Mads wollte vom Leben ursprünglich mehr. Zehn Jahre später ist er in einer bürgerlich-nivellierten Existenz angekommen, samt Frau, die sich nun endlich auch ein gemeinsames Kind wünscht. Nachwuchs stand allerdings auf Mads' Agenda überhaupt nicht drauf. Und eigentlich hat er auch so gar nichts gemeinsam mit seiner Frau, fällt ihm plötzlich auf. Die Wahrheit über Männer enthüllt wenig Neues über den modernen Adam. Stattdessen begleitet dieses triviale Alltagsmärchen einen Allerweltscharakter auf seinem Selbstfindungstrip. Intelligent und mit Charme inszeniert, hangelt sich die Geschichte entlang einer wenig aufgeregten Handlung - mit einigem an Spiegelpotenzial.
This is not a Lovestory. Dabei begann es wie eine, wie bei vielen anderen auch. Seit nunmehr zehn Jahren sind Mads (Thure Lindhardt) und Marie (Tuva Novotny) ein Paar. Zehn Jahre, die wie im Fluge vergangen sind. Vor allem Mads fragt sich, wo die Zeit und seine Träume blieben. Als sie zusammenziehen und Marie sich ein Kind von Mads wünscht, wirkt nach außen alles wundervoll harmonisch, doch Mads ist an einem Punkt angelangt, der nur noch einen Weg offen lässt. Kurzerhand trennt er sich von Marie und schmeißt auch seinen Job hin, um einen Neuanfang zu wagen. Eine Art Reboot des eigenen Ichs muss her, um die verlorengegangenen Ideale wieder zu finden.
Schließlich wollte Mads ursprünglich unvergleichliche Drehbücher für Filme schreiben, welche die Menschen tief berühren sollten; zu einem Achtungserfolg mit der Story zu einem coolen Animationsfilm hat er es immerhin gebracht, dann ist er aber für viele Jahre in der Hölle der Storyliner und Dialogschreiber für eine Soap versackt. Das wird sich nun ändern; es heißt: back to the roots und das Leben wieder richtig gerockt. Zuerst fühlt sich Mads in der neu- oder wiedergewonnenen Freiheit pudelwohl, die Zeit vergeht aber, und sein Projekt schreitet nicht voran. Vielleicht hat er die Vergangenheit zu stark verklärt oder es liegt einfach daran, dass man mit Anfang 30 die Zeit Anfang 20 nicht einfach noch einmal reproduzieren kann. Eine Reihe locker-flockige Affären scheint da auch nicht der Weisheit letzter Schluss.
Jungs bleiben immer Jungs, sind ewige Kindsköpfe, haben akute Nestbaupanik, streifen lieber als Liebesnomaden oder Lone-Ranger-Verschnitte durch die Welt und schwafeln ewig von dem einem großen Ding, dass sie im Leben noch zu verwirklichen haben. Auf dieser nicht wirklich neuen Plattitüde setzt Nicolaj Arcels Tragikkomödie Die Wahrheit über Männer auf; allerdings mit einem durchaus gewinnenden Antihelden, einer ordentlichen Portion Charme und süffisanter Ironie sowie der ausgesprochen originellen Idee, den Protagonisten, der seines Zeichens Drehbuchautor ist, das eigene Leben aus der Sicht eines Storyboarders kommentieren zu lassen.
Wie entsteht ein Plot, wie werden Charaktere etabliert und wie sorgt man für einen gelungenen dramaturgischen Aufbau? Der Zuschauer lernt mit dieser Film-im-Film-Idee ganz beiläufig viel darüber, wie eine Geschichte cineastisch korrekt aufbereitet wird, während der Protagonist in seinem Leben umherstolpert. Etwas wirklich Außergewöhnliches passiert währenddessen nicht. Die Handlung verfängt sich im Trivialen: Larger than Life ist hier eindeutig nichts. Mag sein, dass genau diese Authentizität - so ganz mitten aus dem Leben - die ausgesprochene Stärke von Die Wahrheit über Männer darstellt, doch der Streifen läuft damit, trotz seines kreativen Inszenierungskniffs, auch Gefahr, an der Banalität der Leidensgeschichte-Light des Filmhelden zu versanden.
Glücklicherweise beherzigten die Macher die Regeln der Dramatik, die im Vorhinein als selbst erfüllende Prophezeiung immer wieder die Eichkurve des Geschehens waren, und vergaßen in den entscheidenden Augenblicken nicht, Plotpointen zu produzieren, die dem Nivellierungsgrad der unaufgeregten Handlung ein paar Spitzen entlockt. Simpel ausgedrückt: Ein paar kuriose Wendungen retten den Zuschauer davor, sich im Kinosessel Morpheus Umarmung hinzugeben. Und das nicht etwa, weil das alles so langweilig oder gar humorlos gestaltet wäre, sondern schlichtweg aus dem Grund, dass es sich um eine Allerweltsgeschichte handelt, die genauso gut vom Nachbarn beim gemeinsamen sonntäglichen Grillabend zum Besten gegeben hätte werden können.