwäsche durch das schottische Hochland laufen oder auf einem Berg stehen sieht, passiert im Grunde nichts.
Auch die Regie ist nicht besser und präsentiert die ganze schwache Drehbuchkonstruktion auch noch als Pseudodokumentation mit ständig eingeblendeten "Interviews" der Helden. Diese erreicht dabei nicht einmal das Niveau der Pseudodokumentationen des Vorabendfernsehens, welche die Messlatte ja nicht gerade hoch stecken. Diese Regieentscheidung ist es, die den Film am Ende richtig kaputt macht. Denn durch das dauerhafte Einblendenden von vier der fünf Protagonisten ist bereits von Beginn an klar, dass diese wohl körperlich keinen Schaden nehmen werden.
Letztlich kann der Film von Edward Boase schlicht und ergreifend in keinem Punkt überzeugen, denn sein Werk ist voll mit völlig unsinnigen Monologen, die er als Interviews tarnt, und bietet dabei keine einzige spannende Szene. Im Grunde hangelt sich Freiwild - Zum Abschuss freigegeben einzig und allein von einer langatmigen Sinnlosigkeit zu der nächsten, weshalb jeder, der sich für die Thematik der Menschenjagd interessiert, wohl deutlich besser mit einem der eingangs erwähnten Filme bedient sein wird.