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Oh Boy!

(Oh Boy!, 2012)

Dt.Start: 01. November 2012 Premiere: 03. Juli 2012 (Festival, Tschechien)
FSK: ab 12 Genre: Komödie, Drama
Länge: 83 min Land: Deutschland
Darsteller: Tom Schilling (Niko Fischer), Inga Birkenfeld (Hannah), Martin Brambach (Kontrolleur Jörg), Michael Gwisdek (Friedrich), Robert Hofmann (Pascal), Marc Hosemann (Matze), Rolf Peter Kahl (Kontrolleur Stefan), Friederike Kempter (Julika Hoffmann), Arnd Klawitter (Phillip Rauch), Frederick Lau (Ronny), Ulrich Noethen (Walter Fischer)
Regie: Jan Ole Gerster
Drehbuch: Jan Ole Gerster


Inhalt

Der Berliner Niko Fischer hat sein Leben nicht im Griff. Weil er zu häufig mit Alkohol am Steuer erwischt wurde, muss er zum Idiotentest. Sein Vater entzieht ihm das Taschengeld, weil er über Umwege erfahren musste, dass der Sohnemann sein Studium geschmissen hat, und sein bester Kumpel ist ein arbeitsloser Schauspieler. Als Niko in einem Fast-Food-Schuppen Julika wiedertrifft, eine inzwischen höchst attraktive alte Schulfreundin, scheint sich das Blatt zu wenden.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Oh Boy! hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 82%
Kurzkritik
von Daniel Licha
Wertung von 80 für Oh Boy!

Die Geschichte eines Berliners und seiner verzweifelten Odyssee nach einem Kaffee. Jan Ole Gersters in schwarz-weiß gedrehter Film zeigt einen erlebnisreichen Tag im Leben eines jungen Mannes und hat den Zuschauer dabei schnell auf seiner Seite. Dabei sind es vor allen Dingen die Geschehnisse um die Hauptfigur Niko herum, die den Film sehenswert machen. Jede Figur hat eine interessante Geschichte zu erzählen, die nur selten nach den üblichen Sehgewohnheiten endet, sondern einen realistischen Blick auf den jeweiligen Charakter wirft. Toll auch das Spiel von Hauptdarsteller Tom Schilling, der zurückhaltend durch die jeweiligen Episoden schlendert, aber dennoch die treibende Kraft des eigentlichen Filmes ist. Inszeniert ist das Ganze zudem 1a, man versinkt richtig in die Atmosphäre von Gersters Werk, der zudem beweist, dass es auch in Deutschland gutes Independentkino im Stile von Garden State und Co. geben kann.

Kritik

von Benjamin Schieler
Oh Boy! hat eine Wertung von 83%
Es gibt Tage, da klebt einem das Pech an den Füßen. Dann bekommt man es mit einem bärbeißigen Psychologen, einem verständnislosen Vater und einem attraktiven Geist aus der Vergangenheit zu tun. Und nirgendwo gibt es einen vernünftigen Kaffee. Das in schwarz-weiß gedrehte Spielfilmdebüt von Jan Ole Gerster erinnert entfernt an einen frühen Woody-Allen-Film. Hauptrollen: Tom Schilling (Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe) und Berlin. Eine solch feinsinnige und tänzelnde Komödie hat man lange nicht gesehen.

Bild aus Oh Boy! Niko Fischers neue Berliner Wohnung ist eigentlich längst nicht mehr neu. Trotzdem stapeln sich die Umzugskisten, trotzdem herrscht Chaos - so wie in seinem Leben insgesamt. Das Jurastudium hat er geschmissen. Zwei Jahre ist das schon her. Seitdem denkt er nach, ist ein verlorener junger Kerl in einer Welt voller Hindernisse, fragt sich, ob es die anderen sind, die merkwürdig erscheinen - oder doch er selbst. An einem einzigen Tag kumulieren all seine Probleme und Empfindungen, und Niko steht kopfschüttelnd daneben und kann nicht so recht erfassen, was um ihn herum geschieht.

Diese Passivität des Protagonisten ist von Regisseur Jan Ole Gerster bewusst gewählt. Der Absolvent der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin hat sein bemerkenswertes Spielfilmdebüt zu einer "Collage aus Szenen und Momenten" erklärt. Der wunderbar zurückhaltende Tom Schilling spaziert als roter Faden durch diese Collage, meist als sinnsuchendes Opfer des Lebens, manchmal auch nur als stiller Beobachter menschlicher Tragik, etwa beim zufälligen Blick in den Keller seines einsam-verheirateten Nachbarn (Justus von Dohnanyi, Ruhm). Weitere herrliche Gastrollen bekleiden zum Beispiel Michael Gwisdek (Das Lied in mir) als redseliger Kneipennachbar und Ulrich Noethen (Die Unsichtbare) als Nikos golfspielender Vater, der seinen Sohn als Nichtsnutz erachtet und ein Driving-Range-Duell mit seinem arschkriechenden Protegé arrangiert.

In kurzen Momenten wie diesen, Augenblicke im tatsächlichen Wortsinn, vermag Gerster viel zu erzählen. Er balanciert sicher auf dem schmalen Grat zwischen Humor und Tragik und bringt sein Publikum durch bedacht gesetzte Nadelstiche zum Lachen. Auf Haudrauf-Humor verzichtet er und hebt sich dadurch erfrischend federnd ab von filmischer Stangenware aus deutschen Landen wie Männerherzen oder Kokowääh. Passend dazu: die vermeintliche Liebesgeschichte, die sich zwischen Niko und Julika (Friederike Kempter, What a Man, vor allem auch bekannt aus ihrer Rolle als Nadesdha im Tatort Münster), einer alten Bekanntschaft aus Schulzeiten, anbahnt. Sie verzichtet letztlich auf Klischees und endet, wie sie enden muss.

In vielerlei Hinsicht erinnert Oh Boy - auch wenn sich Gerster gegen diese Assoziation etwas wehrte - an frühere Filme von Woody Allen: Der Film hat einen Protagonisten, der, einer Mischung aus verschrecktem Eichhörnchen und widerwilligem Gesellschaftsrebell gleich, durch die große Stadt stolpert - statt New York ist es hier eben Berlin. Untermalt wird das Ganze durch jazzige Klänge. Bleibt am Ende nur die Frage, warum es unbedingt ein Schwarz-Weiß-Film werden musste. Etwa, um dem Ganzen einen größeren künstlerischen Anspruch zu verleihen? Dem Zuseher erschließt sich die Entscheidung nicht. Eine große Rolle spielt das aber nicht.



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Dt. Start: 13. Okt 2011
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