|
|
 |
 |
 |
 |
 |
Killing Them Softly(Killing Them Softly, 2012)
| Dt.Start: |
29. November 2012
|
 |
Premiere: |
22. Mai 2012 (Cannes Film Festival, Frankreich) |
| FSK: |
ab 16
|
Genre: |
Krimi, Thriller |
| Länge: |
97 min
|
Land: |
USA |
|
Darsteller:
|
Brad Pitt (Jackie Cogan), Scoot McNairy (Frankie), Ben Mendelsohn (Russell), James Gandolfini (Mickey), Vincent Curatola (Johnny Amato), Richard Jenkins (Driver), Ray Liotta (Markie Trattman), Trevor Long (Steve Caprio), Max Casella (Barry Caprio), Sam Shepard (Dillon) |
|
Regie:
|
Andrew Dominik |
|
Drehbuch:
|
Andrew Dominik |
|
 Inhalt
Der Vollstrecker Jackie Cogan bekommt vom Gangsterboss Driver den Auftrag, in einem Überfall zu ermitteln, der während eines vom organisierten Verbrechen überwachten Pokerspiels stattgefunden hat. Kein Zuckerschlecken, wie sich herausstellt - denn neben den beiden Ganoven ist unter anderem noch ein Auftragskiller mit in der wilden Partie. |  |
|
Durchschnittliche Redaktionswertung
Kurzkritik
von Max Fischer
Der neue Film von Regisseur Andrew Dominik ist nicht für jeden etwas, keine Frage, und damit steht das Werk auch ganz in der Tradition seines Vorgängers Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford. Lange Dialogfetzen werden von kühlen Charakteren vorgetragen, die das Einfühlen merklich erschweren, und eigentlich hat man das alles auch schon in anderen Genrebeiträgen gehört und gesehen. Aber der Streifen bessert sich mit jeder Minute, was vor allem an der Einführung des Killers Jackie Cogan (Brad Pitt) liegt, der wohl eine der interessantesten und coolsten Figuren des laufenden Kinojahres darstellt. Und ehe man sich versieht, zieht der Film aus seiner unbarmherzigen Kälte sowie seiner gradlinigen Handlungsstruktur eine ganz eigene Faszination. Diese fordert den Zuschauer zwar nicht emotional, lässt ihn aber dafür umso eindringlicher mit dem Kopf nicken. Die hier vorgetragene, brutale Sachlichkeit eines Mordes stumpft nicht nur alle Filmfiguren, sondern auch das Publikum ab, was aber gar nicht negativ gemeint ist. Vielmehr wird man sich, während Johnny Cashs Stimme die Szene untermalt, bewusst, dass das Leben ein Geschäft ist!
Kurzkritik
von Daniel Licha
Wie schon in seinem letzten Werk schlägt Andrew Dominik sehr leise Töne an. In ausufernden Dialogen zeigt er einen etwas anderen Auftragskiller-Film, denn schließlich haben diese auch durch die Wirtschaftskrise ein paar Probleme mehr hinzubekommen. Fernab jeglichen Mainstreams lässt er seine Figuren auch gerne mal mehrere Minuten diskutieren, ohne dabei auch nur im Ansatz irgendwelche Hektik zu erzeugen. Das ist wunderbar erfrischend, zum einen weil die Darsteller dabei zur Höchstform getrieben werden (Gandolfini ist einmal mehr eine kleine Offenbarung), zum anderen weil die Dialoge punktgenau sitzen. Falls es dem ein oder anderen letzten Endes doch zu ruhig wird, dann wird er ab und an durch einige atemberaubende Kameraaufnahmen beeindruckt. 100% überzeugend ist das Ganze letzten Endes zwar nicht, zu gewollt wirkt an manchen Ecken der Versuch, einen neuen Kultfilm im Stile von Pulp Fiction zu erschaffen, doch viel kann man Killing Them Softly ansonsten kaum ankreiden. Definitiv sehenswert, nur eben nicht für die breite Masse.
