Der Dieb der Worte vereint ein äußerst vielversprechendes Darstellerensemble mit einer verschachtelten, aber dennoch übersichtlichen Erzählweise. Das ist dramaturgisch interessant, wirkt aber streckenweise zu konstruiert.
Im Jahre 2009 erschien mit Lila, Lila ein deutscher Film, in dem Daniel Brühl einen jungen Mann spielt, der ein gefundenes Manuskript unter seinem Namen veröffentlicht. Vier Jahre später kommt mit Der Dieb der Worte eine erstaunlich ähnliche Geschichte in die Kinos; dieses Mal besetzt mit zahlreichen Hollywoodstars. Das Regiedebüt von Brian Klugmann und Lee Sternthal muss sich also leider nicht ganz unberechtigt Ideenklau vorwerfen lassen. Allerdings kann man fairerweise einräumen, dass die Idee um ein gefundenes Manuskript, das unter eigenem Namen veröffentlicht wird, nicht so originell ist, dass man nicht von selbst darauf kommen könnte und somit möglicherweise die Parallelen zu Lila, Lila zufällig sind.
Das Charakteristische bei Der Dieb der Worte ist letztlich nicht einmal so sehr die Geschichte, sondern mehr die durchaus interessante, verschachtelte Erzählstruktur: In der Rahmenhandlung stellt der erfolgreiche Schriftsteller Clay Hammond (Dennis Quaid) sein neues Buch Der Dieb der Worte vor und wird dabei von der verführerischen Danielle (Olivia Wilde) mit recht offensichtlichen Hintergedanken beäugt. Sein Buch erzählt die Geschichte des jungen, erfolglosen Schriftstellers Rory Jansen (Bradley Cooper), der zusammen mit seiner Frau Dora Jansen (Zoe Zaldana) auf den ersten großen Erfolg hofft und sich dafür letztlich des gefundenen Manuskripts eines alten Mannes (Jeremy Irons) bedient. Diese Geschichte bildet die zweite Ebene, auf der das Hauptaugenmerk liegt. Im unausweichlichen Aufeinandertreffen Rorys mit dem gealterten Urheber "seiner" Geschichte, erzählt dieser wiederum von der Entstehung des Manuskriptes und versetzt den Film nach Frankreich kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, womit die dritte Ebene ihren Lauf nimmt.
Derartig verschachtelte Erzählweisen sind wahrlich nicht jedermanns Sache, doch im Bezug auf die Schriftstellerthematik ist es durchaus interessant und legitim, dramaturgisch etwas zu experimentieren. Allerdings besteht dabei auch immer die Gefahr, dass die Geschichte überkonstruiert wirkt, und dieses Vorwurfs kann sich Der Dieb der Worte kaum erwehren. Doch das ist streckenweise erstaunlich gut verzeihbar. Die Geschehnisse um Rory Jansen sind solide erzählt und durchaus unterhaltsam und interessant, während die Storyline um die von ihm erzählte Geschichte anrührend wie klischeebehaftet zugleich ist, aber atmosphärisch überzeugt.
Dass die Entwicklungen, die die Handlung zwischenzeitlich nimmt, recht gewollt wirken, kreidet man einem Film schnell an, doch auch im wahren Leben gibt es nicht selten unglaubliche Verstrickungen. Doch ganz ehrlich, etwas weit hergeholt ist es schon, wenn ein junger Autor zufällig in einer alten Aktentasche in Frankreich das englischsprachige Manuskript eines Mannes finden, der später sogar wieder in den USA und sogar in derselben Stadt wie der Autor lebt und diesen dann auch noch ausfindig macht? Hat man sich damit abgefunden, darf man eine in blassen Farbtönen gezeichnete Geschichte beobachten, die sehr nah an der Grenze zum Kitsch gehalten ist. Diesen beiden sehr emotionalen Ebenen steht die unterkühlte Rahmenhandlung gegenüber, die sich recht unangenehm anfühlt und in den letzten Minuten leider versucht, dem Film einen besonders cleveren Touch zu verleihen, was aber misslingt.
Der Dieb der Worte hat fast durchgehend mäßige bis vernichtende Kritiken geerntet. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass sich die Dramaturgie als weit weniger originell entpuppt, als zunächst erhofft. So wird er beim längeren Nachdenken deutlich schlechter, als während des Sehens. Lässt man sich dabei nämlich auf die Geschichte ein, unterhält er durchgehend gut. Auch wenn die Schwächen des Drehbuchs leichter zu benennen sind als die Stärken des Gesamtwerkes, die sich nicht zuletzt aus den Leistungen der Darsteller ergeben, ist Der Dieb der Worte durchaus sehenswert.