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Angels' Share - Ein Schluck für die Engel

(Angels' Share - Ein Schluck für die Engel, 2012)

Dt.Start: 18. Oktober 2012 Premiere: 22. Mai 2012 (Cannes Film Festival, Frankreich)
FSK: ab 12 Genre: Komödie, Drama
Länge: 101 min Land: UK, Frankreich, Belgien, Italien
Darsteller: Paul Brannigan (Robbie), John Henshaw (Harry), Gary Maitland (Albert), Jasmin Riggins (Mo), William Ruane (Rhino), Roger Allam (Thaddeus), Siobhan Reilly (Leonie), Chooye Bay (Tai Pan), James Casey (Dougie), Roderick Cowie (Anthony), Paul Donnelly (Jamie), Scott Dymond (Willy)
Regie: Ken Loach
Drehbuch: Paul Laverty


Inhalt

Robbie hat es nicht so mit dem Gesetz. Der junge Mann aus einem Arbeiterviertel in Glasgow muss wegen einer Prügelei gemeinnützige Arbeit verrichten. Dabei lernt er drei andere junge Männer kennen, mit denen er eine neue Leidenschaft entdeckt: den Whisky. Als die Gruppe erfährt, dass es ein teures Fass in den schottischen Highlands gibt, hecken sie einen Plan aus, der sie reich machen, aber auch ins Gefängnis bringen könnte.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Angels' Share - Ein Schluck für die Engel hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 73%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Angels' Share - Ein Schluck für die Engel hat eine Wertung von 73%
Der Rabauke Robbie ist mal wieder knapp dem Knast entkommen, muss aber etliche Sozialstunden ableisten. Dabei wird er von dem Sozialarbeiter Harry väterlich begleitet. Der erkennt, dass Robbie einen begnadeten Gaumen hat, zumindest was die Beurteilung der Qualität von Whiskys angeht. Robbie sieht seine Zukunft indes nicht als Whisky-Sommelier. Die Mischung aus Sozialdrama und Räuberklamotte neigt dazu, sich in ihrer Ausrichtung zu verzetteln, bereitet aber trotz allem viele vergnügliche Augenblicke. Der ganz große cineastische Wurf ist es vielleicht nicht geworden, auf jeden Fall aber ein gelungenes Feel-Good-Movie.

Bild aus Angels' Share - Ein Schluck für die Engel Unterprivilegierten- oder sogenannte Sozialdramen aus dem britischen Milieu tendieren nicht selten zwischen beißender Komik und einem mehr oder minder ausgeprägten Hooligan-haften Charme. Auch Ken Loachs (Looking for Eric) Filme sind dafür recht typische Beispiele; widmet er sich doch oft in ausführlicher Darstellung der britischen Arbeiterklasse und ihrer Probleme. Angels' Share, Loachs Cannes-Beitrag 2012, ist ähnlich gelagert, gibt sich diesbezüglich allerdings mainstreamiger und verknüpft im Versuch, über die Kritiker hinaus ein breiteres Publikum zu erreichen, Sozialdrama mit einem höchst unterhaltsamen Heist-Movie zu einem (unfreiwilligen) Werbespot für das schottische Nationalgetränk schlechthin.

Als Angels' Share werden die flüchtigen Bestandteile bezeichnet, die bei der Fasslagerung von Whisky während seines Alterungsprozesses verloren gehen. Das sind ungefähr zwei Prozent. Um die "Verflüchtigung" von Whisky dreht sich auch einiges in der gleichnamigen britischen Komödie, obwohl sie zunächst mit typischen Zügen eines Unterschichtdramas beginnt. Im Mittelpunkt steht der Glasgower Rüppel Robbie (Paul Brannigan), der bereits eine einschlägige Karriere hinter sich hat. Nachdem er erneut vor dem Haftrichter landet, wäre eine Haftstrafe längst überfällig. Angesicht dessen, dass seine Freundin Leonie (Siobhan Reilly) hochschwanger ist und jeden Augenblick niederkommen kann, drückt der Richter aber ein letztes Mal beide Augen zu. Ganz ungeschoren kommt Robbie dennoch nicht davon und wird zu 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.

An der Seite von Sozialarbeiter Harry (John Henshaw) darf Robbie nun unter Beweis stellen, dass er in der Lage ist, sich zu bessern. Zunächst nimmt das Ganze auch positive Züge an. Harry hilft ihm, einiges aus seiner Vergangenheit aufzuarbeiten und vielleicht manch begangenen Fehler zu korrigieren. Harry ist es dann auch, der Robbies einzigartiges Talent erkennt: Während einer Probierstunde in einer Whisky-Destille stellt sich heraus, dass Robbie über einen außergewöhnlichen Gaumen verfügt, der es ihm erlaubt, alle möglichen Aromen in einem Whisky auf Anhieb zu erkennen und damit dessen Qualität einzuschätzen. Während Harry darin Robbies Zukunft als Whisky-Experte zu sehen vermeint, hat der schon wieder auf Ganovenmodus geschaltet. Es schwebt ihm vor, einen sündhaft teuren Edel-Whisky zu stehlen und ihn anschließend in bare Münze zu verwandeln. Dazu bedarf es allerdings noch ein paar Gehilfen. Leider entpuppen die sich als selten vertrottelte wie nichtsnutzige Handlanger.

Ganz in sich stimmig will Angels' Share erzählerisch nicht erscheinen. Dazu ist die Strukturierung der Geschichte zu sprunghaft und die Mixtur der Komponenten vielleicht nicht ganz optimal gelungen. So ist der Film ein Stückweit gezwungen, in mehreren Anläufen die Gunst des Publikums für sich gewinnen zu müssen; dieses sieht sich nicht allein mit einem bissigen Sozialdrama konfrontiert, das mitunter von herrlich schrägen Figuren bevölkert wird; es muss sich auch mit einer Art Buddy-Movie, das deutliche Züge eines Vater-Sohn-Dramas annimmt, anfreunden und darf dann noch den stilistischen Spagat zur Räuberklamotte mitmachen. Dass dies dennoch alles weitestgehend gelingt, verdankt der Film vor allem seinen Darstellern, die als ungeschminkt-authentische Typen eine Menge zur Glaubwürdigkeit und zum Arbeiterklasse-Flair beitragen. Vor allem hervorzuheben ist dabei Hauptdarsteller Paul Brannigan, der im Grunde "von der Straße weg" rekrutiert wurde und somit aus erster Hand das Milieu kennt, in dem die Figur des Robbie beheimatet ist.

Schottisches Arbeiterklasse-Feeling samt Rowdy-Charme sowie abseitig skurrile Komik, geboren aus einer Menge Gauner-Slapstick, welcher Erinnerungen an Safecrackers aufkommen lässt, zeichnen Angels' Share im Wesentlichen aus. Wer auf extrem tiefe Einblicke in Minderprivilegierten-Realitäten hofft, wird aufgrund der dramaturgischen Ausrichtung, die diesen Kurs nicht stringent einhält, damit leben müssen, dass diese ausbleiben. Dafür aber entschädigt der Film auf breiter Front mit vielen anderen Köstlichkeiten.



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