Kritik
von Markus Müller
Killing Them Softly ist ein hochkarätig besetzter Gangsterfilm mit Zügen einer Politsatire, der zwar durch einige nette inszenatorische Spielereien zu gefallen weiß, jedoch inhaltlich sein Ziel nicht erreicht. Dafür sind die im Grunde simplen, künstlich aufgeblasenen Botschaften zu flach und letztlich nahezu aufdringlich präsentiert. Auch die nicht enden wollenden Dialoge, denen eindeutig der Pep fehlt, tragen ihren Teil dazu bei, dass Killing Them Softly leider recht langatmig ist.
Basierend auf dem 1974 veröffentlichten Roman "Cogan's Trade" des ehemaligen Staatsanwalts und Journalisten George V. Higgins erzählt Killing Them Softly eine Gangstergeschichte vor dem Hintergrund der Finanzkrise. Andrew Dominik, der für Drehbuch und Regie verantwortlich war, erkannte, dass es sich bei der ursprünglichen Geschichte von Higgins im Grunde um die eines Zusammenbruchs eines wirtschaftlichen Systems handelt und fühlte sich so dazu veranlasst, Parallelen zur Finanzkrise zu ziehen. Dafür verfrachtete er die Handlung aus den 70ern in den Herbst des Jahres 2008, also in die Zeit des Wahlkampfes, in dem sich John McCain und Barack Obama gegenüberstanden.
An sich ist diese Idee durchaus interessant, doch nicht ohne Grund fühlt man sich dabei ein wenig an David Cronenbergs gescheiterte Umsetzung des Don DeLillo Romans Cosmopolis erinnert. Die Gemeinsamkeiten sind dabei überaus offensichtlich: Bei beiden Filmen stehen Dialoge im Vordergrund, die durch einige recht unkonventionell inszenierte, teils überzeichnete Aktionen ergänzt werden, um skurrile Figuren zu etablieren, beziehungsweise mehr oder weniger schlüssige Kapitalismuskritik zu üben. Nun ist Killing Them Softly glücklicherweise kein Debakel wie der einige Monate zuvor erschienene Cosmopolis, doch wirklich gelungen ist Dominik sein Vorhaben auch nicht.
Abgesehen davon, dass inzwischen viele amerikanische Filme einen Bezug zur Finanzkrise haben und der Ansatz an sich somit nichts Neues ist, will der kritische Subtext nicht so recht überzeugen. Andrew Dominik, im Übrigen der Regisseur des Westerns mit einem der längsten Titel überhaupt (Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford), sieht seinen Film als Komödie, beziehungsweise als Politsatire. Zwar gibt es einige amüsante, scharfzüngige Momente, wenn zum Beispiel ein Untergrund-Kartenclub ausgenommen wird und auf einem Fernseher im Hintergrund eine Rede von George W. Bush zur Finanzkrise zu hören ist, doch wirkt das Konzept insgesamt fast schon zu flach - dafür aber beinahe aufdringlich omnipräsent. Vielleicht fällt es einem Deutschen auch schwerer, einen entsprechenden Bezug zur amerikanischen Politik herzustellen, doch die eingestreuten Verweise zeichnen kein klares ganzes Bild und lassen am Ende auch nur die Erkenntnis über die Parallelen vom Gangstermilieu zur US-Politik zu - doch das ist im Grunde weder wirklich neu, noch besonders differenziert gedacht. Näher betrachtet handelt es sich um die künstlerisch aufpolierte Weltanschauung einer Runde von Stammtischphilosophen in einem Film, den eben diese wahrscheinlich nicht verstehen würden.
