Der Film von Sergio Corbucci besticht nicht gerade durch eine vernünftige (oder immer nachvollziehbare) Handlung. Doch der faszinierende Stil des Films gleicht diesen Mangel hier bei weitem aus, denn Corbucci nutzt die Möglichkeiten des Mediums Film voll aus und bietet hier wunderbar-absurde Bilder und eine atmosphärische Dichte, die man in dieser Form selten zu sehen bekommt.
Man könnte nun eine lange und vernichtende Kritik über die Handlung verfassen. Denn nüchtern betrachtet setzt sich der Film von Sergio Corbucci (Zwei Asse trumpfen auf) aus Handlungselementen zusammen, die insgesamt betrachtet nicht wirklich konsequent durchdacht wirken. Doch es ist wohl kein Geheimnis, dass beim Italowestern, abwertend auch gerne mal als Spaghetti-Western bezeichnet, die Handlung eher nebensächlich ist und der Fokus auf einer Mischung aus Gewalt, atmosphärischer Inszenierung und schwarzem Humor liegt. So auch in diesem Film, der ohne Zweifel neben Sergio Leones berühmter Dollar-Trilogie (Für eine Handvoll Dollar, Für ein paar Dollar mehr und Zwei glorreiche Halunken) den wohl prägendsten Film dieses Genres darstellt.
Und genau hier liegen auch die Stärken von Django. Die zahlreichen Aggressionsorgien, die Corbucci hier heraufbeschwört, faszinieren einerseits durch ihre kompromisslose Inszenierung bei gleichzeitiger unkritischer Distanzlosigkeit. Gleichzeitig enthält diese Gewalt durch ihre Überspitzung und ihren extrem schwarzhumorigen und teils absurden Rahmen (beispielsweise das Maschinengewehr, das Django die meiste Zeit in einem Sarg hinter sich herzieht) eine interessante kritische Note. Dazu kommt eine für einen Western untypische, von Großeinstellungen dominierte Bildkomposition, die zusammen mit vielen schnellen Schnitten eine gewisse Comic-Haftigkeit erzeugt.
Darstellerisch bewegt sich der Film von Sergio Corbucci ebenfalls durchaus auf hohem Niveau. Hauptdarsteller Franco Nero ist mit Sicherheit die Idealbesetzung als wortkarger Anti-Held, der sich konsequent unsympathisch durch den gesamten Film schießt. Doch auch der restliche Cast um Loredana Nusciak als Maria weiß in seinen Rollen zu gefallen. Ebenfalls überzeugen kann die musikalische Umrandung von Luis Enriquez Bacalov. Zwar ist der Argentinier mit Sicherheit kein zweiter Ennio Morricone, doch rundet seine atmosphärische Musik, besonders das Titellied Django, den Film in jedem Fall gelungen ab.
Hätte man bei der Handlung die Qualität der Inszenierung beibehalten, wäre Sergio Corbucci mit Django einer der vielleicht besten Filme aller Zeiten gelungen. So aber ist Corbuccis Werk ein stilistisch brillanter, aber leider auch inhaltlich sinnloser Film geworden, der sinnbildlich für den Italowestern mit all seinen Stärken und eben leider auch Schwächen steht wie kaum ein anderer Film. Für Fans des Genres daher ein echtes Muss, für alle anderen ein Klassiker des Kinos, den jeder mindestens einmal gesehen haben sollte.