Was James Bond für die britische Sicherheit darstellt, ist Carl Hamilton für Schweden. Den Geheimagenten gibt es hier bereits seit 1986 als Romanfigur, nun brachte Regisseurin Kathrine Windfeld ihn auf die Leinwand. Mikael Persbrandt ist für die Rolle Hamiltons die richtige Wahl gewesen. Sein Abenteuer im Kino stellt ihn bereits auf eine harte Probe, denn der routinierte Agent verliert nicht nur seine große Liebe, sondern muss auch noch eine Menge tun, um Schweden vor großen politischen Problemen zu bewahren. Der Weg dorthin bietet Spannung und gute Unterhaltung.
Für Schweden ist Agent Hamilton einer der wichtigsten Männer, um die nationale Sicherheit zu wahren. Er wird immer dann gerufen, wenn es heikle Aufträge zu erledigen gibt. Aktuell ist der Agent an der Grenze zwischen Somalia und Usbekistan im Einsatz. Dort sollen High-Tech-Raketen zu einer geheimen Mission transportiert werden. Doch die Kolonne wird von bewaffneten Soldaten überfallen - einziger Überlebender ist Hamilton. Zur gleichen Zeit wird ein schwedischer Ingenieur in Ägypten entführt. Schnell wird klar - hier besteht ein Zusammenhang, also muss der Agent auch in dieses kritische Gebiet reisen und die Interessen seines Landes vertreten. Das kommt ihm gerade recht, denn er hat sich in eine schwierige Lage gebracht: Im Affekt hat er seine neue Freundin umgebracht. Dank seiner Position als Agent droht ihm zwar keine Gefängnisstrafe, aber um die quälenden Schuldgefühle hinter sich zu lassen, stürzt er sich in den heiklen Auftrag. Doch welche Dimension der annimmt, ahnt selbst der routinierte Hamilton nicht.
60 Jahre ist es inzwischen her, dass der Schriftsteller Ian Flemming sich die Figur James Bond ausdachte: Ein smarter Geheimagent, der die Bösewichte außer Gefecht setzt und nebenbei noch alle Frauenherzen bricht. Doch der einzige Vertreter seiner Gattung ist er nicht - wenn auch der bekannteste. In Schweden war es Jan Guillou, der seit 1986 eine Spionage-Reihe schrieb und damit die Figur Hamilton im Inland etablierte. Zehn Bücher und neun Übersetzungen später sind endlich auch Filmemacher auf die Figur aufmerksam geworden. Nach dem Kultstatus, den James Bond und mit ihm seine Darsteller inzwischen erlangt haben, auch kein Wunder. In die Rolle des taffen und furchtlosen Spions schlüpft in diesem Fall Mikael Persbrandt, der bereits als engagierter Arzt im Film In einer besseren Welt positiv auffiel. Hier gibt er einen Mann im Zwiespalt: verankert in seiner Pflicht als Spion, der im Interesse des Landes handelt und seinem Wunsch, ein beständiges Leben mit Familie zu führen. Schon alleine dieser Konflikt gibt dem Film einen ernsten Nährboden.
Dazu kommt eine politisch anspruchsvolle Handlung, in der man sich bemühen muss, die Zusammenhänge richtig zu begreifen. Immerhin gibt es regelmäßige Sprünge zu unterschiedlichen Schauplätzen, die in der Welt verstreut sind. Doch wer aufmerksam bleibt, kommt zurecht, und weltpolitisch interessierte Zuschauer finden in der Erzählung zudem viele Ansatzpunkte. Der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist eindeutig der namensgebende Agent Hamilton, der schon früh auf einen unberechenbaren Widersacher stößt: Rob Hart tut alles, um die schwedischen Spezialraketen zu bekommen und mögliche Gefahrenquellen für die Mission skrupellos auszuschalten. Verkörpert wird der Bösewicht von Jason Flemyng, der bereits durch Filme wie Der seltsame Fall des Benjamin Button und X-Men: Erste Entscheidung Bekanntheit erlangt hat.
Mikael Persbrandt ist für die Rolle des Agenten die richtige Wahl gewesen, denn mit seinen blauen Augen und seinen weichen Gesichtszügen gibt er der oft harten und ernsten Figur die nötige Sanftheit. Besonders tragisch an seiner Figur ist die Tatsache, dass er die Frau, die er liebt, aus Versehen tötet - Grund ist ausgerechnet sein antrainierter Verteidigungsreflex, den er sogar im Schlaf einsetzen kann. Gerade dieser Unfall zwingt ihn dazu, seinem Job weiter nachzugehen, denn stellen kann er sich der Polizei nicht. Stattdessen nimmt er neue Aufträge an, die im Zusammenhang zu seiner letzten Mission stehen.
Wahrscheinlich erlebt das Publikum in Agent Hamilton - Im Interesse der Nation den schwersten und gefährlichsten Fall des Geheimagenten (zumindest bis zu einer möglichen Fortsetzung). Carl Hamilton ist eigentlich kurz davor, seinen Dienst zu quittieren, doch dann gerät er in einen so heiklen Fall, dass er eine Menge opfern muss. Dass spannende Action nicht zwangsläufig aus den USA kommt, ist bereits seit der Verfilmung der Stieg Larsson-Reihe klar. Doch dank der Regiearbeit von Kathrine Windfeld wird nun deutlich, dass in Skandinavien noch mehr filmisches Potenzial steckt. Hamilton ist ein hervorragender Spion, der in eine spannende Geschichte geworfen wird. Hier und da wird dem Zuschauer ein guter Überblick abverlangt, um noch mitzukommen. Dennoch ist der Action-Thriller interessant, unterhaltsam und vor allem wegen der Hauptfigur absolut sehenswert.