An sich macht schon die Besetzung Lust auf den Film: Brad Pitt (12 Monkeys), Ray Liotta (Goodfellas), Sam Shepard (Don't Come Knocking) und Richard Jenkins (The Cabin in the Woods) - das klingt nach einem beeindruckenden Ensemble. Fans von Die Sopranos werden auch hellhörig, denn drei Darsteller der Kult-Mafiaserie sind ebenfalls mit an Bord: Neben James Gandolfini sind auch Vincent Cuatola und Max Casella in Nebenrollen zu sehen. Schauspielerisch ist also alles im grünen Bereich, wobei besonders der etwas zu stark gepuderte Ray Liotta eine wunderbar passende Rolle als abgehalfterter Spieler und sympathischer Kleinganove abbekommen hat. Brad-Pitt-Fans werden jedoch unter Umständen etwas enttäuscht sein, denn Pitt, der auch als Produzent tätig war, ist lediglich in einer zwar tragenden, aber gemessen an der Leinwandzeit kleinen Nebenrolle zu sehen. Ein wenig darüber hinweg trösten können jedoch Scoot McNairy (Argo) und Ben Mendelsohn (Killer Elite) als verblödete Junky-Gangster, die einfach wunderbar abgefuckt aussehen.
Das vielleicht größte Plus sind aber nicht die Darsteller, vielmehr ist es der geschickte Musikeinsatz. Tatsächlich ist die Titelauswahl absolut geschmackvoll und stylisch, wobei die Songtexte einen direkten Bezug zur Handlung haben. Immer wenn Musik läuft, macht Killing Them Softly wirklich Spaß und ist zum Teil recht beeindruckend. Doch leider ist genau das Gegenteil der Fall, wenn keine Musik zu hören ist und nur die Dialoge im Vordergrund stehen. Es ist recht offensichtlich, dass die Gespräche realistisch und humorvoll wirken sollen und nicht selten fühlt man sich an frühe Tarantino-Filme erinnert, doch leider haben die Dialoge weder den rechten Biss, noch sind sie sonderlich humorvoll. Während beispielsweise bei Pulp Fiction oft die Gespräche mit Aktionen verbunden sind und nahezu beiläufig die eigentliche Handlung einleiten und somit auf zwei Ebenen etwas passiert, wodurch auch die Handlung vorangetrieben wird, beobachtet der Zuschauer von Andrew Dominiks Film beispielsweise minutenlang zwei Spinner beim Quatschen im Auto - nur eine von vielen viel zu langen und ermüdenden Szenen, deren Reiz sich schon nach kurzer Zeit erschöpft, ohne dass eine Pointe oder eine spontane Aktion für die aufgebrachte Geduld entschädigt. Die scheinbar endlosen Gespräche, die oft nicht über klischeebehaftete Belanglosigkeit hinauskommen, sind wirklich unbeschreiblich ermüdend, was eigentlich das größte Problem des Filmes ist. Denn tatsächlich strecken erst die Dialoge den Film auf abendfüllende Länge, denn die eigentliche Handlung wäre in der Hälfte der Zeit erzählbar. Es fehlt einfach grundlegend an Spannung.
Es gibt ein paar inszenatorische Kniffe, die dem Film eine gewisse Dynamik verleihen. So wurde an der Kamera gute Arbeit geleistet, was sich in ungewöhnlichen Perspektiven und dem Einsatz von High-Speed-Kameras zeigt. Besonders die so entstandenen Slow-Motion-Szenen, inklusive einem Mord in superlangsamen Bildern, sehen fantastisch aus und sind besonders im Zusammenhang mit der Musik absolut sehenswert. Dennoch mutet Killing Them Softly streckenweise wie ein recht unselbstständiger Mix aus den Filmen von Guy Ritchie, Quentin Tarantino und den Coen-Brüdern an, ohne dass jedoch im entscheidenden Maße überzeugende eigene Akzente gesetzt werden. Es gibt von den genannten Filmemachern derart viele innovative und originelle Gangsterkomödien, die all das, was Killing Them Softly richtig macht, schon vor vielen Jahren zu bieten hatten, sodass Dominiks Film im direkten Vergleich leider untergeht. Da reichen die politkritischen Seitenhiebe und die Slow-Motion-Szenen auch nicht aus. Dennoch hat der Film seine Qualitäten und er könnte durchaus empfehlenswert sein, wenn er nur nicht so verdammt langatmig wäre.  Weitere interessante Filme
|
 |
 |
 |
 |
© 2013 MovieMaze.de |
 |
 |
 |
|